ASTAT-Erhebung

Südtirol bei KI im Gesundheitswesen gespalten

Montag, 27. April 2026 | 12:00 Uhr

Von: luk

Bozen – Künstliche Intelligenz ist im Alltag vieler Südtiroler längst angekommen – auch im Gesundheitsbereich. Doch wenn es um ihren konkreten Einsatz in der Patientenversorgung geht, zeigt sich ein differenziertes Bild: Zustimmung und Skepsis halten sich laut einer aktuellen Erhebung des Landesinstituts für Statistik (ASTAT) die Waage.

KI-Nutzung weit verbreitet

Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) nutzt künstliche Intelligenz mehrmals pro Woche, nur knapp jeder Fünfte (19 Prozent) gar nicht. Besonders häufig greifen jüngere, besser gebildete und technikaffine Personen auf KI-Anwendungen zurück.

Gesundheitsbereich: Offen, aber vorsichtig

Grundsätzlich befürworten 47 Prozent den Einsatz von KI zur Unterstützung der eigenen Gesundheitsversorgung. 49 Prozent glauben, dass KI die Gesundheit der Bevölkerung insgesamt verbessern kann. Gleichzeitig äußern viele auch Bedenken: Rund ein Drittel zeigt sich skeptisch gegenüber dem Einsatz durch Fachpersonal, 44 Prozent fürchten einen möglichen Verlust menschlicher Kontrolle.

Organisation ja – Behandlung mit Vorbehalt

Am größten ist die Zustimmung dort, wo KI organisatorische Aufgaben übernimmt: Drei Viertel der Befragten (75 Prozent) halten ihren Einsatz etwa bei Terminplanung und Verwaltung für sinnvoll. Deutlich zurückhaltender ist die Bevölkerung hingegen bei sensibleren medizinischen Anwendungen.

Bildung und Technikaffinität entscheidend

Die Haltung zur KI hängt stark vom Bildungsniveau und der Technikaffinität ab. Wer technikaffin ist oder eine höhere Ausbildung hat, steht KI deutlich positiver gegenüber und sieht eher Chancen. Menschen mit geringerer Techniknähe äußern häufiger Sorgen – vor allem hinsichtlich Kontrollverlust und einer stärkeren Ausbreitung von KI im Gesundheitswesen.

Männer offener als Frauen

Auch beim Geschlecht zeigen sich Unterschiede: Männer bewerten den Einsatz von KI im Gesundheitsbereich tendenziell positiver als Frauen. Beim Alter hingegen gibt es keine signifikanten Unterschiede.

Zwischen Fortschritt und Vorbehalten

Die ASTAT-Erhebung macht deutlich: KI hat ihren Platz im Alltag vieler Südtiroler gefunden. Im Gesundheitswesen überwiegt zwar eine vorsichtige Offenheit – doch Vertrauen ist kein Selbstläufer. Vor allem bei sensiblen Anwendungen bleibt die Bevölkerung kritisch.

Mesner: “KI wird die Medizin grundlegend verändern”

„Künstliche Intelligenz wird die Medizin in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Für uns ist aber klar: KI ist kein Ersatz für Ärztinnen und Ärzte oder für das medizinische Personal, sondern ein Werkzeug, das helfen kann, effizienter zu arbeiten und die Qualität der Versorgung weiter zu erhöhen”, betonte Hubert Messner, der Landesrat für Gesundheitsversorgung und Gesundheit in seinen Grußworten.

Damit spricht er der Südtiroler Bevölkerung aus der Seele, denn die Südtirol-Studie hat ein differenziertes Bild der Akzeptanz der KI in der Gesundheitsversorgung gezeichnet. “Die Erhebung wurde erfolgreich im Rahmen des probabilistischen ASTAT‑Panels ‘So denkt Südtirol’ durchgeführt, welches schnelle sowie verlässliche Ergebnisse gewährleistet”, erklärte Timon Gärtner, der Direktor des Landesinstituts für Statistik ASTAT. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass die Südtiroler Bevölkerung dem Einsatz der KI grundsätzlich offen gegenübersteht, wenn ein persönlicher Nutzen erkennbar ist. So befürworten 47 Prozent der Befragten den Einsatz von KI zur Unterstützung der eigenen Gesundheitsversorgung, 49 Prozent sind der Ansicht, dass KI in der Patientenversorgung die Gesundheit der Bevölkerung verbessern kann, und 75 Prozent halten den KI-Einsatz bei der Planung und Organisation von Arztterminen für sinnvoll.

Doch es gibt auch Bereiche, in denen der Einsatz kritisch gesehen wird. „Vorbehalte liegen in der Befürchtung begründet, dass der Mensch durch den Einsatz von KI zu wenig Kontrolle behält (45 Prozent), weshalb auch noch eine gewisse Skepsis gegenüber Fachpersonen besteht, welche KI verwenden (32 Prozent)”, erklärte Dietmar Ausserhofer, Studienleiter und Wissenschaftler am Institut für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen. Wo der Bevölkerung der direkte Kontakt mit Fachpersonen wichtig ist, zum Beispiel bei Aufklärung, Beratung, Behandlung und Entscheidungen in medizinischen Notfällen, werde die KI weniger akzeptiert.

Doris Hager-Prainsack, Allgemeinmedizinerin und Präsidentin des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen, leitet aus den Studienergebnissen das sinnvollste Vorgehen ab: “Wir sollten mit einfachen, alltagsnahen KI-Anwendungen beginnen, bei denen die Akzeptanz bereits hoch ist. Weiters müssen wir offen kommunizieren, wie KI eingesetzt wird und wer die Verantwortung trägt, denn 44 Prozent der Befragten befürchtet einen Verlust menschlicher Kontrolle. Diese Sorge ist ernst zu nehmen. KI kann uns helfen, mehr Zeit für das, was wirklich zählt, zu schaffen: das Gespräch mit den Patienten. Sie kann uns von der Bürokratie entlasten und somit den Kopf frei machen für die eigentliche medizinische Arbeit.”

Landesrat Messner betonte abschließend: “Im Südtiroler Sanitätsbetrieb haben wir eine eigene Kompetenzsstelle für KI eingerichtet, die mögliche Einsatzbereiche bewertet und entscheidet, welche Anwendungen konkret sinnvoll und verantwortungsvoll nutzbar sind.” Die Ergebnisse der Studie würden wichtige empirische Grundlagen für solche Entscheidungen liefern.

Bezirk: Bozen

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