WIFO-Wirtschaftsbarometer Sommer 2020

Südtiroler Baugewerbe: Große Unsicherheit über die Zukunft

Dienstag, 25. August 2020 | 10:37 Uhr

Bozen – Die Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen zeigt, dass ein Drittel der Unternehmen im Baugewerbe eine schlechte Ertragslage im laufenden Jahr erwartet. Die Corona-Krise hat den Umsatz und die Investitionen stark beeinträchtigt.

Der Südtiroler Bausektor war in den letzten sechs Jahren durch eine kontinuierliche Verbesserung des Geschäftsklimas gekennzeichnet, auch dank der guten Entwicklung der öffentlichen und privaten Nachfrage. Die Coronavirus-Epidemie hat diesen positiven Trend abrupt unterbrochen, sodass nur noch zwei Drittel der Unternehmen von einer zufriedenstellenden Rentabilität im Jahr 2020 ausgehen. Die Unternehmer und Unternehmerinnen im Baugewerbe berichten über starke Umsatzverluste: Das Geschäftsvolumen fiel im April um 41 Prozent und im Mai um 20 Prozent geringer aus als im entsprechenden Vorjahresmonat. Der Rückgang war vor allem im Hochbau und im Baunebengewerbe (Installation und Fertigstellung von Gebäuden) sehr stark. Im Tiefbau hingegen lag das Geschäftsvolumen bereits im Mai nur noch um zehn Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

Die Auswirkungen der Krise auf die Beschäftigung scheinen im Baugewerbe vorerst weniger gravierend zu sein als in anderen Sektoren der Südtiroler Wirtschaft. Natürlich haben der auf nationaler Ebene festgelegte Entlassungsstopp und die massive Inanspruchnahme der Lohnausgleichskasse wesentlich dazu beigetragen, die negativen Effekte auf die Beschäftigung zu begrenzen. Im zweiten Quartal 2020 zählte die Südtiroler Bauwirtschaft durchschnittlich knapp 17.800 unselbständig Beschäftigte, dies sind 0,5 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Zudem war die Marktsituation vor der Epidemie recht gut: 2019 wurden in Südtirol Baugenehmigungen für mehr als 3,9 Millionen Kubikmeter erteilt und der Tiefbausektor profitiert von den hohen öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur. Für die kommenden Monate wird jedoch eine Verschlechterung befürchtet, vor allem wegen des Rückgangs der Gebäudeinvestitionen seitens der anderen Wirtschaftssektoren.

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Krise hat auch zu einem Rückgang der Investitionen der Bauunternehmen geführt, insbesondere bei der Anschaffung von Fahrzeugen. Viele Unternehmer/innen klagen auch über einen erheblichen Anstieg der Produktionskosten und eine starke Verschlechterung der Zahlungsmoral der Kunden.

Ein positiver Beitrag zum Aufschwung des Bausektors könnte sich aus den erhöhten Steuerbegünstigungen für die energetische Sanierung von Gebäuden (dem sogenannten „Superbonus“) ergeben.

Der Präsident der Handelskammer, Michl Ebner betont die Notwendigkeit, bürokratische Hindernisse zu beseitigen: „In Krisenzeiten brauchen Unternehmen Sicherheit und es ist wichtig, die Bürokratie möglichst gering zu halten. Zum Beispiel ist es notwendig, so schnell wie möglich die Zweifel im Zusammenhang mit dem neuen Landesgesetz Raum und Landschaft zu klären, um Verlangsamungen der Verfahren zu vermeiden.“

Nachfolgend die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände:

Michael Auer, Präsident Kollegium der Bauunternehmer

„In der jetzigen Zeit ist es für die Unternehmen des Bausektors wichtiger denn je, ohne hohen bürokratischen Aufwand arbeiten zu können. Dies gilt vor allem auch für die Umsetzung des neuen Landesgesetzes für Raum und Landschaft. Um Arbeitsplätze zu sichern, muss zudem auf den Ausbau von Infrastrukturen gesetzt, Arbeiten an lokale Unternehmen vergeben sowie die für die energetische Sanierung vorgesehenen Steuerbegünstigungen effizient genutzt werden.“

Hubert Gruber, Obmann der Berufsgruppe Baugewerbe im lvh Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister

„Die Sorge einer wirtschaftlichen Rezession gegen Ende des Jahres ist im Bausektor noch immer präsent. Keiner weiß, wie sich die nächsten Monate entwickeln werden. Um schweren Folgen entgegenzuwirken und mittel- und langfristig die Wirtschaft zu stärken, hat der Staat bereits einige Förderungen wie den Superbonus eingeführt. Wir hoffen auf weitere Investitionsanreize auf staatlicher sowie lokaler Ebene.“

Maurizio Lazzarini, Präsident CNA-SHV Bauwesen

„Wir arbeiten an der Schaffung eines territorialen Mechanismus, der die Nutzung des Superbonus von 110% bei Renovierungen und Sanierungen erleichtern soll. Dies wäre eine wichtige Triebfeder, um Arbeitsmöglichkeiten für die Kleinst- und Kleinunternehmen des Baugewerbes zu schaffen. Es ist jedoch wichtig, dass auch die öffentliche Verwaltung Investitionspläne für öffentliche Bauarbeiten erstellt und die Aufträge in Lose unterteilt, die auf kleine lokale Unternehmen zugeschnitten sind.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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19 Kommentare auf "Südtiroler Baugewerbe: Große Unsicherheit über die Zukunft"


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Mico
Mico
Tratscher
1 Monat 2 Tage

ma…. nocher krieg i vieleicht a amol an elektriker oder hydrauliker… für kleine arbeiten muass man jo betteln… und über an johr warten…….

Vieldenker
Vieldenker
Superredner
1 Monat 2 Tage

Weil in di lestn johrzehnte di kinder mit gewolt indi oberschueln inni gsteckt gewordn sein, deswegn

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

ganz genau, betteln ist wirklich richtig ausgedrückt’

Spiegel
Spiegel
Superredner
1 Monat 1 Tag

Aber dann beim Kassieren sind sie schnell.

rantanplan
rantanplan
Tratscher
1 Monat 2 Tage

ich habe selbst für ein bauvorhaben eine baufirma gesucht, viele haben gar nicht
angeboten da sie bereits total ausgelastet sind…also brauch mir keiner erzählen dass es schlechter läuft!!

tomsn
tomsn
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Bei selche Leit wie du wos üboroll um en Preis umafratschln bietn seriöse Firmen gor nima un. Versteh ich vollkommen!

a sou
a sou
Superredner
1 Monat 2 Tage

@tomsn
Na na mein Herr, da hat er schon recht! Keine Zeit, oder bewusst „falsch oder gar nicht anbieten ist an der Tagesordnung bei vielen unsrer heimischen Baufirmen… leider dir Reslität, weiß das aus eigener Erfahrung!

rantanplan
rantanplan
Tratscher
1 Monat 2 Tage

@tomsn
glaube nicht dass du mich kennst um beurteilen zu können was ich fratschle….jede seriöse firma erstellt heute angebote

monia
monia
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Erwarte für 2021 eine Pleitewelle in Südtirol! Der Tourismus schwächelt und dann kriegen viele andere Wirtschaftszweige Probleme!

Wenn dann die Darlehen im nächsten Jahr nicht wieder verlängert werden können dann müssen viele zusperren! Arbeitslosenrate von über 10 % wird dann auch bei uns leider Realität werden.

Spiegel
Spiegel
Superredner
1 Monat 1 Tag

Die guten sperren nicht zu. Wenn das aber eintrifft müssen aber die Landesstellen ab sofort gekürzt werden denn die sind das Problem in Südtirol.

schwarzes Schaf
schwarzes Schaf
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Kaum baut der Hotelier nicht ist die Baubranche in der Scheisse und der Rest hengt mit dem Arsch mit drin, also leute überlegg mal was ihr immer schreibt zwecks Hoteliers und gäste

Nik1
Nik1
Superredner
1 Monat 2 Tage

Kein Wunder! Die Immobilienpreise waren schon vor Corona enorm hoch und jetzt mit dem Corona wenn niemand weiß wie es weiter geht.

braver bui
braver bui
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

jo bei de auflagen de es Land verlong und der enormen zettelwirtschoft und iaz no dorzua es neue raumordungsgesetz isch bauen für private jo a zumutung geworden

a sou
a sou
Superredner
1 Monat 2 Tage

Gensu, wenn es Probleme geben wird in der Bauwirtschaft, dann eohl ehr wegen dem „neuen“ Raumordnungsgesetz, das mit Ordnung nicht wirklich was zu tun hat 😉

moeschba
moeschba
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

des gsetz hobmse in do coronakrise nö gimist aussaboxn. vosteht uans die londsregierung. a ausgfille gewaltig. wenn i a projekt in prettau moch und müss in programm a hagile mochn dass i net in nationalpark stilfsa joch bin donna wuasche olls..

a sou
a sou
Superredner
1 Monat 2 Tage

Immer das selbe geplärre und an jeder Ecke im Land eird fleissig gebaut, was das Teug hält!!!

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

interessanterweise wenn man dann einen Handwerker sucht… alles Gute und viel Glück!

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 1 Tag

jimini Die haben wahrsch.bei den Bauern zu tun da ist Alles kein Problem🙈

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Tratscher
1 Monat 2 Tage

In D unterschiedliche Meldungen. Von “Weniger Aufträge” bis
“Der Juni brachte nach Angaben des Bundesamtes sogar einen Rekordwert: Mit neuen Aufträgen im Gesamtwert von rund 8,3 Milliarden Euro verbuchte die Branche nominal ein Plus von 9,2 Prozent zum Juni 2019 und damit den höchsten jemals gemessenen Wert an Bestellungen in einem Juni in Deutschland. Allerdings konnte der Anstieg im Juni die Rückgänge in den von der Pandemie besonders geprägten Monaten März bis Mai nicht ausgleichen: Zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sechs Monaten nominal um 0,2 Prozent.”
https://www.onvista.de/news/kraeftiges-auftragsplus-fuer-baubranche-halbjahr-dennoch-im-minus-388610275

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