Großes Interesse an der Tagung zur Gemeinschaftsverpflegung

Tagung zu gesundem Essen in Mensen

Freitag, 01. März 2019 | 18:10 Uhr

Bozen – Lokal, saisonal, klimaverträglich, so sollten Südtirols Mensen kochen. Vor fast genau einem Jahr, am 23. März 2017 hat der europäische Ausschuss der Regionen, dessen Berichterstatter Landeshauptmann Kompatscher ist, ein Papier verabschiedet, das u. a. die Europäische Kommission „zur Klärung bestehender Einschränkungen in den Vorschriften für die Vergabe öffentlicher Aufträge auffordert, damit die Nachhaltigkeitskriterien zur Anwendung kommen können“. Um diese Nachhaltigkeitskriterien und die Frage, wie man sie anwenden kann, wenn der Preis das einzige Kriterium zu sein scheint, ging es heute in der Tagung an der Uni Bozen.

Tausende von Südtiroler werden täglich von Gemeinschaftsküchen versorgt. In Kitas, Kindergärten und Schulen, in Arbeitermensen, Krankenhäusern und Altersheimen essen Menschen das, was die Gemeinschaftsküche anbietet. Und nicht immer entspricht das Essen den Kriterien, die von der Politik und von den Konsumenten gefordert wird.

Die heutige Tagung an der Freien Universität Bozen hat das Thema Nachhaltigkeit in der Gemeinschaftsverpflegung aufs Tapet gebracht. In einer Zusammenschau unterschiedlicher Südtiroler AkteurInnen wurden die Fragen diskutiert:

Wie steht es mit kurzen Wegen, lokalen, saisonalen und biologischen Produkten in den Südtiroler Mensen? Wie gelingt es, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten?

Was brauchen ProduzentInnen, Verteiler, VerwalterInnen und Küchen, um die nachhaltige Beschaffung zu optimieren? Welche ersten Schritte und Zielsetzungen sind im Hinblick auf das lokale Angebot realistisch? Von welchen Erfahrungen können die AkteurInnen berichten?

In seinen Grußworten sagte der Landesrat Thomas Widmann „Bei der Gemeinschaftsverpflegung ist es wichtig, dass die Politik die verschiedenen Player zusammenbringt und eine einzige Anlaufstelle schafft. Das Land hat über den Landeshauptmann in Brüssel erwirkt, dass das Thema mehr Gewicht bekommt, und in Südtirol eine Offensive gestartet, welche aus drei Säulen besteht: die Schaffung von Vermarktungsplattformen sowie einer Marke, die lokale und faire Produkte kennzeichnet aber auch die Änderung der Ausschreibungskriterien, um den lokalen Produkten einen Mehrwert zukommen zu lassen.“

„Nie zuvor wurde über die Gesundheit und Ernährung so stark diskutiert, wie in der heutigen Zeit”, so der Präsident des Südtiroler Gemeindenverbandes Andreas Schatzer. „Wir alle kennen den Spruch der Mensch ist, was er isst. Heute wollen wir dieses Thema vertiefen und von einem gesunden Geist zu einem gesunden Körper gelangen.”

„Wenn wir zukunftsfähig sein wollen, müssen Lebensmittel wieder als WERT-voll angesehen werden. Dazu gehören lokal kultiviertes Obst und Gemüse, verantwortungsvolle Viehzucht, die auch das Wohl der Tiere im Blick hat, Produkte aus dem fairen Handel, wobei „fair“ auch für alle anderen Lebensmittel zu gelten hat. Dafür muss aber die Politik die Weichen stellen“, sagte der Direktor der Organisation für Eine Welt, Matthäus Kircher einleitend.

Das Hauptreferat bestritt der Leiter des Brüsseler Büros von ICLEI Peter Defranceschi. Seine Kernaussage: „In ganz Europa ist nachhaltige Lebensmittelbeschaffung derzeit das große Thema, insbesondere zurück zu eigenen Küchen und weg von immer stärker industrialisierter Nahrung. Südtirol sollte hierbei eine Vorreiterrolle spielen.”

Die Vergaberichtlinien auf Landes- und Gemeindeebene und die rechtlichen Spielräume, die sie bieten, listete der Direktor der Vergabeagentur Thomas Mathá auf.

Wenig Spielraum sehen die großen Dienstleister im Land. „Höchstanforderungen zu Niedrigstpreisen bieten – das ist der Spagat den wir Dienstleister machen müssen“, sagt die Geschäftführerin der Firma Markas Evelyn Kirchmayer.

Der Küchenmeister und DGE Auditor Andreas Köhne übte Kritik am Vergabegesetz: „Solange wir über Plattformen einkaufen, können regionale Anbieter nie mithalten.”

Von „guten Erfahrungen durch gezielte Schulung des Personals“ berichtete die Direktorin der ladinischen Kindergärten Hannelore Insam. Sie hat in enger Zusammenarbeit mit einer Ernährungsexpertin einen Weg gefunden, den Kindern trotz begrenzter finanzieller Mittel eine gesunde Kost zu bieten.

Sparen durch weniger Verschwendung forderte die Ernährungsfachfrau Ivonne Daurú: „In der Gemeinschaftsverpflegung wird immer noch viel zu viel weggeworfen. Man kann auch an der Menge sparen. Aber vor allem kann man Menüpläne umstellen.“

Von einem ähnlichen Weg berichtete der Heimleiter des Vinzentinums in Brixen. „Bei uns haben die Jugendlichen das Thema aufgeworfen. In einem partezipativen Prozess haben wir dann Vieles am Menüplan und in der Küchenlogistik verändert und sind jetzt nachhaltiger unterwegs.“

Schon seit 15 Jahren macht die Gemeinde Bozen vor, wie auch große Gemeinden durch eigene Ausschreibungen Kriterien wie saisonal, regional und biologisch in die Gemeinschaftsverpflegung bringen. „Wir setzen aber viel Zeit und Energie für eine lückenlose Kontrolle ein“, berichtet Barbara Fellin, die für die Schulmensen zuständige Beamtin.

All jene, die zum Thema nachhaltige Beschaffung weitere Informationen brauchen, können sich an Sabine Schwarz von der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, zuständig für diesen Bereich, wenden.

Die Tagung fand an der Uni Bozen statt, der akademisch Verantwortliche Dr. Georg Miribung kündigte an, dass sich die Uni weiterhin um das Thema kümmern werde, auch weil das Interesse so groß sei und quer durch die Bevölkerung gehe. Nun müsse die Politik konkrete Maßnahmen folgen lassen. Kooperationspartner waren der Gemeindenverband, die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, die Organisation für eine Welt Brixen, die Kampagne Mahlzeit und ICLEI Brüssel.

Von: luk

Bezirk: Bozen

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