Vorschau auf das AFI-Barometer

Tourismus: Quo vadis?

Freitag, 09. Juli 2021 | 12:45 Uhr

Bozen – Eine Sommersaison, die auf 80 Prozent des Vorkrisenniveaus aufschließt, grünes Licht für den Bettenstopp und eine Absage für die Verlängerung der Piste des Flughafens: Das sind die drei Hauptergebnisse aus dem Sonderteil der Sommerausgabe des AFI-Barometers: „Was hervorsticht, ist vor allem die Klarheit der Tendenzen“, kommentiert AFI-Direktor Stefan Perini die Ergebnisse.

Die Sommer-Ausgabe 2021 des AFI-Barometers lenkt den Fokus auf das Wiederkehren der touristischen Flüsse, aber auch auf die mittelfristigen Herausforderungen dieser Branche, die sich immer stärker an Nachhaltigkeit und Qualität orientieren will.

Nächtigungsergebnis Sommersaison: 80 Prozent des Vorkrisenniveaus erwartet

Nach einer verpatzten Wintersaison startet der Tourismus in Südtirol wieder durch. „Wir wollten von Südtirols Arbeitnehmer/Innen wissen, wie stark die Sommersaison auf das Vorkrisenniveau aufschließen wird“, führt Matteo Antulov, der im Arbeitsförderungsinstitut das AFI-Barometer betreut, ins Thema ein. „Die Einschätzungen des Großteils der Befragten reichen von 60 Prozent bis 120 Prozent des Allzeithochs im Sommer 2019. Der Durchschnittswert beträgt 80 Prozent.“

Nimmt man diesen Wert als Referenz für die Simulation der Sommersaison 2021, schließt das Tourismusjahr 2021 (November 2020 – Oktober 2021) mit einer Bilanz von -27 Prozent zum Tourismusjahr 2020 und mit -48 Prozent zum Tourismusjahr 2019. „Die Hypothek durch die letzte Wintersaison wird die Bilanz 2021 entscheidend mitprägen“, sagt AFI-Direktor Stefan Perini.

Bettenstopp: zwei Drittel der Befragten sind dafür

Mit der Pandemie hat sich der Tourismus in Südtirol von einem Extrem zum anderen bewegt: von der Diskussion über den „Overtourism“ hin zu einer Unterauslastung der Beherbergungsbetriebe. In der zweiten Frage des Sonderteils hat das Institut die Einstellungen der Arbeitnehmer/Innen betreffend den Grundsatzbeschluss der Südtiroler Landesregierung eruiert, die Bettenanzahl von Beherbergungsbetrieben begrenzen zu wollen. „Die Tendenz ist eindeutig“, sagt Antulov: „Zwei Drittel der Interviewten unterstützt prinzipiell das Vorhaben, die Bettenanzahl zu limitieren, ein Drittel nicht. Die vorwiegende Zustimmung zieht sich durch alle sozialen Gruppen von Arbeitnehmern, unabhängig von Geschlecht, Wohnort und Tätigkeitsbereich. Besonders dafür sind die älteren Jahrgänge (über 50), während die jüngere Generation (unter 30) zurückhaltender ist.

Verlängerung der Flughafen-Landebahn: Für sieben von zehn Befragten keine gute Idee

Auch die dritte Frage befasst sich mit einem aktuellen Thema: was die Arbeitnehmer/Innen von der Verlängerung der Landebahn des Flughafens Bozen auf knapp über 1.400 Meter halten.

68 Prozent der Befragten unterstützen diese Entscheidung nicht (40 Prozent sind strikt dagegen, 28 Prozent eher dagegen), 32 Prozent schon (13 Prozent sind sehr dafür, 19 Prozent eher dafür). „Auch hier zeigt sich eine deutliche Tendenz – in diesem Fall die ablehnende“, erklärt Antulov: „Unsere Analysen zeigen, dass der Teil der Skeptiker, der sich bei ca. 70 Prozent einpendelt, sowohl Bozen und Leifers betrifft, die von der Entscheidung maßgeblich betroffen sind, aber auch den Rest des Landes. Unter jenen, die weniger dagegen sind, finden sich die im Hotel- und Gastgewerbe Beschäftigten und die Über-50-Jährigen. Etwas überraschend sind die Unter-30-Jährigen besonders dagegen.“

STF: “Südtiroler wollen keinen Flughafen-Ausbau”

“Die Menschen in Südtirol wollen keinen Ausbau des Flughafens. Der Wille der Bevölkerung ist glasklar. Er muss endlich respektiert werden“, betont die Bezirksgruppe Unterland/Überetsch der Süd-Tiroler Freiheit.

Das AFI fragte nach, was die Arbeitnehmer von der Verlängerung der Landebahn des Flughafens Bozen auf knapp über 1.400 Meter halten. Das Ergebnis sei eindeutig: “Über zwei Drittel der Südtiroler, 68 Prozent der Befragten, wollen keinen Ausbau! Die Umfrage deckt sich fast genau mit der Volksbefragung vom 12. Juni 2016. Vor fünf Jahren stimmte die Bevölkerung mit einer überwältigenden Mehrheit von 70,7 Prozent gegen die Flughafenträume der SVP. In einigen Gemeinden im Unterland lag das Ergebnis bei bulgarischen 90 Prozent, so die Bewegung.

„Und anders als es die Landesregierung gerne darstellt, hat die Bevölkerung nicht nur gegen die Finanzierung des Flughafens mit Steuergeld gestimmt, sondern gegen das Gesamtkonzept“, betont Stefan Zelger von der Bezirksgruppe. „Im Konzept enthalten war auch der Ausbau und die Verlängerung der Landebahn.“ Dies sei, so Zelger, auch offensiv vom Komitee der Befürworter kommuniziert worden.

Tauber: „Herumnörgeln am Tourismus bringt uns nicht weiter”

Für das Arbeitsförderungsinstitut AFI werde der Tourismus und die touristische Entwicklung offensichtlich zum Hauptschwerpunkt ihrer Tätigkeit. „Viele Gastwirte und Touristiker haben mittlerweile das Gefühl, dass am schwersten von der Pandemie gebeutelten Sektor herumgenörgelt wird, statt dass man anerkennen würde, dass der Start der Sommersaison geglückt ist und wieder rund 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Tourismus eine Beschäftigung gefunden haben“, reagiert Landtagabgeordneter Helmut Tauber auf das AFI-Barometer.

In Zeiten, wo die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sich wieder bemühen, ihre Kapazitäten auszulasten, wieder das Thema Bettenstopp aufzugreifen, sei laut Tauber ebenso wenig zielführend. „Dass die Branche kein großes quantitatives Wachstum mehr anstreben soll, ist sehr vielen bewusst. Trotzdem muss die Grundlage dafür geschaffen werden, dass die nachfolgende Generation ihre Betriebe weiterentwickeln können und dadurch Arbeitsplätze in vielen Branchen gesichert werden“, unterstreicht Tauber. Die vergangene Wintersaison habe dramatisch unterstrichen, was es bedeutet, wenn die Tourismusbetriebe, die Aufstiegsanlagen und alle Branchen, die mit dem Wintersport zu tun haben, nicht tätig sein konnten und einen enormen Umsatzverlust erlitten. “So gesehen ist das Interesse von AFI, zu erfahren, ob man für oder gegen die Verlängerung der Landebahn ist, eine Lappalie”, so Tauber.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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7 Kommentare auf "Tourismus: Quo vadis?"


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Superredner
22 Tage 21 h

Bettenstopp ist nicht das Thema. Ein Flughafen , der nichts bringt, weder für Einheimische noch Touristen, überteuerte Hotels und ausländische Arbeitskräfte. So sieht in Südtirol Nachhaltigkeit aus. Schade! Es gäbe gut Leute mit Ausbildung, die aber nicht richtig bezahlt wird. Warum sollte jemand studieren, wenn er einen Sold wie total unqualifizierzes pePersonal bekommt???

Chrys
Chrys
Superredner
22 Tage 18 h
On der Flughafen was bringt, oder nicht, das ist ja relativ nebensächlich und wirkt sich sicherlich nicht auf den “Sold” aus. Im Moment kostet er höchstens etwas Herrn Gostner und Co. Überteuerte Hotels brauchen sicherlich Fachpersonal und die werden eben auch gut bezahlt werden müssen, denn Kunden die überteuerte Preise bezahlen wollen auch eine überdurchschnittliche Leistung haben. Wenn wir die Hotels reduzieren, den Flugplatz zusperren usw. dann werden dadurch sicherlich nicht die Löhne steigen. Zudem, ausländische Arbeitskräfte gehen dort hin wo die höchsten Löhne bezahlt werden. D, CH und A sind sicherlich 200 Mal so gross wie Suedtirol und die… Weiterlesen »
Susi
Susi
Tratscher
22 Tage 22 h

ich bin auch für einen Bettenstopp, aber dann auch bei den Bauern und mal alle bei Aribnb vermieteten Wohnungen kontrollieren! Es bringen nicht nur die Hotels den Massentourismus, sondern auch diese Kategorien! Und da diese ja keine Pos Geräte benötigen, wird auch dementsprechend verrechnet.

Chrys
Chrys
Superredner
22 Tage 18 h

Die Apartments sind zwischenzeitlich wohl das größte Problem geworden. In Bozen und Meran gibt es zwischenzeitlich hunderte davon. Schaut mal auf booking.com nach und ihr werdet sehen, dass z.B. in Bozen lächerliche 15 Hotels aufscheinend aber bestimmt hundert Apartments. Natürlich können die auch viel mehr Miete bezahlen und dadurch steigt auch der Mietpreis der Wohnungen.

Offline
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Kinig
22 Tage 20 h

Vielleicht sollte SN mal die diversen “freundlichen” Kommentare zu ausländischen Gästen in Südtirol europaweit veröffentlichen bzw. die Bekanntheit seiner App ausweiten. Das würde den “Overtourism” vielleicht deutlich einschränken.

halihalo
halihalo
Superredner
22 Tage 20 h

weniger ist mehr !

Wea
Wea
Grünschnabel
22 Tage 1 h

Ja für diejenigen Hotels, welche schon 400 Betten haben ist das kein Problem, die kleinen Bteriebe bekommen sie….. Aber ja arbeiten und Steuern zahlen soll man trotzdem. Sich weiterentwickeln nicht. Wieso macht man nicht einen Politikerstopp, da sind ja auch zu viele Teppen drin!! 🤟

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