Heimatpflegeverband hofft auf Landestourismusentwicklungskonzept

Tourismus: “Wir sollen authentisch bleiben”

Freitag, 12. März 2021 | 11:14 Uhr

Bozen – Der Tourismusbereich ist von der Coronakrise auch in Südtirol stark betroffen. Umso wichtiger sei es, jetzt Maßnahmen zu treffen, um den Tourismus im Land nach der Krise nachhaltig und resilient zu gestalten. Genau das solle mit dem geplanten Landestourismuskonzept geschehen, betonte Landesrat Schuler bei einem gemeinsamen Treffen mit dem Heimatpflegeverband.

Bereits seit Jahrzehnten weist der Heimatpflegeverband darauf hin, dass die wichtigste Ressource für den Tourismus in Südtirol die einzigartige und authentische Natur- und Kulturlandschaft ist. “Mit dem überhitzten Ausbau des Tourismussektors und den bekannten Auswüchsen in allen Landesteilen in den letzten Jahren werden diese Qualitäten Südtirols sowohl für Einheimische als auch für Touristen bedroht, diese Einsicht findet in der Bevölkerung, aber auch in der Tourismuswirtschaft eine immer breitere Basis”, so der Heimatpflegeverband. „Wir sollen und müssen authentisch bleiben“, ist auch Landesrat Arnold Schuler überzeugt und plant mit dem neuen Landestourismusentwicklungskonzept die Weichen für eine nachhaltigere Entwicklung zu setzen.

Bettenobergrenze und keine quantitative Erweiterung mehr

Ein wichtiger Schritt sei der geplante Abgleich zwischen genehmigter Bettenanzahl und tatsächlichen Übernachtungen und vor allem auch die Miteinberechnung der nichtgewerblichen Betten aus Privatzimmern, Urlaub auf dem Bauernhof und Airbnb, um endlich einen tatsächlichen Überblick über die Kapazitäten im Südtiroler Tourismus zu bekommen. Allzu oft seien in der Vergangenheit etwa Gästebetten als Personalbetten deklariert worden, mit der neuen Zählung werde dieser und ähnlichen Praktiken hoffentlich ein Riegel vorgeschoben. Sehr zu begrüßen ist aus Sicht des Heimatpflegeverbandes die Abschaffung der Möglichkeit der quantitativen Erweiterung. “Ins Auge stechen natürlich die Neuausweisungen von Tourismuszonen auf der grünen Wiese, aber der massive Ausbau ist in den letzten Jahren über die quantitative und qualitative Erweiterung geschehen.”

Das Problem der qualitativen Erweiterung bleibt

“Auch wenn die Abschaffung der quantitativen Erweiterung ein wichtiger und richtiger Schritt hin zu einem nachhaltigen Tourismus ist, bleibt das Problem der qualitativen Erweiterung weiterhin bestehen. Auswüchse wie die Skipiste und die Lagune auf dem Dach werden damit wohl auch weiterhin möglich sein.” Der Heimatpflegeverband appelliert an die Landesregierung auch hier Richtlinien vorzugeben, um maßvolle und authentische Betriebe zu fördern und überdimensionierte Tourismusscheinwelten zu verhindern. “Qualität misst sich vor allem am gebotenen Service, an der Gastfreundschaft und nicht an der verbauten Fläche.”

Problem der bereits ausgewiesenen Betten

“Ein Problem, das mit dem geplanten Landestourismuskonzept nicht gelöst werden kann, aber imminent ist, sind die bereits zugewiesenen, aber noch nicht verbauten Betten und Tourismuszonen. In Erwartung strengerer Regelungen hat es in den letzten Jahren einen Boom von neuen Projekten gegeben. Mehr als 10.000 der in den – inzwischen außer Kraft gesetzten – Tourismusentwicklungskonzepten der Gemeinden vorgesehenen Betten wurden bereits zugewiesen, aber noch nicht verbaut. In den nächsten Jahren kommt deshalb eine Reihe von touristischen Großbauten auf das Land zu, die die jeweilige Natur- und Kulturlandschaft massiv beeinträchtigen und damit den Tourismus selbst schädigen”, so der Heimatpflegeverband.

Familiengeführte Klein- und Mittelbetriebe müssen unterstützt werden

Solche Großprojekte erhöhten außerdem massiv den Druck auf die vielen familiengeführten kleinen und mittelgroßen Tourismus-, Privatzimmer- und Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe, die das Herzstück des kleinstrukturierten, authentischen Südtiroler Tourismus bilden. “Mit den Dumpingpreisen der großen Hotels in den Nebensaisonen können viele Familienbetriebe nicht mithalten. Die neuen Tourismusleitlinien der Landesregierung sehen die verstärkte Unterstützung der Klein- und Mittelbetriebe vor. Dazu muss allerdings den großen Tourismusscheinwelten ein Riegel vorgeschoben werden. Und Familienbetriebe müssen von der Politik und den Interessensverbänden auf ihrem Weg zu nachhaltigen authentischen Vorzeige-Betrieben begleitet werden. Zu große Hotelbetriebe hingegen sind kaum vererbbar und führen vielfach zu Streit, Verkauf und Spekulation.”

Neuausweisungen auch außerhalb der Siedlungsgrenzen weiterhin möglich

“Obwohl immer wieder angekündigt wurde, dass es mit dem neuen Gesetz für Raum und Landschaft eine klare Trennung zwischen den Möglichkeiten innerhalb und außerhalb der Siedlungsgebiete geben wird, bleiben für Tourismuszonen weiterhin Schlupflöcher offen. In sogenannten touristisch schwach entwickelten Gebieten ist es weiterhin möglich, auf der grünen Wiese neue Tourismuszonen auszuweisen. Das ist mit den Zielen einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Tourismusplanung unvereinbar”, so der Heimatpflegeverband.

Das Gesetz ist (nicht) für alle gleich

“Die kritische Stimmung in vielen Teilen der Bevölkerung gegenüber dem ausufernden Tourismus ist wohl auch der Bevorteilung touristischer Projekte in den letzten Jahrzehnten zuzuschreiben. Fälle, wo touristische Großbetriebe mitten im Dorf mehr als doppelt so viel Kubatur, mehr als doppelt so hoch und dazu noch ohne Einhaltung der Mindestabstände bauen durften als die benachbarten Wohnbauten, waren keine Seltenheit. Einige dieser Sonderregeln wurden inzwischen zwar abgeschafft, doch einige bleiben auch weiterhin bestehen. So sieht das neue Gesetz für Raum und Landschaft etwa vor, dass für Projekte touristischer Betriebe innerhalb der Siedlungsgrenzen keine Planungsmehrwert-Abgabe an die Gemeinde entrichtet werden muss, für Wohnbauprojekte hingegen schon. Solche eklatanten Ungleichbehandlungen führen zu sozialen Spannungen in der Bevölkerung”, heißt es weiter.

Die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung müssen gesetzt werden

“Die Sommer- und Wintersaisonen vor der Coronakrise haben gezeigt, dass auch in Südtirol der Begriff „Overtourism“ kein Fremdwort mehr ist. Massiver Druck auf Natur- und Kulturlandschaft, Verkehrskollaps, überlaufene Hotspots und immer neue Tourismuszonen und Eventinstallationen auf der grünen Wiese waren die Folge. Und Politik und Experten sind sich einig: Nach der Krise wird der Südtiroltourismus – zum Glück – wieder boomen. Allerdings ist es jetzt notwendig, die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung zu setzen. Mit den neuen Tourismusleitlinien hat Landesrat Schuler und die Landesregierung eine gute Grundlage geschaffen. Nun bleibt zu hoffen, dass die Leitlinien im geplanten Landestourismuskonzept auch umgesetzt werden”, heißt es abschließend.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

41 Kommentare auf "Tourismus: “Wir sollen authentisch bleiben”"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
monia
monia
Tratscher
30 Tage 4 h

Beim Heimatpflegeverband ist dringend ein Generationswechsel anzuraten! Seit Jahrzehnten wird gegen den Tourismus gewettert ohne Alternativen zu nennen!

Der sogenannte “sanfte Tourismus” ist gescheitert und dort wo er versucht wurde sind die Orte bzw. Täler fast ausgestorben. Die Jugend ist abgewandert und es sind leblose Pendlerdörfe entstanden!

info
info
Tratscher
30 Tage 1 h

Villnöss, Ulten und Pfelders sind ja auch total ausgestorben, leblos und ohne Jugend.
Oder doch eher die Perlen, die sich um ihre Zukunft keine Sorgen machen müssen?

Techno Guy
Techno Guy
Tratscher
29 Tage 23 h

@info eher das Zweite!

monia
monia
Tratscher
29 Tage 22 h

Schauen wir mal in 10 Jahren – dann wird man sehen wer dann noch dort ist! Ohne Tourismus sehe ich schwarz in diesen Tälern!

info
info
Tratscher
29 Tage 21 h

@monia
Wir sprechen von sanftem Tourismus und ich bin mir sicher, dass sich diese Täler für die Zukunft sehr gut aufgestellt haben.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
29 Tage 1 h

Was mich immer wundert ist: wie werden diese Wehrburgen überhaupt finanziert? Wohl die Nachlässigkeit unserer Großbanken. Und eine Sache ist ordentlich schiefgelaufen, dass in den letzten Jahren extrem der Bau vorangetrieben wurde, nicht zuletzt mit den Drohungen der neuen Raumordnung.
Meine Meinung: Coronakrise 5 Jahre früher – viel weniger Schuldenschaden

Gewaltig
Gewaltig
Neuling
30 Tage 3 h

Die Bauern terfen jo iats 1500m³ derzuabauen. Chalets auf dem Bauernhof so zu sogen… DES WERT WIEDER AUSARTEN !!!🙈

tom
tom
Universalgelehrter
30 Tage 2 h

Auf MAX 1500m³ nicht um 1500³

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
29 Tage 17 h

man darf 300m3 mear bauen, von 1200 auf 1500… bitte zuerst richtig lesen bevor man falsche sachen behauptet bitte

Techno Guy
Techno Guy
Tratscher
30 Tage 3 h

Ohne Tourismus haben viele Täler keine Zukunft und Südtirol wird ärmer.

Ohne Skigebiete werden wir ganze Dörfer zusperren dürfen.

Heimatpflegeverband sieht dies leider nicht.

Kompatscher
Kompatscher
Grünschnabel
30 Tage 2 h

Authentisch, vielleicht sollte man mal ganz einfach mit dem Gebrauch der deutschen Ortsnamen anfangen. 

wieland
wieland
Grünschnabel
30 Tage 2 h

@Kompatscher Da gebe ich Ihnen recht, aber leider verkauft sich das nicht so gut.

bern
bern
Universalgelehrter
30 Tage 29 Min

@Kompatscher
ja, das wäre Zeit. Wir können nicht Italien verkaufen wenn wir keines haben.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
30 Tage 3 h

Einen Tourismus wie wir ihn bisher gekannt haben wird es nicht mehr geben. Es braucht durch die Coronakrise sicher keine Erweiterungen mehr. Wir müssen schauen die vorhandenen Betten zumindest einigermaßen zu füllen.

Luki881
Luki881
Neuling
30 Tage 3 h

Schun interessant, dass für so a Beitrog a Hotelbeispiel mit ettamo 70 Zimmo hergenummen wert^^ Obbo do sigman widdo amol, dass do Heimatpflegeverband et aufgrund von Fakten sondon af “Gefühl” Entscheidungen trifft und seine Meinung äußert. Spätestens in 10 Johr wondon die guitn Unotnehma aus und mir om do in Südtirol is BettnSTERBM – konn in die Pensioniertn Beomtn jo wurscht sein 😉 I wer hot et vogessn, dasstz enkra Schuld wor

bern
bern
Universalgelehrter
30 Tage 9 Min

Bravo Luki!
wir haben in Südtirol 50000 öffentlich Bedienstete. Wir haben durch die Autonomie mehr Kompetenzen, dies einberechnet haben wir 10000 Beamte zu viel.

Neumi
Neumi
Kinig
29 Tage 23 h

@ Bern Nicht jeder im öffentlichen Dienst ist ein Beamter. Lehrer usw, sind auch öffentliche Bedienstete, ebenso die Müllabfuhr und Polizei.

brunner
brunner
Universalgelehrter
30 Tage 3 h

Die ganzen Gesetze werden gezielt auf Urlaub auf dem Bauernhof ausgerichtet….wen wunderts….Kleinpensionen aber auch Hotel Mittelbetriebe bleiben auf der Strecke…

bern
bern
Universalgelehrter
30 Tage 25 Min

wieso? Auch diese werden in der Anzahl der Betten beschränkt, Wie alle anderen!

halihalo
halihalo
Superredner
30 Tage 3 h

ich hoffe das durch diese krise ein Umdenken stattfindet für mehr Schutz unserer Natur .
Das Land soll auch für uns Südtiroler lebenswert bleiben , in den letzten Jahren wurde sehr viel zerstört und es ist kaum zu glauben , es gibt immer noch Hotels wo kräftig dazugebaut wird

Doolin
Doolin
Superredner
30 Tage 4 h

…Bettenstopp ohne zu wissen wie viele Betten es gibt…man wird weiter gepflanzt…
🤪

ferri-club
ferri-club
Tratscher
29 Tage 23 h

Doolin; Bettenstop geht ja noch, die wissen ganz genau wie viele gemeldete betten sind, Tourismusvereinsbeitrag wird ja anhand den gemeldeten Betten berechnet, aber Nächtigungsstopp/Deckelung da ist ja die schwindlerei schon gezwungener maßen vorprogrammiert.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
30 Tage 1 h

Das Foto ist ja der blanke Horror. Unglaublich…..

Neumi
Neumi
Kinig
29 Tage 23 h

Nah, das schaut nur während der Bauphase so aus. Am Ende wird das eine typische traditionelle Südtiroler Arlm mit jodelnden Ziegenhirten.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
30 Tage 1 h
Der Heimatpflegerverband wir hier vielfach zu unrecht kritisiert. Sie sehen das Problem genau dort wo es liegt ohne aber die Notwendigkeit des Tourismus für das Land aus den Augen zu verlieren. Wer denkt allen Ernstes, dass ein Betrieb wie der Hubertus in Geiselsberg (erinnert ihr euch noch wie dieses kleine Dörfchen früher war?) zum Standard werden sollte? Die GESUNDE Entwicklung des Tourismus haben wir leider schon seit Jahren aus den Augen verloren. Überall entstehen Bettenburgen mit Attraktionen, welche überall auf der Welt stehen könnten und überall auf der Welt nahezu gleich aussehen. Wollen wir, will das der Gast wirklich??? Ein… Weiterlesen »
eisern
eisern
Tratscher
29 Tage 17 h

Ich denke das kaum ein Tourist der nach Südtirol kommt in ein großes Hotel gehen will. Ich mag die kleinen Höfe oder Pensionen die Familienbetriebe sind und hoffe das ich bald wieder kommen kann. Viele Grüße nach Südtirol!

Missx
Missx
Kinig
28 Tage 8 h

@eisern
Ja, deshalb sind die großen Hotels auch ständig leer gewesen in der Vergangenheit 🙄

Oldwest
Oldwest
Grünschnabel
30 Tage 3 h

Hätten Wier bleiben müssen ja.

Sextenersonnenuhr
Sextenersonnenuhr
Grünschnabel
29 Tage 20 h

😂😂😂😂😂😂😂 Sorry das ich jetzt lachen muß, aber wenn ich das höre bzw lese und gleichzeitig mitbekomme das immer mehr abgeholzt wird für neue Skipisten und Seilbahnen dann ist das doch ein Widerspruch in sich !!!

giovanocci
giovanocci
Tratscher
29 Tage 18 h

top hotel, kann ich nur empfehlen 👍👍👍

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
29 Tage 9 h

Man kann sich auch den Tourismus schönreden 😂😂

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
29 Tage 16 h

authentisch bleiben!
bleiben? das sind wir he nicht mehr

W.Berger
W.Berger
Neuling
26 Tage 7 h

Rückwärtsgewandte Ansichten bringen Südtirol nicht weiter .
Österreich löst vieles viel intelligenter . Ich verstehe nicht , diese altbackene Ansichten . Man fühlt sich als Tourist wie ein Feind .

wpDiscuz