Betriebsratsmitglied Eric Schmied vor dem VW-Werk Kassel-Baunatal

VW-Betriebsrat sieht Vertrauensverlust in Belegschaft

Samstag, 11. Juli 2026 | 13:02 Uhr

Von: APA/dpa

Nach Ansicht des Betriebsrats hat das Verstreichen eines Ultimatums an die Konzernspitze zu einem großen innerhalb der Volkswagen-Belegschaft geführt. Man habe registrieren müssen, dass Konzernchef Oliver Blume am Freitag das Management über Details zum wahrscheinlichen Aus für deutsche Fabriken als auch zu einem massiv ausgeweiteten Stellenabbauziel informiert habe. Die Belegschaft wurde hingegen von offizieller Seite noch nicht informiert, so der Betriebsrat am Samstag.

“Wir verurteilen scharf, dass er gleichzeitig den zehntausenden betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements diese Informationen weiterhin vorenthält”, hieß es von den Vertretern der Belegschaft. Der Betriebsrat hatte Blume ein Ultimatum bis Freitag gestellt, Stellung zu beziehen.

In der Konsequenz werde der Konzernchef nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen – nicht nur im Stammwerk – Rede und Antwort stehen müssen. “Dabei wird das Hauptaugenmerk der Belegschaft darauf liegen, ob der Vorstand diese Krise mit notwendigen Maßnahmen überhaupt gemeinsam mit den Beschäftigten meistern will oder gegen sie”, hieß es weiter. Schon am Donnerstag hatte es zahlreiche Protestaktionen gegeben.

Branchenexperte: “Die Mitarbeiter müssen verzichten.”

Der Auto- und Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert angesichts der Krise der deutschen Autoindustrie eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und einen Verzicht seitens der Mitarbeiter bei Volkswagen. Damit könne man “das Problem der hohen Produktionskosten” zumindest teilweise lösen. “Schmeißen wir die Tarifautonomie weg für ein paar Jahre!”, sagte Dudenhöffer und forderte Politik, Gewerkschaften und Unternehmen zu gemeinsamen Gesprächen auf. “Die Mitarbeiter müssen verzichten.”

Deutschland habe sich zu viel Wohlstand geleistet, während der internationale Wettbewerb stärker geworden sei, sagte Dudenhöffer gegenüber der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sieht der Ökonom und Leiter des privaten Instituts Center Automotive Research (CAR) aber Chancen für die deutschen Autobauer. “In fünf bis sieben Jahren könnte es einen Aufschwung geben”, sagte er. “Die Zeit davor wird aber richtig hart, wir müssen uns wahnsinnig anstrengen.”

Den Vorwurf, die Hersteller hätten die Elektromobilität verschlafen, wies der Autoexperte zurück: “VW war der erste europäische Hersteller, der in ein reines E-Auto-Werk investiert hat.” Zudem zeige etwa die Marke Skoda, dass man fortschrittliche, wettbewerbsfähige Fahrzeuge bauen könne. “Skoda kann’s – also ist der Generalverdacht, die Autobauer hätten etwas verpennt, falsch.” Kritisch bewertete Dudenhöffer die fehlenden konkreten Ergebnisse der jüngsten VW-Aufsichtsratssitzung. “Die Unsicherheit bleibt, was nicht gut ist für Kunden, Mitarbeiter und Kapitalgeber”, sagte er.

Berichte: VW droht massiver Stellenabbau

Bei Volkswagen könnten laut “Manager Magazin” bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Laut “Bild” könnten es sogar 120.000 sein. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht den Berichten zufolge die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Genaue Details hat VW aber noch nicht genannt.

Wie die “Süddeutsche Zeitung” unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gegen das Paket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen im Aufsichtsrat. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, “die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt”.

VW äußerte sich am Freitag nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat. Der Konzern meldete am Freitag ferner erneut rückläufige Absatzzahlen. Im zweiten Quartal 2026 sank die Zahl der verkauften Fahrzeuge um knapp neun Prozent.

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