WIFO-Wirtschaftsbarometer Herbst 2022

Weitere Verschlechterung der Stimmung im Einzelhandel

Donnerstag, 01. Dezember 2022 | 09:43 Uhr

Bozen – Der starke Kostenanstieg und die Befürchtung eines Nachfragerückgangs in den kommenden Monaten beeinträchtigen weiterhin das Konsumklima im Südtiroler Einzelhandel, insbesondere bei den Betreibern von Super- und Mini-Märkten. Positiver ist die Stimmung im Bereich Kfz-Handel und -Reparatur und vor allem im Großhandel, wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Branchen. Dies geht aus der Herbsterhebung des Wirtschaftsbarometers vom WIFO ‑ Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

Im Einzelhandel ist das Geschäftsklima sehr verhalten. Ein Drittel der Einzelhandelsbetriebe meldet heuer eine schlechte Ertragslage und fast die Hälfte rechnet bereits mit einem unbefriedigenden Betriebsergebnis im Jahr 2023. Dies ist vor allem auf den starken Anstieg der Kosten für Energie und für den Wareneinkauf zurückzuführen.

Ertragslage im Einzelhandel – Rückblick bis 2022 und Erwartungen für 2023

Hinzu kommt die Befürchtung eines Nachfragerückgangs in den kommenden Monaten und einer neuen Verschärfung der Konkurrenz. Daher plant jedes dritte Einzelhandelsunternehmen, die Investitionen zu verringern und einige rechnen auch mit einem Rückgang der Beschäftigung. Betrachtet man die einzelnen Branchen, so ist die Stimmung vor allem bei den Super- und Mini-Märkten schlecht. Zwei Drittel davon erwarten für das kommende Jahr eine unbefriedigende Rentabilität.

Einzelhandel – Ertragslage nach Branchen

Im Großhandel sieht die Situation besser aus: 83 Prozent der Unternehmen bewerten die Ertragslage im laufenden Jahr zumindest als zufriedenstellend, ein Drittel sogar als gut. Das Umsatzwachstum wird sich 2023 fortsetzen, wenn auch in geringerem Maße, was unter anderem auf neue Preiserhöhungen zurückzuführen ist. Dies wird Investitionen, Beschäftigung und – zumindest teilweise – Rentabilität sichern.

Ertragslage im Großhandel – Rückblick bis 2022 und Erwartungen für 2023

Die Ertragslage wird im kommenden Jahr in acht von zehn Fällen zufriedenstellend ausfallen, allerdings kaum jemals gut. Die Erwartungen unterscheiden sich erheblich zwischen den einzelnen Branchen. Mehr Optimismus ist bei den Großhändlern von Lebensmitteln und Getränken sowie von Maschinen und Anlagen zu beobachten. Das bescheidenste Geschäftsklima ist dagegen bei den Handelsvermittlern und im Bereich Einrichtung und Haushaltswaren zu finden.

Großhandel – Ertragslage nach Branchen

Auch der Sektor „Kfz-Handel und -Reparatur“ musste ein kompliziertes Jahr durchstehen, das durch Lieferverzögerungen seitens der Hersteller und Probleme in den Lieferketten gekennzeichnet war, die den Umsatz beeinträchtigten. Zusammen mit den steigenden Kosten und der hohen Ungewissheit führte dies auch zu einem Rückgang der Investitionen. Dennoch wird die Ertragslage im Jahr 2022 von 88 Prozent der Unternehmen als positiv eingeschätzt. Die Aussichten für das nächste Jahr sind dagegen von großer Vorsicht geprägt. Etwa ein Drittel der Befragten konnte keine Prognose zur Rentabilität abgeben. Die Sorgen der Unternehmerinnen und Unternehmer beziehen sich vor allem auf den weiteren Kostenanstieg und die Verschlechterung der Zahlungsmoral der Kunden. Sie erwarten auch eine Erschwerung des Kreditzugangs. Die Umsätze werden voraussichtlich leicht sinken und in vier von zehn Fällen wird eine Abnahme der Investitionen erwartet, um die Rentabilität zu sichern.

Ertragslage im KFZ-Handel und Reparaturgewerbe – Rückblick bis 2022 und Erwartungen für 2023

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, unterstreicht die Schwierigkeiten, mit denen der Einzelhandel in den kommenden Monaten zu rechnen hat: „Die Kaufleute sind derzeit in einer Zwickmühle: Einerseits sind sie von den steigenden Kosten beim Wareneinkauf betroffen, andererseits sind sie als erste mit dem Kaufkraftverlust der Konsumentinnen und Konsumenten konfrontiert. Daher müssen Maßnahmen zum Schutz dieses Sektors ergriffen werden, um zumindest die Auswirkungen der steigenden Energiepreise abzumildern.“

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare
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Doolin
Doolin
Kinig
2 Monate 2 Tage

…zum Glück hält uns der Tourismus über Wasser…

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
2 Monate 2 Tage

Besonders im ländlichen Raum wäre für die oft überalterte Bevölkerung das Aussterben lokaler Läden eine Katastrophe. Aber auch deren Betreiber können nicht vom “Draufzahlen” leben. Ich bewundere private Initiativen, die die traditionellen Dorfläden mit viel Liebe und Engagement wieder eröffnen. DANKE !!!

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