Mit dem Kauf lokaler bäuerlicher Produkte die Landwirtschaft unterstützen

Weltbauerntag: Bedeutung der Landwirtschaft anerkennen

Donnerstag, 01. Juni 2017 | 06:59 Uhr

Bozen – Anlässlich des Weltbauerntages am 1. Juni erinnert der Südtiroler Bauernbund an die große Bedeutung der Landwirtschaft weltweit. Die Ernährung von über neun Milliarden Menschen und der Klimaschutz werden die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte sein. Dafür brauchen Bäuerinnen und Bauern die Unterstützung der Gesellschaft.

Obwohl die Landwirtschaft Lebensmittel produziert, auf die keiner verzichten kann, und darüber hinaus eine Reihe von existentiellen Aufgaben erfüllt, werden die Leistungen der Bäuerinnen und Bauern häufig unterschätzt. „Zum Weltbauerntag am 1. Juni ist es uns deshalb ein Anliegen, auf die große Bedeutung der Landwirtschaft hinzuweisen“, erklärt Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler. Zukünftig werden Bäuerinnen und Bauern weltweit nämlich über neun Milliarden Menschen zu ernähren haben. „Lebensmittelversorgung und Lebensmittelsicherheit sind die großen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte und nur mit einer funktionierenden und wettbewerbsfähigen Landwirtschaft zu bewältigen. Und eines der großen Ziele der Vereinten Nationen, die Bekämpfung des Hungers, geht auch nur über die Landwirtschaft“, betont Tiefenthaler. Dabei müsse besonders auf die kleinbäuerlichen Familienbetriebe geachtet werden. „Sie sind es, die die Hauptverantwortung zu tragen haben, und nicht die großen Agrarindustriebetriebe.“

Neben der Lebensmittelproduktion ist der Klima- und Umweltschutz eine weitere Herausforderung. „Die Land- und Forstwirtschaft wird sich noch stärker der Herausforderung Umwelt- und Klimaschutz stellen. Unser Ziel muss sein, weltweit nachhaltiger und ressourcenschonender zu produzieren“. Umgekehrt stellt der Klimawandel die Landwirtschaft vor Herausforderungen. „Eine der großen Fragen wird sein, ob es gelingt, auch in Zukunft die Wasserversorgung der Landwirtschaft sicherzustellen. Da sich die Anbaugebiete verschieben und die angebauten Kulturen ändern, ist mehr denn je von den Bauern Flexibilität gefragt.“

Eine weitere Aufgabe wird sein, auf die Kundenbedürfnisse noch gezielter einzugehen. „Frische, Natürlichkeit, Vielfalt und Verfügbarkeit, Nachhaltigkeit, Wertigkeit und Bequemlichkeit ist das, was die Konsumenten wünschen. Wir arbeiten jeden Tag daran, diese Wünsche zu erfüllen.“

Sozusagen als „Nebenprodukt“ der Bewirtschaftung des Bodens und der Lebensmittelerzeugung gestalten und pflegen Bauern weltweit die Kulturlandschaft. „Gerade in Südtirol als Tourismusregion ist dieser Umstand von großer Bedeutung.“

Und nicht zuletzt ist die Landwirtschaft ein wichtiger Arbeitgeber. „Weltweit leben 2,6 Milliarden Menschen direkt oder indirekt von der Landwirtschaft.“ An all diese Aufgaben soll der Gesellschaft am 1. Juni erinnert werden.

Mit dem Kauf lokaler bäuerlicher Produkte die Landwirtschaft unterstützen

Auch für Südtirol ist eine funktionierende Landwirtschaft von größter Bedeutung. „Jeder von uns kann die heimische Landwirtschaft unterstützen. Die beste Wertschätzung ist, einheimische Lebensmittel zu erwerben“, so Tiefenthaler. Nur dann seien eine flächendeckende Bewirtschaftung und damit die Pflege der Kulturlandschaft gesichert. Und davon profitiere jeder Bürger.

Bäuerinnen: „Wir sitzen alle im selben Boot“

Jeder und jede will für getane Arbeit einen gerechten Lohn erhalten. Bäuerinnen und Bauern bei uns hier in Südtirol, aber auch anderswo auf dieser Welt. Am Weltbauerntag plädiert die Südtiroler Bäuerinnenorganisation (SBO) für gerechte Preise für alle.

„Gerade wir Bäuerinnen sind hier sensibel und wissen, wieviel Arbeit hinter der Herstellung von Produkten steckt. Und wir möchten die Kleinbäuerinnen und Bauern auch in anderen Teilen dieser Erde unterstützen und einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten,“ sagt Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer. „Wir alle können einen Beitrag leisten, die Welt ein Stückchen gerechter zu machen. Weltweit sollte jede Person die Möglichkeit haben, mit dem Vorhandenen zu leben und zu wirtschaften.“

Die Bäuerinnenorganisation möchte hier sensibilisieren und bietet seit Kurzem ihren Mitgliedern die Möglichkeit an, Faire Trade-Artikel, z.B. Schürzen, Pololeibchen oder Kopftücher zu erwerben. In Kooperation mit der Firma 3Freunde aus Konstanz, den Südtiroler Weltläden und der Firma Ritter aus Bozen werden so für die Ortsgruppen Artikel erarbeitet, wo alle profitieren.

Es war die SBO-Ortsgruppe Niederdorf, die die ersten Schürzen mit fair gehandeltem Stoff bestellte. Die Ortsbäuerin Maria Theresia Oberhammer freut sich, dass ihre Ortsgruppe ein Zeichen gesetzt hat und sich als selbstbearbeitende Bäuerinnen solidarisch mit anderen Bäuerinnen gezeigt hat: „Uns Niederdorfer Bäuerinnen ist das Prinzip der Nachhaltigkeit ein Anliegen, zumal die arbeitenden Menschen in vielen Teilen der Welt vielfach in der Textilverarbeitung unter ökologischen und sozialen Problemen leiden“, sagt Oberhammer.

Lange war die SBO auf der Suche nach fair gehandelten Stoffen. Die Suche führte sie schließlich zur Firma 3Freunde am Bodensee. Teilhaber Stefan Niedhammer: „Die Baumwolle kommt aus Kirgistan. Im Jahr 2004 beschloss Helvetas, eine Schweizer Hilfsorganisation, das Projekt zu starten, um den Bäuerinnen und Bauern eine verlässliche Einnahmequelle zu erschließen. Mittlerweile kooperieren 3000 Kleinbauern und liefern ca. 500 Tonnen zertifizierte Fairtrade-Biobaumwolle in einer wunderbaren Qualität ab,“ erzählt Niedhammer.

Brigitte Gritsch, Koordinatorin Dritte Weltladen, freut sich über diese Zusammenarbeit: „Der Faire Handel unterstützt die Bäuerinnen im Globalen Süden der Welt, damit auch dort die Traditionen und alten Weisheiten gelebt und weitergegeben werden können. Egal ob in Indien oder in Südtirol, Bäuerinnen müssen unterstützt und wertgeschätzt werden,“ betont Gritsch: „Fördern wir gemeinsam die kleinen Kreisläufe und schaffen dabei mehr Transparenz in der Handelskette.“

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

13 Kommentare auf "Weltbauerntag: Bedeutung der Landwirtschaft anerkennen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
m. 323.
m. 323.
Tratscher
27 Tage 17 h

der Bauermnstand hat einen.schlechten Ruf..die Milch ist zu teuer und viele glauben den Bauern wird alles Finanziert…aber schauen wir einmal unser Land ist sauber und gepflegt.. Dank unserer Bauern

peterle
peterle
Tratscher
27 Tage 17 h

Ganz einfach erklärt. Die Bauern haben in den letzten Jahrzehnten Lobbys aufgebaut von denen die Arbeiterschaft nur träumen kann. Heute hat sowohl Politik als auch erwähnte Lobbys Alles im Griff was mit Finanzen zu tun hat.

So sig holt is
So sig holt is
Grünschnabel
27 Tage 14 h

@peterle und die gonzen Hoteliers mit ihmene riesen schattige Buden oder große Firmen? sein olls orme teifl in Gegensatz zu Die ach so unfassbar reichen Bauern oder? gibs bold lei mear Neider af der welt? I bin zufrieden mit dem wos i hon und hel sein kuane Hektar sondern a normale, für mi feine orbeit und bin gsund hel find i isches wichtigste

peterle
peterle
Tratscher
27 Tage 13 h

@So sig holt is
Natürlich auch die Gastronomie und seine Ausläufer. Deshalb wird es ja auch Lobby genannt weil die Bereffenden im Vorraum der Parlamente zu suchen sind um den betreffenden Politiker zu bezirzen.

Übrigends wenn ich gesund wäre, wäre auch ich zufrieden aber der Schäel hat für chronisch Kranke nichts Übrig. Solche Leute haben vor 80 Jahren einem AH zu gearbeitet und ebenfalls gut verdient.

krakatau
krakatau
Superredner
26 Tage 13 h

Die Milch ist nicht zu teuer, sondern viel zu billig, besonders wenn es Heumilch wäre und nicht Chemiemilch aus Industrieabfällen die viele Menschen nicht mehr vertragen

Alpenrepuplik
Alpenrepuplik
Universalgelehrter
27 Tage 17 h

Ja leider wird die Arbeit der Bauern, der Landwirte und seiner Frauen zu wenig geschätzt. Der Respekt vor dieser oft so schweren Arbeit fehlt, allerdings unterstütze ich in erster Linie Bauern welche respektvoll mit Tier-Natur umgehen. Diese subventionierten Großbauern, mit Massenproduktion welche keine Achtung haben , auf die kann ich verzichten, tausende Schweine , hunderte Kühe, Geflügelfarmen, darauf sollte der Verbraucher verzichten…..

krakatau
krakatau
Superredner
26 Tage 13 h

Die Bauern beweihräuchern sich schon selbst genug und die von “Alpenrepublik” schwere Arbeit betrifft nur wenige wirkliche Bergbauern – die aber ohne zu murren ihrer schweren Arbeit nachgehen, vielfach ohne Beiträge weil sie arbeiten statt auf Versammlungen zu jammern. Das Gejammer kommt immer nur von den sog. “Schreibtischbauern” die von einer Versammlung zur anderen eilen um ja keinen Beitrag zu versäumen

Vieldenker
Vieldenker
Grünschnabel
27 Tage 17 h

trotzdem sollten bauern wieder vermehrt auf die Umwelt achten, es wäre Aufgabe der landwirtschtschulen und leimburg, die jungbauern gut auszubilden. gesunde Mischkultur wäre besser als die ewige monokultur

Pic
Pic
Grünschnabel
27 Tage 12 h

@ m. 323
“…aber schauen wir einmal unser Land ist sauber und gepflegt.. Dank unserer Bauern.” Das heißt noch lange nicht naturgerechte und nachhaltige Landwirtschaft. 

Mamme
Mamme
Grünschnabel
27 Tage 9 h

Pic Was verstehst Du unter naturgerechte und nachhaltige Landwirtschaft?

krakatau
krakatau
Superredner
26 Tage 13 h

Die “Bedeutung” der Landwirtschaft drückt sich wohl schon genügend in den vielen Hunderten vom Millionen an Beiträgen  am besten aus die die Bauern alljährlich bekommen

Sag mal
Sag mal
Superredner
25 Tage 17 h

mir wären die Bauern sympatischer wenn Sie Tiere artgerecht halten und nicht nur auf Profit aus wären.

Pic
Pic
Grünschnabel
27 Tage 5 h

@ Mamme
z.B.: keine Überproduktion an Gülle, keine zu hohe GVH / Hektar, keine Ausbringung von Gülle, künstlichen Dünger und Pestiziden bis hinauf in alpine Lagen, keine Versalzung von Böden und Verunkrautung von Wiesen, …

wpDiscuz