Sechster Equal Pension Day

“Zusatzrente ist für Frauen ein Muss”

Montag, 26. Oktober 2020 | 20:57 Uhr

Bozen – Die ungleiche Rentenbehandlung von Männern und Frauen – der sogenannte Gender Pension Gap – ist eine Tatsache und hat verschiedene Ursachen: Unter anderem erhalten Frauen nicht selten eine geringere Entlohnung als Männer und treten beruflich kürzer, um Erziehungs- und Pflegeaufgaben in der Familie zu übernehmen. Diese Lebensentscheidungen spiegeln sich in den deutlich niedrigeren Renten wider, die Frauen beziehen. Und so ist Altersarmut vorwiegend weiblich. Anlässlich des diesjährigen Equal Pension Days lautet der Appell an die Frauen deshalb einmal mehr, sich rechtzeitig mit ihrer Altersvorsorge auseinanderzusetzen und mit einer Zusatzrente als zweites Standbein für die Zukunft vorzusorgen.

Einige Zahlen zum Gender Pension Gap

Laut den aktuellen Daten der Beobachtungsstelle des NISF/INPS betragen die Altersrenten der Frauen in der Region Trentino Südtirol rund die Hälfte der Altersrenten der Männer (735 Euro im Vergleich zu 1.433 Euro). 79 Prozent der Frauen müssen mit einer Altersrente unter 1.000 Euro auskommen – bei den Männern sind es nur 34 Prozent. Dagegen erhalten 22 Prozent der Männer in der Region eine stattliche Altersrente über 2.000 Euro, bei den Frauen kommen nur vier Prozent in diesen Genuss.

Zusatzrente als zweiter Pfeiler der Altersvorsorge: besonders für die selbstständigen Frauen

Umso wichtiger ist es für Frauen, mit einer Zusatzrente für das Alter vorzusorgen. Die gute Nachricht: In der Region Trentino Südtirol sind mittlerweile rund die Hälfte aller Erwerbstätigen in einen Zusatzrentenfonds eingeschrieben, 49 Prozent davon sind Frauen. Im Vergleich dazu sind italienweit 62 Prozent der Mitglieder der Zusatzrentenfonds Männer und nur 38 Prozent Frauen. Weniger rosig ist die Situation mit Blick auf die Höhe der Beitragszahlungen. Von den 492 Millionen Euro an Beiträgen, die 2019 in die regionalen Zusatzrentenfonds eingezahlt wurden, entfielen 61 Prozent auf die Positionen der Männer und “nur” 39 Prozent auf die Positionen der Frauen.

Bescheidener fällt das Ergebnis auch aus, wenn man auf die selbstständig Erwerbstätigen blickt: Italienweit beträgt der Anteil der selbstständigen Frauen, die für eine Zusatzrente sparen, 33 Prozent; in der Region Trentino-Südtirol sind es immerhin 44 Prozent. Im Vergleich dazu sparen in der Region weit über 50 Prozent der lohnabhängigen Frauen für eine Zusatzrente.

Selbstständig erwerbstätige Frauen zahlten 2019 durschschnittlich 26 Prozent weniger an Beiträgen für die Zusatzrente ein als ihre männlichen Kollegen, und auch das durschschnittlich angereifte Kapital im Zusatzrentenfonds fällt bei den Unternehmerinnen mit 13.972 Euro bescheidener aus (-19 Prozent) als bei den Unternehmern (17.154 Euro).

Information und Beratung sind ein Muss

Um auf die ungleiche Rentenbehandlung zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen, wurde vor fünf Jahren der Equal Pension Day ins Leben gerufen, und zwar von der regionalen Gesellschaft für Zusatzvorsorge Pensplan in Zusammenarbeit mit den politisch Verantwortlichen der Region sowie den Beiräten für Chancengleichheit und den Gleichstellungsrätinnen der beiden Provinzen. So waren bei der Pressekonferenz neben Pensplan-Präsidentin Laura Costa auch Landesrätin Waltraud Deeg, Ulrike Oberhammer als Präsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit und Gleichstellungsrätin Michela Morandini anwesend. Ihre Amtskollegen
Trient, Paola Maria Taufer und Matteo Borzaga, konnten aufgrund des Gesundheitsnotstands nicht persönlich vor Ort sein.

Bei der nunmehr sechsten Ausgabe des Equal Pension Days gesellen sich erstmals auch die Beiräte für weibliches Unternehmertum der Handelskammern von Trient und Bozen zum Partnernetzwerk. Sie wollen ihre Mitgliedsfrauen künftig verstärkt für das Thema der finanziellen Vorsorge und der Zusatzrente sensibilisieren. Dass gerade selbstständig erwerbstätige Frauen zusätzlich für das Alter vorsorgen müssten, betonte Luisa Gnecchi, Vizepräsidentin des NISF/INPS. Selbstständige zahlen im Vergleich zu lohnabhängigen Erwerbstätigen weniger Beiträge für die staatliche Rente ein (24,09 Prozent gegenüber 33 Prozent). Zudem seien Unternehmerinnen nicht selten als mitarbeitende Familienmitglieder im Betrieb angemeldet, mit einer entsprechend geringen Entlohnung, die sich wiederum auf die Höhe der Rente auswirkt. Information, Bildung und Beratung seien deshalb besonders auch für selbstständige Frauen wichtig.

Vor diesem Hintergrund plant der Beirat für weibliches Unternehmertum der Handelskammer Bozen in Zusammenarbeit mit Pensplan die Herausgabe einer Broschüre zu Fragen der finanziellen Planung und Altersvorsorge und beteiligt sich mit dem Verband der Kaufleute und Dienstleister an der Aktion zum diesjährigen Equal Pension Day, bei der im ganzen Land Papiertaschen mit dem Motto: “Nimm deine Zukunft in die Hand!” verteilt werden. Der Beirat für weibliches Unternehmertum von Trient organisiert im Rahmen der Equal Pension Days am 29. Oktober ein Online-Event, das ab 18.30 Uhr auf dem Youtube-Kanal von Pensplan übertragen wird: Dabei informieren Experten über die Zusatzrente und setzen sich mit Fragen der Verhaltensökonomie und der langfristigen Finanzplanung auseinander.

Von: bba

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "“Zusatzrente ist für Frauen ein Muss”"


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berthu
berthu
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Fast alles erklärt. Nur woher soll das Geld dafür kommen?
-wenn die Frauen weniger verdienen, daher weniger einzahlen (können!)
-Viele gar nichts verdienen, weil sie die Familie versorgen
-die Karenz nicht anerkannt wird und wenn, viel zu kurz
(außer die öffentlich Angestellten, warum nur die?)
Die Politik ist ja soo gut im Rentenrechnen, (für sich selbst und dem Geld der Steuerzahler!) warum haben sie nicht schon längst
-den Berechnungsmodus erstellt, daß diese Ungerechtigkeit aufhört?
-oder noch keine Gutachter oder Rechtsexperten beauftragt?

berthu
berthu
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Erinnert Euch an die einstmal eingeführte “Hausfrauenrente”…
da konnten sich kurz mal Besserverdienende mit kleinem Beitrag einkaufen, manche bezogen/beziehen auch diese Rente,
aber für die wirkliche “Hausfrau” war das mit einem Verdiener in der Familie nicht bezahlbar. Dann war die Möglichkeit weg.
Wo ist die Transparenz zum Thema, Daten, Fakten?

wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Die 735€ sind wohl die Mindestrente, also Frauen, die kaum gearbeitet haben in ihrem Leben oder Babypensionen nach 20,30 Jahren. Jetzt geht die Generation der babyboomer 1960er Jahrgänge in Pension, da waren die Frauen wieder durchgängig erwerbstätig bis herauf zu jetzt fast 70% was enorm hoch ist in Italien,die Hälfte hat eine Zusatzrente, da werden die Pensionen wohl besser ausfallen. Redet man da also von der Historie mit den schlechten Renten?

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