Repräsentative Umfrage von Eurac Research

Zwischen Skepsis und Solidarität: Wahrnehmung des Tourismus in Südtirol

Montag, 15. Februar 2021 | 19:06 Uhr

Bozen – Die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass sich die Bevölkerung in Südtirol mit dem Tourismus im Land noch stärker auseinandersetzt als in den Jahren zuvor. Eine Befragung von 1.007 Personen im Zuge einer repräsentativen Haushaltsbefragung von Eurac Research macht deutlich, dass die Menschen den Tourismus einerseits als Risiko sehen – 80 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass der Tourismus die Infektionszahlen im Land deutlich beeinflusst hat – andererseits, dass dem Tourismus eine besonders wichtige Rolle für die heimische Wirtschaft zugedacht und der Branche in dieser schwierigen Zeit auch Solidarität entgegengebracht wird. Die Daten, die im Dezember 2020 erhoben wurden, liefern wertvolle Hinweise, um die Weichen für die zukünftige Entwicklung des Tourismus im Land zu stellen.

Ziel der Umfrage von Eurac Research war es, zu verstehen, inwiefern sich die Covid-19-Pandemie auf die Wahrnehmung des Tourismus innerhalb der Südtiroler Bevölkerung auswirkt. Die Befragung von rund 1.000 Personen im Zuge einer repräsentativen Haushaltsbefragung zeigt ein deutliches Stimmungsbild: 41 Prozent der Befragten vermuten, dass der Tourismus leicht, 39 Prozent gar, dass er stark zum Anstieg der Covid-19-Infektionszahlen in Südtirol beigetragen hat. „Trotzdem sind 77 Prozent der Interviewtender Meinung, dass die Tourismusbranche mehr Vorteile als Nachteile für den Standort Südtirol bringt“, erklärt Andreas Dibiasi, Volkswirt am Center for Advanced Studies von Eurac Research.

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung sowohl innerhalb der Altersgruppen als auch nach Bildungsgrad variiert. So sind etwa von den befragten Personen über 65 Jahre im Vergleich am wenigsten von den Vorteilen des Tourismus überzeugt; Befragte mit einem höheren Bildungsgrad sind stärker vom Nutzen des Tourismus überzeugt. Keine signifikanten Unterschiede in der Wahrnehmung des Tourismus zeigen sich hingegen, wenn man die Angaben im Hinblick auf die gewählte Sprache betrachtet.

Auch das Urlaubsverhalten im Sommer 2020 wurde abgefragt und zeigt, dass die befragten Personen den Schwierigkeiten des Sektors durchaus solidarisch begegnen. 29 Prozent der Teilnehmenden an der Umfrage gaben an, ihren Urlaub innerhalb der Provinzgrenzen verbracht zu haben, 37 Prozent davon, sich für einen Aufenthalt in Südtirol entschieden zu haben, um die heimische Tourismuswirtschaft zu unterstützen.

Die kontaktierten Personen wurden auch zu konkreten Auswirkungen des Tourismus auf das Leben in Südtirol interviewt. Der Großteil der Befragten gab an, dass der Tourismus zur hohen Qualität in der Südtiroler Gastronomie und auch in anderen Sektoren zu größerer Wertschöpfung beitrage, und dass es dank des Tourismus ein größeres Angebot an Freizeitmöglichkeiten gebe. Gleichzeitig geben 93 Prozent der Befragten an, dass der Tourismus eine erhöhte Verkehrsbelastung verursache. Nur 11 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass der Tourismus das Orts- und Landschaftsbild nicht durch bauliche Maßnahmen beeinträchtigt. In Hinblick auf die zukünftige Entwicklung Südtirols beurteilen 96 Prozent der Teilnehmenden die Rolle des Tourismus als wichtig.

„Die Pandemie hat die Rolle des Tourismus in der öffentlichen Diskussion noch stärker in den Vordergrund gerückt. Die Menschen setzen sich mit dem Tourismus im Land auseinander und wollen Zahlen und Daten dazu – auch in Verbindung mit der Pandemie. Es ist wichtig, dieses repräsentative Stimmungsbild aus der Bevölkerung ernst zu nehmen und in der zukünftigen Tourismusentwicklung zu berücksichtigen“, unterstreicht Harald Pechlaner, Leiter des Centers for Advances Studies von Eurac Research.

Die Befragung zur Wahrnehmung des Tourismus ist die letzte von drei, während der Pandemie durchgeführten Befragungen, die das Center for Advanced Studies von Eurac Research zum Tourismus in Südtirol in der Pandemie durchgeführt hat. Zuvor wurden bereits etwa 600 Südtiroler Hoteliers und Gastwirte sowie fast 900 Gäste befragt, die in der Endphase der Sommersaison in Südtirol im Urlaub waren.

Ein zusammenfassender Überblick über die Ergebnisse mit Grafiken findet sich auf folgender Seite: https://sustainabletourism.eurac.edu/zwischen-skepsis-und-solidaritat-die-wahrnehmung-des-tourismus-in-sudtirol/

Die abschließende Auswertung fließt in den Abschlussbericht der Beobachtungsstelle für nachhaltigen Tourismus in Südtirol (INSTO) ein, der Ende 2021 veröffentlicht wird.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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9 Kommentare auf "Zwischen Skepsis und Solidarität: Wahrnehmung des Tourismus in Südtirol"


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Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
14 Tage 17 h

Eurac ist für mich nicht Repräsentativ!!!!!! Politisch gesteuert und zwar von den Grünen. So wie die RAI😉

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
14 Tage 7 h

Kannst du deine Meinung auch begründen?
Würde mich wirklich interessieren!
Ohne Begründung bleibt es nämlich eine reine Stellungnahme ohne wirklichen Wert…

Neumi
Neumi
Kinig
14 Tage 5 h

@nuisnix Begründungen gibt’s sicher, aber keine Beweise.

Maurus
Maurus
Tratscher
14 Tage 17 h

Die eurac verbrät wieder geld

Susi
Susi
Tratscher
14 Tage 7 h

Dass nicht nur die Touristen beitragen bei der Verbreitung von Corona sieht man eindeutig jetzt an den Zahlen in Südtirol.

Faber
Faber
Tratscher
14 Tage 7 h

Die Ansteckungen sind erst durch die Decke gegangen seit kein Tourist mehr auf Südtiroler Boden war! Wenn ich mir die ganze Entwicklung so anschaue, dann habe ich den Eindruck dass es in der Regel mit Solidarität in Südtirol, wenn es wirklich drauf an kommt, nicht weit her ist! Anders kann ich mir die Borniertheit nicht recht erklären, die wenigen einfachen Regeln dermaßen zu verweigern, als dass wir endlich durch dieses Jammertal kommen könnten!

Offline
Offline
Tratscher
14 Tage 4 h

Wenn ich mir die aktuellen Zahlen in Zusammenhang mit Corona anschaue, stellt sich mir die Frage, sind eigentlich schon wieder Unmengen von Urlaubern und Erntehelfern in Südtirol ?

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
14 Tage 5 h

Ohne Tourismus bringst du kein Geld in die Bergdörfer hinein. Und auch die anderen Erwerbsquellen versiegen, das Handwerk und wie es ausschaut auch die Milchwirtschaft. 
Jetzt gibt es nur mehr 2 Punkte: wie lange dauert die Pandemie noch und wie schauen die Ausgleichzahlungen aus……

Richard0
Richard0
Grünschnabel
14 Tage 4 h

Wer nicht schon vor der Pandemie und jetzt erst recht verstanden hat, dass der Tourismus für Südtirol ein unverzichtbarer Wirtschaftszweig ist, der ist in der Schule wirklich in der Eselsbank gesessen.

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