Von: ka
Bozen – Neidisch richten sich die Augen der einheimischen „Patrioten” auf Grönland. Während diejenigen, die hierzulande von einem eigenen Schrebergarten träumen, in dem sie selbst schaffen, ein mitunter belächeltes politisches Nischendasein fristen, gehören die Grönländer seit Wochen zu den am meisten umworbenen Unabhängigkeitsbefürwortern der Welt.

Die „bösen Dänen“ – einst recht dreist agierende Kolonialmacht, heute Melkkuh, die jedes Jahr knapp eine Milliarde Euro hineinbuttert – appellieren an die gemeinsame nordische Vergangenheit, weisen auf die vielen familiären Verbindungen hin und werben mit großen Worten für eine gemeinsame europäische Zukunft in der EU.

Donald Trump hingegen hat die besseren Karten und pflegt einen ganz anderen „Stil”. Seit seinem Husarenstück in Venezuela, das über Nacht über die Bühne gebracht wurde, fühlt er sich so siegessicher wie Cäsar nach seinem Triumph über die Gallier. Ganz in seinem Element lässt er verlauten, Grönland „auf die eine oder andere Weise zu erwerben”. Er weiß natürlich von den grönländischen Separatisten. Was liegt einem Geschäftsmann näher, als jedem der knapp 57.000 Grönländer 100.000 Dollar zu versprechen, wenn er sich als US-Amerikaner „taufen” lässt?

Zwar ist Grönland voller „Greenland Is Not For Sale”-Gadgets, doch hinter der Fassade der Ablehnung lauert der Zweifel. Und was, wenn es doch ein gutes Geschäft wäre, als US-Bürger aufzuwachen? Eine dreiköpfige Familie könnte über Nacht 300.000 Dollar einstreichen!
Die Unsrigen reiben sich verwundert die Augen. Seit Jahren warnen sie vor dem „bösen Italien” und werben mit „Heimat und Schutz der Kultur” um neue Anhänger, um endlich vom Stiefelstaat loszukommen. Kommen tun sie damit aber nicht so wirklich vom Fleck.

Was läge also näher, als eine Pilgerfahrt nach Mar-a-Lago zu unternehmen und Donald Trump Südtirol anzubieten? Wenn dem hemdsärmeligen US-Präsidenten jeder Grönländer 100.000 Dollar wert ist, dann müsste das ja auch für jeden Südtiroler gelten – es sind halt nur fast zehnmal so viele.

Betrachtet man das Tourismusland Südtirol, so ist South Tyrol ohnehin schon seit Langem for sale. Da würde es kaum auffallen und es wäre nur gerecht, wenn jeder eine fette Überweisung aus Mar-a-Lago erhielte. Dabei sind die ganzen Vorteile für das Land als 51. US-Bundesstaat – keine Zölle, Speck „Made in USA” und viele US-Touristen, die ihren „jüngsten Nachwuchs” kennenlernen wollen – noch gar nicht miteingerechnet.
Aber noch ist es zum Plärren. „Sie” werden umworben und mit Angeboten überhäuft, während „wir” links liegen gelassen werden – die Höchststrafe für feuchte Träume. „South Tyrol for sale!” ist zu süß, um wahr zu sein.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen