Von: apa
Die Serie an tödlichen Lawinenabgängen hat sich in Tirol am Samstag fortgesetzt. In Serfaus (Bezirk Landeck) ist ein 41-Jähriger am Vormittag von einem Schneebrett erfasst und verschüttet worden. Aus fast zweieinhalb Metern Tiefe wurde er geborgen und musste reanimiert werden. Der Mann starb später in der Innsbrucker Klinik. Damit sind seit Freitag fünf Menschen durch Schneemassen gestorben. Landesweit wurde am Samstag wegen der großen Lawinengefahr AT-Alert ausgelöst.
Im Bereich “Untermotzwiesen” bei den Erdpyramiden war der 41-jährige Österreicher gemeinsam mit einem 29-jährigen Deutschen auf Alpinschiern in Richtung Serfaus im Waldgebiet unterwegs. Als der Österreicher unterhalb eines steilen Südhanges im Bachbett des “Hintergreitbaches” stehen blieb, löste sich eine Schneebrettlawine und erreichte aufgrund einer Bruchfortpflanzung eine Länge von etwa 150 Metern. Der deutsche Begleiter und weitere Skifahrer suchten sofort mit ihren Lawinenverschütteten-Geräten. Die Ersthelfer begannen auch mit der Reanimation, die vom Team des Notarzthubschraubers “Christophorus 5” und der Bergrettung Serfaus übernommen wurde. Der Verschüttete wurde in die Klinik Innsbruck geflogen, wo er dann verstarb.
Bis zum Samstagnachmittag wurden der Leitstelle Tirol laut APA-Anfrage 13 Lawinenabgänge gemeldet. Nach derzeitigem Stand dürften alle anderen ohne Personenbeteiligung gewesen sein. Neun galten gesichert als negativ, bei den anderen drei musste erst der Hubschrauber zur Abklärung starten, um Personenbeteiligung ausschließen zu können.
Landesweiter AT-Alert in Tirol
Wegen der anhaltend großen Lawinengefahr löste das Land Tirol am Samstagvormittag landesweit den AT-Alert aus. Alle eingeloggten Mobiltelefone wurden damit auf die Schneebrett-Gefahr im Freien aufmerksam gemacht, wie das Land Tirol in einer Presseaussendung am Samstag bekannt gab. “Wir rufen die Bevölkerung und unsere Gäste auf, im gesicherten Gelände zu bleiben und Variantenabfahrten, auch unterhalb der Waldgrenze, zu vermeiden”, sagte Elmar Rizzoli, Leiter des Tiroler Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement. Die gekennzeichneten Pisten sollten nicht verlassen und Verhaltensempfehlungen der Lawinenkommissionen und der Gemeinden beachtet werden, appellierte Rizzoli.
Experten warnten eindringlich vor Fahrten im freien Gelände. Bereits am Freitag waren vier Personen durch Schneebretter in Tirol gestorben. Bei insgesamt 33 Einsätzen mussten auch zahlreiche Verletzte versorgt werden. Nach Anforderung der Landeswarnzentrale Tirol ist auch das Bundesheer Samstagfrüh zum Assistenzeinsatz für die Unterstützung der örtlichen Lawinenkommission ausgerückt.
Bundesheer am Samstag im Einsatz
Der Einsatz sei derzeit für Samstag bis 18.00 Uhr geplant, teilte das Bundesministerium für Landesverteidigung in einer Presseaussendung mit. Vorgesehen seien Erkundungsflüge zur Lagebeurteilung sowie Personentransporte der Bergrettung, die in weiterer Folge Lawinensprengungen und Windenbergungen durchführen soll. Der Hubschrauber AW169 verfüge über moderne Avionik, leistungsstarke Sensorik und eine Rettungswinde und eigne sich daher besonders für Einsätze im hochalpinen Gelände, hieß es.
Warnung des Lawinenwarndienstes
Am Samstagvormittag mahnte der Lawinenwarndienst Tirol nochmals eindringlich per Presseaussendung vor der aktuellen Wettersituation. Wintersportler könnten sehr leicht Lawinen auslösen. Die Gefahrenstellen seien zahlreich, sogar unterhalb der Waldgrenze. Es seien weiterhin Schneebretter zu erwarten, die wie am Freitag in St. Anton am Arlberg sehr vereinzelt sehr groß werden können. Mit dem Regen steige die Auslösebereitschaft von spontanen Lawinen markant an.
Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) appellierte in einer Pressemitteilung am Samstag ebenfalls an die Vernunft der Alpinsportler: “Berge verlangen nach Vorsicht und Eigenverantwortung!” 35 gemeldete Lawinenereignisse habe es am Freitag gegeben, 13 davon mit Personenbeteiligung. Für ihn habe die Sicherheit der Einsatzkräfte oberste Priorität, betonte Mattle.
Gefahr in allen Landesteilen
In Vorarlberg wurde ebenfalls vor hoher Lawinengefahr gewarnt. Im Süden des Bundeslandes und hier vor allem oberhalb der Waldgrenze herrschte Lawinenwarnstufe vier auf der fünfteiligen Skala: “Lawinen können an allen Expositionen leicht von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden und groß werden. Gefahrenstellen sind zahlreich und befinden sich auch im Bereich der Waldgrenze. Für Aktivitäten abseits gesicherter Bereiche sind die Verhältnisse sehr gefährlich”, so der Lawinenwarndienst. Mit 17.00 Uhr wird am Samstagabend die Arlbergpassstraße bis auf Weiteres gesperrt: “An- und Abreisen sind dann nicht mehr möglich”, teilte der Lech-Zürs Tourismus auf seiner Website mit.
Auch der Lawinenwarndienst in Niederösterreich konstatierte eine erhebliche Gefahr. Die Tendenz, so wurde in einer Mitteilung gewarnt, sei zudem steigend. Denn am morgigen Sonntag soll es zu weiterem Niederschlag bei höheren Temperaturen kommen. Die Schneefallgrenze steige im Tagesverlauf an. In unteren Lagen könne es auf die Schneedecke regnen. Dadurch erhöhe sich unterhalb von 1.500 Metern die Lawinengefahr.
Situation in Salzburg “bleibt sehr heikel”
Der Salzburger Lawinenwarndienst hat am Samstag die Gefahrenstufe oberhalb der Waldgrenze auf vier und damit “große Gefahr” hochgestuft. Gleichzeitig warnte man vor weiterem Niederschlag bei ansteigender Schneefallgrenze und starkem Wind in der Nacht zum Sonntag. “Die Situation bleibt sehr heikel!” so die Conclusio der Experten.
In Oberösterreich sprach der Warndienst von einer “angespannten Lawinensituation”. Es blieb aber bei Gefahrenstufe drei mit “erheblich”.




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