Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung in Südtirol

Besonders in der Arbeitswelt mehr Rechte erwünscht

Dienstag, 03. Dezember 2019 | 09:13 Uhr

Bozen – Der 3. Dezember ist Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung. Ein Tag, der das Wohlergehen, die Rechte und die Probleme von mehr als 50.000 Südtirolern, die mit einer Behinderung leben, in den Mittelpunkt rückt. Die Vereinigung der Zivilinvaliden (ANMIC Südtirol) ist die größte Interessensvertretung von Menschen mit Behinderung in Südtirol und erklärt anlässlich dieses Tages, wer in Südtirol betroffen ist.

Der vor 26 Jahren eingeführte Aktionstag ist mit seiner Botschaft heute aktueller denn je: Menschen mit Behinderung und deren Anliegen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Doch was versteht man unter „Menschen mit Behinderung“? Thomas Aichner, Präsident der ANMIC Südtirol, erklärt: „Grundsätzlich fallen all jene Menschen unter diese Bezeichnung, die aufgrund einer Einschränkung ihre alltäglichen Tätigkeiten nicht mehr autonom ausführen können. Die aktuellsten Daten zeigen, dass dies in Südtirol rund 10,7 Prozent der Bevölkerung sind.“

Neben körperlichen Einschränkungen oder einer Sinnesbehinderung gibt es auch geistige und psychische Krankheiten, die als Behinderung gelten. Letztere unterscheiden sich in ihren Ursachen: Während die geistige Behinderung häufig durch eine Genmutation ausgelöst wird, entsteht die durch psychische Probleme ausgelöste Einschränkung aufgrund von Erkrankungen, wie beispielsweise jene der Depression.

„Eine Behinderung oder Einschränkung kann zudem verschiedene Schweregrade aufweisen. Wird einer Person die Schwere der Behinderung laut Gesetz 104/92 anerkannt, sieht der Staat neben steuerrechtlichen Begünstigungen auch die Möglichkeit des außerordentlich bezahlten Wartestandes vor, sowie die entlohnte Arbeitsfreistellung. Die aktuelle Statistik zeigt, dass rund 11.500 Südtirolern diese schwere Form der Behinderung zuerkannt wurde“, so Thomas Aichner.

Neben den bereits bestehenden Rechten für Menschen mit Behinderung gibt es jedoch noch viele weitere, die es auszubauen gilt. Dies betrifft besonders die Arbeitswelt, so Thomas Aichner: „Unternehmen müssen verstehen, dass ein Mensch mit Behinderung mindestens genauso gute Arbeit leisten kann wie jemand, der keine Behinderung hat. Wichtig ist, dass er oder sie richtig eingesetzt wird. Hier stoßen wir leider oft auf soziale und institutionelle Barrieren, wie zum Beispiel die schlechteren Zugangsvoraussetzungen für Menschen mit Behinderung zum Arbeitsmarkt oder zum Schulsystem. Der erste Schritt in die richtige Richtung liegt zweifellos in einer ordentlichen Information der Südtiroler Unternehmen und Entscheidungsträger. Durch die Verminderung von Vorurteilen und falschen Informationen schaffen wir die Basis für eine gleichberechtigte Gesellschaft.“

Neben diesen verbesserungsbedürftigen zentralen Themen gibt es jedoch auch vermeintlich „kleinere“ Problematiken, welche den Alltag tausender Menschen mit Behinderung erschweren. Eine davon betrifft das Befahren verkehrsberuhigter Zonen, welche sich aufgrund der bürokratischen Barrieren als sehr mühsam erweist. Denn für das Befahren verkehrsberuhigter Zonen wird nicht nur der europäischen Parkausweis für Behinderte benötigt, sondern auch eine Genehmigung bei der zuständigen Stadtpolizei. Diese Genehmigung gilt jedoch nur für die verkehrsberuhigten Zonen jener Stadt, in der das Ansuchen gemacht wurde. Fährt die betroffene Person also in eine andere italienische Stadt, muss die Genehmigung von neuem angesucht werden. Hinzu kommt, dass die Dokumentationsweise und der Ausstellungszeitraum des europäischen Parkausweises für Behinderte je nach Gemeinde variieren. „Dank den Südtirol Senatoren in Rom sind wir als ANMIC Südtirol dabei, einen Änderungsvorschlag für diese rein bürokratische Barriere vorzubringen. Derzeit lassen weitere Schritte jedoch noch auf sich warten, da das italienische Parlament aktuell keinen zuständigen Parlamentarier für die Angelegenheiten von Menschen mit Behinderung ernannt hat“, erklärt Thomas Aichner.

Der heutige Tag dient jedoch nicht nur dazu, Probleme und Anliegen von Menschen mit Behinderung an die Öffentlichkeit zu tragen. Er soll auch die positiven Aspekte unterstreichen, welche Menschen mit Behinderung zu unserer Gesellschaft beitragen. „Mit ihrer Spontaneität, ihrer Einzigartigkeit und ihrer Ehrlichkeit halten uns gerade Menschen mit einer schweren Behinderung täglich jene moralischen Werte vor Augen, die besonders in der heutigen Welt so wesentlich sind“, so Thomas Aichner.

Die Vereinigung der Zivilinvaliden (ANMIC Südtirol) ist eine gemeinnützige Organisation ohne Gewinnabsichten (ONLUS), die auf Staats- und Landesebene seit 1965 bzw. 1994 anerkannt ist. Als die einzige rechtliche und gesetzliche Vertretung der Zivilinvaliden und versehrten vertritt die ANMIC Südtirol diese bei öffentlichen Ämtern sowie in privaten Betrieben, damit die Südtiroler Zivilinvaliden und versehrten vollständig in den sozialen sowie beruflichen Alltag integriert werden. Mit mehr als 6.000 Mitgliedern ist die ANMIC Südtirol die größte Interessensvertretung für Zivilinvaliden und versehrte in Südtirol.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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1 Kommentar auf "Besonders in der Arbeitswelt mehr Rechte erwünscht"


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Kinig
7 Tage 3 h

es wurde so viel getan für Menschen mit Behinderung.Kein Vergleich mehr zu noch vor 30 Jahren u.mehr.

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