Statikexperten prüfen die Lage

Bozner Gerichtsgebäude: Jetzt bereiten auch die Säulen Sorgen

Sonntag, 19. Juli 2026 | 10:02 Uhr

Von: luk

Bozen – Nach dem Teileinsturz des Bozner Gerichtsgebäudes rückt nun ein weiterer kritischer Bereich in den Fokus: Es wird befürchtet, dass auch die markante Säulenfront an der Fassade instabil sein könnte.

Das Land hat deshalb zwei Statikexperten beauftragt, die Standfestigkeit des Gebäudes zu überprüfen und Empfehlungen für das weitere Vorgehen auszuarbeiten.

Seit dem Einsturz des Mitteltrakts am vergangenen Donnerstag arbeiten Einsatzkräfte ununterbrochen daran, lose Bauteile zu entfernen und den Druck auf die acht Säulen an der Vorderseite des Gebäudes zu verringern. Nach Angaben der Techniker übt der verbliebene Gebäudeteil derzeit zusätzlichen Druck auf die Säulen aus.

Um weitere Schäden zu verhindern, deckte die Feuerwehr die betroffenen Bereiche mit Planen ab. So soll verhindert werden, dass Regenwasser in die unteren Stockwerke eindringt und das Archiv beschädigt. Zudem wurden im Inneren des Gebäudes Absperrungen errichtet, um beschädigte Bereiche von intakten Korridoren zu trennen. Dadurch sollen in den kommenden Tagen Büros unter sicheren Bedingungen geräumt werden können.

Ermittlungen wegen fahrlässigen Einsturzes

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen. Der Verdacht lautet auf fahrlässigen Einsturz eines Bauwerks. Der Gebäudeteil war während laufender Sanierungsarbeiten eingestürzt, bei denen tragende Pfeiler im Erdgeschoss und ersten Stock ersetzt wurden. Nur durch großes Glück wurde niemand verletzt.

Die Ermittler werten derzeit unter anderem Aufnahmen der Überwachungskameras aus, um die Ursache des Einsturzes und mögliche Verantwortlichkeiten zu klären. In den nächsten Tagen sollen Sachverständige mit der Erstellung von Gutachten beauftragt werden.

Suche nach Ersatzquartier läuft

Parallel dazu arbeitet die Provinz Bozen mit Hochdruck an einer vorübergehenden Unterbringung des Gerichts. Gesucht wird ein Gebäude, das für sechs Jahre angemietet werden kann und Platz für 150 bis 200 Beschäftigte bietet.

“Wir brauchen eine Übergangslösung für einen mittelfristigen Zeitraum, denn der Wiederaufbau des Gerichts wird Jahre dauern”, erklärte Landesrat Christian Bianchi. Die Frist für die Einreichung geeigneter Angebote endet am Dienstag.

Zusätzlich prüft die Provinz eigene Immobilien. Als mögliche Standorte gelten freie Stockwerke im Gebäude des Oberlandesgerichts in der Freiheitsstraße sowie Räume im gegenüberliegenden Steueramtsgebäude. Auch eine Ausweitung des Homeoffice für Beschäftigte wird erwogen.

Gerichtsbetrieb nur eingeschränkt

Der Gerichtsbetrieb läuft derzeit nur eingeschränkt weiter. Dringende Strafverhandlungen finden vorübergehend im Jugendgericht beziehungsweise im Oberlandesgericht statt. Nicht dringliche Verhandlungen werden verschoben und neu angesetzt.

Zugleich muss ein besonders sensibler Teil des Gerichts gesichert werden: das umfangreiche Archiv mit Tausenden Erklärungen zur Sprachgruppenzugehörigkeit. Für laufende Verwaltungsverfahren gilt vorübergehend eine von Landeshauptmann Arno Kompatscher erlassene Regelung, wonach die Sprachgruppenzugehörigkeit zunächst per Eigenerklärung nachgewiesen werden kann. Diese Maßnahme ist jedoch nur als Übergangslösung gedacht.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 24 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen