Gedenkstein versehentlich entfernt

Der verschwundene Stolperstein ist zurück an seinem ursprünglichen Ort

Mittwoch, 15. Juli 2026 | 17:26 Uhr

Von: mk

Bozen – Vor einigen Monaten wurden im Zuge von Straßenbauarbeiten in der Siemensstraße versehentlich ein „Stolperstein“ entfernt. Es handelt sich dabei um eine im Boden verlegte kleine Gedenktafel, die an das Schicksal von Menschen erinnern soll, die vom NS-Regime verfolgt wurden. Der Stein war zu Ehren von Decio Egisto Fratini verlegt worden und sollte an die Gräuel des Nationalsozialismus erinnern.

Gleich nachdem der Verlust bemerkt wurde, wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Stein zu finden. Mit Erfolg: Der Stein konnte unversehrt geborgen werden und wurde bis zum Abschluss der Straßenarbeiten im Stadtarchiv verwahrt.

Heute nun konnte der Stolperstein wieder an seinem ursprünglichen Standort auf Höhe der Siemensstraße 2 im Bozner Industriegebiet – dort, wo sich einst der Eingang zur Fabrik befand, in der Fratini tätig gewesen war -, in den Boden eingelassen werden.

Es ist das glückliche Ende eines Vorfalls, dem die Stadt Bozen von Anfang größte Bedeutung beimaß. Gemeinsam mit den zuständigen Stellen der Stadtverwaltung und der Bevölkerung, die die Entwicklungen mit großer Aufmerksamkeit mitverfolgte, konnte dieses wichtige Erinnerungsstück geborgen und ordnungsgemäß verwahrt werden.

Decio Egisto Fratini wurde 1904 in Castiglione del Lago (Provinz Perugia) geboren. Später zog er gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern aus beruflichen Gründen nach Südtirol, wo er bei den CEDA-Werken als leitender Angestellter tätig war. Auf dem ehemaligen Fabriksgelände in der Siemensstraße 2 befindet sich heute das Gebäude der Firma Amonn.

Nach der Eingliederung Südtirols in die „Operationszone Alpenvorland“ schloss sich Fratini dem von Manlio Longon geführten Befreiungskomitee an. Am 19. Dezember 1944 wurde er an seinem Arbeitsplatz verhaftet und verhört. Dabei wurde Fratini schwer misshandelt. Zunächst wurde er ins NS-Durchgangslager in der Bozner Reschenstraße verbracht. In der Folge wurde er in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert, wo ihm die Häftlingsnummer 126.189 zugewiesen wurde. Von dort aus kam er ins Außenlager Gusen 1, wo er am 27. April 1945, wenige Tage vor der Befreiung des Lagers, verstarb.

„Die Neuverlegung des Stolpersteins zu Ehren von Decio Egisto Fratini ist etwas ganz Besonderes, weil die Stadt mit dem heutigen Tag einen Ort der Erinnerung und der Reflexion zurückerhält“, so Bürgermeister Claudio Corrarati. „Die Boznerinnen und Bozner haben den Fall rund um die vorübergehende Entfernung des Gedenksteines aufmerksam und engagiert verfolgt. Daran zeigt sich, wie sehr die Bürgerinnen und Bürger diese kleinen, aber umso bedeutenderen Gedenkorte schätzen. Ich danke den Ämtern der Stadtverwaltung, dem

Stadtarchiv und allen, die dazu beigetragen haben, dass dieser Stolperstein wieder an seinen Platz zurückkehren konnte.“

Vermögensstadtrat Claudio Della Ratta betonte: „Die Stadtverwaltung hat, nachdem sie von der Entfernung des Stolpersteins unterrichtet wurde, sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Stein zu finden und wieder an seinem ursprünglichen Ort zurückzubringen. Wir als Stadt, aber auch die Bürgerinnen und Bürger, verfolgten die Entwicklungen mit großem Interesse. Umso glücklicher sind wir heute, dass dieser Fall ein gutes Ende genommen hat. Die Stolpersteine sind Teil des historischen Gedächtnisses, und als solche müssen wir sie schützen und wertschätzen und noch besser bekanntmachen, damit wir ihrer Bedeutung als Zeichen der Erinnerung an die Opfer von Nationalsozialismus und Faschismus gerecht werden.“

Die Verantwortlichen der Stadt und des Stadtarchivs danken den Bürgerinnen und Bürgern für ihre Anteilnahme und für das Interesse, das sie dem Projekt „Stolpersteine“ entgegenbringen. Diese Gedenksteine seien Ausgangspunkt für wichtige Momente des Dialogs und der Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Bezirk: Bozen

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