Viele Unfälle passieren beim Putzen in den eigenen vier Wänden

Die meisten Unfälle passieren den Österreichern im Haushalt

Donnerstag, 26. Februar 2026 | 13:41 Uhr

Von: apa

2025 sind in Österreich 824.400 Unfallopfer ambulant oder stationär in Spitälern behandelt worden. Das ist ein Anstieg von zwei Prozent, teilte das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) am Donnerstag mit. Die Behandlungskosten erhöhten sich um sieben Prozent auf drei Milliarden Euro. Die meisten Verletzten erlitten ihre Blessuren im Haushalt (334.500 Verletzte), gefolgt von den Bereichen Freizeit und Freizeitsport (280.700), Arbeit und Schule (111.400) und Verkehr (97.800).

“Die höchste Unfallgefahr lauert in den eigenen vier Wänden”, sagte KFV-Direktor Christian Schimanofsky bei einer Pressekonferenz in Wien. Auffallend bei den Haushaltsunfällen ist die starke Zunahme von Unfällen beim Gehen im Wohnbereich. Im Vergleich zum Jahr 2024 gab es hier ein Plus von 21 Prozent auf 86.000 spitalsbehandelte Verletzte. Vor allem Senioren sind davon betroffen. Deutliche Anstiege bei Unfällen im eigenen Haushalt gibt es laut KFV bei Reinigungsarbeiten (plus zwölf Prozent auf 30.000 Verletzte), bei Arbeiten in Heim und Garten (plus 19 Prozent auf 26.400) sowie beim Kochen (plus 18 Prozent auf 14.400).

Bei Unfällen im Seniorenalter wurde 2025 mit 266.100 Verletzten allgemein ein neuer Höchststand erreicht. Schimanofsky fordert daher, dass Präventionsmaßnahmen noch stärker auf ältere Menschen ausgerichtet werden sollten. Jede Vorsorgemaßnahme sei ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Pflegeeinrichtungen und des Gesundheitssystems in Österreich, so der KFV-Direktor. Außerdem könne damit viel menschliches Leid verhindert werden. “Man kann durch gezielte Prävention gegensteuern”, betonte der Experte.

Leichter Rückgang bei Kindern

Bei Erwachsenen (Altersgruppe 25 bis 64 Jahre) erhöhte sich die Zahl der spitalsbehandelten Verletzten in Österreich im Jahr 2025 um vier Prozent auf rund 333.100 Personen. Bei Kindern (null bis 14 Jahre) gab es einen leichten Rückgang von rund zwei Prozent. Trotzdem bleibt die Zahl mit 119.600 verletzten Kindern hoch. Dazu kommen noch 105.600 Jugendliche (15-24 Jahre), ebenfalls mit einem leichten Rückgang von drei Prozent. Die meisten Unfälle von Personen mit Wohnsitz in Österreich ereigneten sich in Wien (160.300 Verletzte), gefolgt von Oberösterreich (140.800) und Niederösterreich (134.100).

Die am häufigsten verletzten Körperteile bei Unfällen in Österreich sind die Finger (102.200 Fälle), gefolgt vom Knie (72.200) sowie von Fußgelenken bzw. Knöcheln (70.900). Bei Sportunfällen war das Knie am häufigsten betroffen (28.600 Fälle). Bei Sportunfällen wurden vom KFV erstmals in mehr als fünf Prozent der Fälle Kopfverletzungen dokumentiert. Kopfverletzungen bereiten Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KFV, auch im Straßenverkehr zunehmend Sorgen: “Im Verkehrsbereich ist die Zahl der spitalsbehandelten Verletzten im Vorjahr um mehr als sechs Prozent auf 97.800 gestiegen. Ein besonders ernstes Problem ist der hohe Anteil von Unfällen mit Fahrrädern, E-Bikes und E-Scootern am Gesamtunfallgeschehen.”

Forderung nach einheitlicher Helmpflicht

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit bekräftigte am Donnerstag daher die Forderung nach einer Ausweitung der Helmpflicht bei E-Scootern und E-Bikes auf alle Altersgruppen. Derzeit wird von der Politik eine Helmpflicht für junge Menschen auf den Weg gebracht. “97 Prozent aller Verunglückten mit dem E-Bike sind älter als 14 Jahre”, verdeutlichte Robatsch jedoch. Ein Helm würde zwar keinen Unfall verhindern, aber die Schwere der Verletzung reduzieren. Eine Helmpflicht für alle Verkehrsteilnehmer auf Fahrrädern, E-Bikes und Scootern wäre “eine relativ einfache Maßnahme”, betonte der Experte am Donnerstag. “Wenn alle einen Helm auf hätten, würde das pro Jahr um 1.000 weniger Schädel- und Hirnverletzungen bedeuten.”

Diese Forderung nach einer Helmpflicht unterstützt auch Physiker Werner Gruber. Die harte Außenschale des Helms sorge dafür, dass sich die Kräfte bei einem Unfall auf eine größere Fläche verteilen, so Gruber bei dem Pressetermin. “Die weichere Innenschale absorbiert zusätzliche Energie und wandelt diese in Wärme um.” Anhand eines Apfels, der in seiner Konsistenz einem Kinderkopf ähnelt, demonstrierte er mit einem Hammer eindrucksvoll die Wirkung dieser Schutzmechanismen – mit und ohne Helm. In Sachen Verkehrssicherheit gab Gruber den Anwesenden noch einen Tipp mit auf den Weg: “Sicherstes Transportmittel ist der Lift!”

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