So hoch ist die Gefahr tatsächlich

Droht Europa ein neuer “Super El Niño”?

Donnerstag, 21. Mai 2026 | 17:21 Uhr

Von: mk

Eine minimale Änderung der Windrichtung im Pazifik entscheidet weltweit darüber, ob der kommende Winter eisig wird oder der Sommer neue Rekorde bricht. Im laufenden Jahr erlebt die Kombination von El Niño und der Südlichen Oszillation – kurz ENSO genannt – einen der schnellsten Übergänge, die je beobachtet wurden. Droht Europa damit „Super El Niño“ mit verheerenden Folgen?

Nach einer schwachen La-Niña-Phase zu Jahresbeginn erwärmen sich die Meere derzeit rasant. Das schürt die Angst vor einem katastrophalen „Super El Niño“, bei dem die Wassertemperatur im zentralen Pazifik über Monate hinweg um mehr als zwei Grad über der Norm liegt – ein Extremereignis, das in den letzten 40 Jahren erst dreimal registriert wurde.

Die US-Klimabehörde NOAA und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mahnen jedoch zur Besonnenheit und warnen vor übertriebener Alarm-Stimmung. Zwar prognostizieren die Computermodelle mit einer Wahrscheinlichkeit von 82 Prozent die Entwicklung eines El Niño bis Juli und eine fast absolute Gewissheit für dessen Fortbestehen im nächsten Winter, das Risiko für ein historisches Extremereignis der Kategorie „sehr stark“ liegt aktuell jedoch bei nur 37 Prozent.

Zudem durchläuft die Meteorologie im Frühjahr die Phase der sogenannten Frühjahrs-Vorhersagebarriere, in der globale Klimamodelle naturgemäß ungenauer sind. Wirklich verlässliche Daten werden erst ab Juni vorliegen.

Während das Phänomen in Regionen wie Australien und Südostasien schwere Dürren und in Südamerika verheerende Sturzfluten auslöst, sind die direkten Auswirkungen auf Europa und den Mittelmeerraum im Sommer gering. Wissenschaftlich gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Erwärmung des äquatorialen Pazifiks und europäischen Hitzewellen.

Die für Südeuropa prognostizierten Sommer-Anomalien mit Werten von teils über 35 Grad Celsius in der Po-Ebene und Mittelitalien sind eine direkte Folge des menschengemachten, globalen Klimawandels und nicht auf El Niño zurückzuführen, da sich das Phänomen im Sommer erst in der Entwicklung befindet. Spürbar werden die indirekten Effekte für Europa erst im Herbst und Winter, wenn El Niño seinen energetischen Höhepunkt erreicht und im Zusammenspiel mit der Atlantikzirkulation zu extremer Wetterinstabilität mit abrupten Wechseln zwischen Trockenheit und Unwettern führen kann.

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