...ansonsten droht der Ersten Hilfe der Kollaps – ein Kommentar

Es ist endlich Zeit, hart gegenzusteuern…

Donnerstag, 30. April 2026 | 01:58 Uhr

Von: ka

Bozen – Die Notaufnahme am Krankenhaus Bozen steht massiv unter Druck. Laut einem internen Bericht sind Ärzte und Pflegepersonal aufgrund der Flut von Patienten, endlosen Nachtschichten und Weggängen an der Belastungsgrenze angelangt.

Wohlgemerkt, die medizinische Versorgung von Erste-Hilfe-Patienten ist seit jeher herausfordernd, aber nach den Abgängen von Ärzten und Pflegekräften in den letzten Monaten stehen die „Hinterbliebenen” mit dem Rücken zur Wand. Angesichts des unaufhörlichen Patientenandrangs, der die Ärzte und Pflegekräfte ständig unter Druck setzt, verwundert die „Personalflucht” nicht, doch die Fälle von Burnout sollten im Sanitätsbetrieb die Alarmglocken schrillen lassen. Die Entlassung beziehungsweise Kündigung mehrerer Ärzte im Zusammenhang mit gefälschten Zweisprachigkeitsnachweisen hat die Lage weiter verschärft.

LPA/Ivo Corrà

Mittlerweile ist von einem drohenden Kollaps die Rede. Um dieses Desaster abzuwenden, muss dringend gegengesteuert werden. Damit sich die Ärzte und Pflegekräfte auf die echten Notfälle konzentrieren können, muss zunächst der Zustrom von Patienten verringert werden. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Einrichtung eines AKD, die Einführung einer Ticketgebühr für grüne Codes und die Erhöhung jener von derzeit 25 Euro für die blauen Codes. Doch nur eine massive Anhebung und „gnadenlose” Eintreibung der Gebühren kann die „unangemessenen Zugänge”, die drei Viertel aller Erste-Hilfe-Patienten ausmachen, wirksam bremsen.

stnews/luk – Symbolbild

Die äußerst schwierige Lage der Ärzte und Pflegekräfte der Bozner Ersten Hilfe steht symbolhaft für die Hemmnisse und Nöte des heimischen Gesundheitswesens. Da Gesundheitsfachpersonal europaweit rar ist und die heimischen Gehälter – samt Zweisprachigkeitszulage – angesichts der Wohn- und Lebenshaltungskosten im nahen Ausland eher mäßig konkurrenzfähig sind, hat das Südtiroler öffentliche Gesundheitswesen nicht die besten Karten. Hinzu kommt die für eine Festanstellung notwendige Zweisprachigkeit, die aus Sicht der Bewerber eine Hürde und aus Sicht des Betriebs ein Wettbewerbsnachteil ist.

stnews/luk

Die Sorgen der Notaufnahme sind lösbar, sofern hart durchgegriffen wird, aber der Druck, Hürden abzubauen, dürfte angesichts des herrschenden Personalmangels und der gut zahlenden Konkurrenz im Ausland und in der Privatwirtschaft eher noch zunehmen. Dies zu ändern – etwa durch höhere Zulagen oder Zugangserleichterungen – ist eine Entscheidung, die nicht auf das Gesundheitswesen abgewälzt werden kann.

 

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen