Von: apa
Die EU sagt dem illegalen Handel mit Welpen und Kätzchen den Kampf an: Das EU-Parlament hat am Dienstag in Straßburg mit überwältigender Mehrheit für eine neue Regelung gestimmt, die vor allem beim Online-Kauf von Katzen und Hunden die Rückverfolgbarkeit und Transparenz verbessern soll. Auch eine verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung für gehandelte Hunde und Katzen mittels Mikrochips sowie Mindeststandards für professionelle Züchter sollen kommen.
558 Abgeordnete stimmten für die Regelung, nur 35 waren dagegen. Die “EU-Verordnung für das Wohlergehen von Hunden und Katzen und ihre Rückverfolgbarkeit” will dem Handel mit illegal gezüchteten und gehandelten und oft todkranken oder misshandelten Tieren einen Riegel vorschieben. Hunde und Katzen, die aus Drittländern zum Verkauf eingeführt werden, müssen vor ihrer Einreise in die EU mit einem Mikrochip versehen und anschließend in einer nationalen Datenbank registriert werden. Nichtkommerzielle Tiertransporte müssen vom Halter mindestens fünf Tage im Voraus in der EU-Datenbank angemeldet werden, um verdächtige Tierbewegungen aufzudecken.
Keine Haltungsvorgaben für Bauernhofkatzen
Die Bedingungen, unter denen die Vierbeiner in europäischen Zuchteinrichtungen leben, sollen durch europaweite Mindeststandards verbessert werden. Dazu gehören klare Anforderungen an Haltung, Fütterung, Pflege, tierärztliche Betreuung sowie den Schutz vor Misshandlung. Weiters wird die Zucht zwischen engen Familienangehörigen und Kreuzungen mit Wildtieren verboten bzw. nur in Ausnahmefällen erlaubt. Die Regelungen zur Haltung von Zuchttieren sollen ausschließlich für professionelle Zuchtanstalten gelten und nicht für Privathaushalte oder Bauernhofkatzen.
Laut EU-Angaben leben über 72 Millionen Hunde und 83 Millionen Katzen mit einem jährlichen Marktwert von 1,3 Milliarden Euro in der EU. 60 Prozent aller Haustierkäufe finden über das Internet statt. Der Vorschlag der EU-Kommission war nicht unumstritten gewesen, etwa betreffend einer EU-weiten Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für alle Katzen. Die Vereinbarung muss jetzt vom Rat der Mitgliedsländer noch formell gebilligt werden, bevor sie in Kraft tritt. Innerhalb von zwei Jahren will die EU-Kommission Vorschläge für die vollständige Digitalisierung des bestehenden EU-Heimtierausweises vorlegen.
Gesetz im Sinne des Tierwohls
Der SPÖ-Europaabgeordnete Günther Sidl sagte in Straßburg: “Wir haben in Europa ein großes Problem, was den illegalen Handel von Hunden und Katzen betrifft.” Dies sei ein knallhartes Geschäftsmodell, das Problem bestehe in einer nicht gegebenen Nachvollziehbarkeit. Es habe Versuche gegeben, einzelne Länder auf das Problem hinzuweisen, was aber nicht gelungen sei. Daher gehe jetzt das Europaparlament einen Schritt weiter durch ein europaweites Chipsystem mit verschiedenen Staffelungen. Die Regelung sei “ein Schritt gegen die Tiermafia” und gegen Tierleid. Es gehe um europäische Mindeststandards.
Auch der NEOS-Europaabgeordnete Helmut Brandstätter nannte die nunmehrige Regulierung “etwas Erfreuliches”. Endlich gebe es Regeln für die Zucht und den Verkauf und Maßnahmen gegen den illegalen Tierhandel. Das Gesetz sei im Sinne des Tierwohls.
“Trotz Versuchen konservativer Abgeordneter, allen voran Alexander Bernhuber (ÖVP), dieses Gesetz zu verhindern, konnten wir heute einen Meilenstein im Tierschutz beschließen. Zugang zu Sonnenlicht, artgerechtes Futter, Mindestplatzangaben und vieles mehr – endlich haben wir Mindeststandards für die Haltung von Katzen und Hunden in Zuchtbetrieben in ganz Europa und damit mehr Tierwohl für unsere vierbeinigen Freunde”, freut sich Europaabgeordneter und Agrarsprecher der Grünen im Europäischen Parlament, Thomas Waitz, laut Aussendung.




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