Gleichmäßigere Verteilung gefordert

Sachliche Debatte zu Unterbringung von Flüchtlingsfamilien gefordert

Montag, 27. April 2026 | 16:43 Uhr

Von: luk

Bozen – Mehrere Organisationen aus Sozialwesen, Wissenschaft und Gewerkschaften haben sich für eine faktenbasierte Diskussion über die Unterbringung obdachloser Familien mit Flucht- oder Migrationshintergrund in Südtirol ausgesprochen. In einer gemeinsamen Stellungnahme plädieren sie für nachhaltige und dezentrale Lösungen.

Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem der Dachverband für Soziales und Gesundheit, der Coopbund Südtirol, die Freie Universität Bozen sowie mehrere Gewerkschaften wie CGIL-AGB, SGB-CISL, UIL-SGK und ASGB. Auch zivilgesellschaftliche Akteure wie Allianz für Familie und Volontarius ODV sind beteiligt.

Hintergrund ist die aktuelle öffentliche Debatte sowie eine kürzlich verbreitete Online-Umfrage zur Nutzung von Wohnungen für obdachlose Familien. Die Organisationen warnen, dass das Thema häufig ohne ausreichenden Kontext dargestellt werde. Dies könne zu verzerrten Wahrnehmungen führen und die komplexen Entscheidungen der zuständigen Institutionen unzureichend abbilden.

Besonders betont wird die Bedeutung, die möglichen Folgen politischer Entscheidungen mitzudenken. Dazu zählen laut Stellungnahme auch die Auswirkungen von Familientrennungen, die insbesondere für Minderjährige schwerwiegende Konsequenzen haben könnten.

Die Unterzeichner sprechen sich für eine gleichmäßigere Verteilung von betroffenen Familien auf mehrere Gemeinden aus. Dezentrale Modelle seien langfristig wirksamer als eine Konzentration in Hotels oder großen Aufnahmeeinrichtungen, die derzeit vor allem in Bozen angesiedelt sind.

Neben sozialen Argumenten führen die Organisationen auch wirtschaftliche Aspekte an. Eine breitere Verteilung ermögliche einen effizienteren Einsatz öffentlicher Mittel und könne helfen, kostenintensive Notlösungen zu reduzieren. Gleichzeitig würden Integrationsprozesse erleichtert, da dezentrale Strukturen den Aufbau sozialer Beziehungen und die Teilhabe am Gemeindeleben fördern.

Abschließend appellieren die Organisationen an Politik und Öffentlichkeit, Entscheidungen auf Grundlage von Daten, Erfahrungen und langfristigen Perspektiven zu treffen. Ziel müsse ein konstruktiver Dialog sein, der vereinfachende Darstellungen vermeidet und tragfähige Lösungen im Interesse der gesamten Gesellschaft entwickelt.

Bezirk: Bozen

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