Frauenorganisationen fordern mehr Prävention

Frauenmord in Bozen: “Tat geschah nicht aus heiterem Himmel heraus”

Mittwoch, 26. Oktober 2022 | 11:35 Uhr

Bozen – Ein weiterer Frauenmord sorgt in Südtirol für Schlagzeilen. Die 35-jährigen Kellnerin Alexandra Mocanu aus Rumänen ist von ihrem Partner in Bozen mit einem Steinhammer getötet worden. Der 27-jährige Avni Mecja aus Albanien hat ein Geständnis abgelegt. Die beiden waren nicht verheiratet.

Für Christine Clignon, Präsidentin des Netzwerks gegen Gewalt an Frauen GEA, steht fest: Die Tat geschah nicht aus heiterem Himmel, sondern sie hat ihren Schatten vorausgeworfen.

Wie berichtet, war Mecja im Jahr 2020 zu drei Jahren und vier Monaten Haft in zweiter Instanz wegen häuslicher Gewalt gegenüber der 35-Jährigen verurteilt worden. Es lag sogar ein Annäherungsverbot vor.

Doch offenbar war es die 35-Jährige selbst, die die Nähe zu Mecja suchte und zu ihm erneut nach Bozen zog. Sie nahmen ihre Beziehung wieder auf, ohne die Gerichtsbehörden darüber zu informieren. Das Verhältnis zwischen den beiden soll sich aber nicht gebessert haben.

Clignon kennt die Dynamik hinter solchen Beziehungen: Alexandra Mocanu hat offenbar daran geglaubt, dass bestimmte Dinge „nicht mehr passieren“ und dafür mit ihrem Leben bezahlt.

„Ich appelliere an alle Frauen, die sich in Gefahr fühlen, das Risiko nicht zu unterschätzen“, erklärt Clignon laut einem Bericht von Alto Adige online. Die betroffenen Frauen sollten sich nicht der Illusion hingeben, dass ihnen so etwas nicht passieren könne. In Südtirol gibt es auf Landesebene die grüne Nummer 800276433, die 24 Stunden aktiv ist. 800892828 ist eine weitere grüne Nummer. 1522 lautet hingegen die Nummer der Hotline gegen Gewalt und Salking.

„In den GEA-Beratungszentren gibt es geschultes Personal, das bereit ist, zuzuhören, die Situation einzuschätzen und Rat zu geben“, erklärt Clignon. Zudem gibt es noch die Strukturen, wo Frauen, die Gewalt erlebt haben, mit ihren Kinder unterkommen können.

Die GEA-Präsidentin spricht aber auch von einer kollektiven Verantwortung. Sie glaubt nicht daran, dass niemand das angespannte Verhältnis bemerkt hat. Die Nachbarn berichteten immerhin von wiederholten Streitigkeiten zwischen dem Paar, zu denen es nahezu täglich gekommen war und die auch recht heftig ausgefallen sein sollen. Doch niemand habe es offenbar gewagt, nachzufragen. Leider ist es auch bei uns so, dass in Mehrfamilienhäusern Nachbarn oft Fremde sind. Viele wollen nicht aufdringlich wirken. Doch in bestimmten Situationen sei eine neutrale Haltung nicht erlaubt, betont die GEA-Präsidentin.

Auch Ulrike Oberhammer, die Präsidentin des Landesbeirats für Chancengleichheit, ruft die Gesellschaft dazu auf, mehr gegen Gewalt an Frauen zu unternehmen. „Es braucht mehr Sensibilisierung. Wir müssen die Notrufnummern bekannt machen, an die sich Frauen wenden können“, erklärt Oberhammer. In Spitälern greift das Protokoll „Erika“, falls ein Fall von häuslicher Gewalt vorliegt. Auf Gesetzesebene hat der Staat den sogenannten „Codice rosso“ eingeführt, um bei Gewalt gegen Frauen die Verfahren und die Überprüfung der Anzeigen zu beschleunigen. Laut Oberhammer müsse mehr in Sachen Prävention unternommen werden, auch indem man das Thema an Schulen anspricht.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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26 Kommentare auf "Frauenmord in Bozen: “Tat geschah nicht aus heiterem Himmel heraus”"


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Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 2 Tage

…was sollen sich da Aussenstehende einmischen, wenn sie selber freiwillig ihrem Peiniger nachläuft…nicht immer die Schuld der Allgemeinheit zuschieben…er wurde mit Annäherungsverbot belegt, welches sie hingegen missachtet hat…trsurig, aber wahr…

Evi
Evi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Sie ist wohl aus Angst zu ihm zurück gekommen…

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 2 Tage

@Evi
…wie bitte?…aus Angst von Verona nach Bozen, obwohl er ein Annäherungsverbot hatte…das hilft nichts, wenn sie es unterläuft…

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Lustig wie man versucht das opfer zum täter zu machen, gibs jetzt einen freispruch?

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 2 Tage

@sarkasmus
…nicht sarkastisch sein…msn will nicht dss Opfer zum Täter machen…man will aber nicht, dass behauptet wird, die Allgemeinheit hätte sich nicht gekümmert…Tatsache ist, man hat ihr einen Schutzmechanismus zukommen lassen, den sie halt selber leider, aus welchen Gründen auch immer, ignoriert hat…

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 2 Tage

Hoffendlich kriegt der Typ a 30 Johre aufgebrummt! Und die Strofe konn er gerne in Albanien odr Rumänien obsitzn.
Asoa FEIGLING!!!

ieztuets
ieztuets
Superredner
1 Monat 2 Tage

Also brauchs die Intervention, dass Frauen wo der Monn a lei uenmoll die Hond erhebt oder sogor gewolttätig weart, gien sollat weil sell a “no go” isch und der Monn mueß polizeilich registriert und kontrolliert wearn!

Sarah Kevonina
1 Monat 2 Tage

“Lei uenmoll” jo falz iatz? Oanmol isch oanmol zuviel und is no go so zu betonen isch schun frech und respektlos in olle frauen gegnibo denen sowos täglich passiert!

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

Bei so einem Urteil (mehrere Jahre Knast + Annäherungsverbot) muss schon so einiges vorgefallen sein, von wegen “nur einmal”…..was schon als Aussage nicht akzeptabel ist. Einmal ist auch schon einmal zuviel!

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Bei allem Respekt, aber diese Frage hat das Gericht zu klären.

Evi
Evi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Hat es doch 2020. Mit 3 Jahren Haft. Jetzt haben wir 2022, warum war er frei????

Stella999
Stella999
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

@Evi Hon i a net verstanden? Vielleicht lai auf Bewährung?

ieztuets
ieztuets
Superredner
1 Monat 2 Tage

I honns jo so gemuent, s’1. moll wearters tien mießn odr… und sell isch schunn zuviel, die Frau mueß glei die Konsequenz ziechn, suscht herarts nit au… obr do gibts scheinbor a einige setta Machotypn Minusdrücker?!!!

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Angesichts der früheren alarmierenden Vorfälle ist sie das Risiko bewusst eingegangen❗️

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 2 Tage

inni, leider gibt es toxische Beziehungen und das viele!

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

… aber doch nicht deine, oder … 🤔

Ratziputz
Ratziputz
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Gewalt gegen Frauen ist in keinem Falle zu entschuldigen.
Ich kann die Gedankengänge solcher Menschen nicht nachvollziehen 😒

Entequatch
Entequatch
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Was soll das, wird hier wirklich die bevölkerung aufgeforden die nachbarn auszuspionieren und für verhalten, die nicht als standard eigextuft wird die polizei zu rufen?

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 2 Tage

Entequatch, zwischen spionieren und verstehen ob jemand Hilfe braucht liegt ein grosser Unterschied! Frucht von solchen Verhalten der Nachbarn ist einerseits die Angst von den Folgen und zweitens die Gleichgültigkeit!

Brummbaer
Brummbaer
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

warum sind die Frauen nur so gutgläubig?? Ein gewalttätiger Partner wird immer wieder Gewalt anwenden, (außer er WILL sein Verhalten ernsthaft ändern und macht eine Therapie!) Das sind keine Männer, sondern wilde, instinktgetriebene Bestien! Finger weg von solchen Typen!!! Mir tut das Opfer leid, das mit dem Leben dafür bezahlen musste!

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Dieses Beispiel zeigt, wie komplex Beziehungen sein können und welche für Aussenstehende unverständlichen Dynamiken in Gewaltbeziehungen bestehen. Obwohl ihr Lebensgefährte schon zu einer Gefängnisstrafe (!) verurteilt wurde und sogar ein Annäherungsverbot bestand, ist sie zu ihm zurückgekehrt, das hat sie mit ihrem Leben bezahlt. Wahrscheinlich eine Frau, die einfach nur Zuneigung und Liebe gesucht hat, wie so viele andere auch.

flakka
flakka
Tratscher
1 Monat 2 Tage

leider werden die frauen net wirklich geschützt bei stalking ….die opfer sind machlos bzw ohmächtig gegenüber dem stalker ausgesetzt… ordnungskräfte teilweise unseriös und gerichte mit deren lachhaften gesetzen, die in zeitlupentempo bearbeitet werden…
nur wer schon einmal damit konfrontiert wurde, weiss von was ich spreche und das aus eigener erfahrung im familiären umfeld.
Die großen Gewinner sind die Anwälte.

Wunder
Wunder
Tratscher
1 Monat 2 Tage

… jetzt soll SIE quasi Schuld sein???
Geht’s noch???
Es gibt nichts, was einen Mord rechtfertigt!!!

H.M
H.M
Tratscher
1 Monat 2 Tage

des muat a teufelskreis sein aus liebe aus angst es ist nicht zu verstehen was in den menschen vorgeht,nocheinmal zu so einen menschen zurück zu kehren😥um dann so gruasam getötet zu werden.

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Das weibliche Sozialsyndrom wird vielen Frauen zum Verhängnis.Leider!

herta
herta
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Was ich nicht verstehe oder verstehen kann, können diese Männer 1 + 1 nicht zusammzählen, oder glauben sie den perfekten Mord gemacht zu haben! Sie zerstören ja gleichzeitig ihr eigens Leben auf die Folgen einer solchen Missetat wird nicht gedacht. Ja – ja Denken ist Schwerstarbeit daher gibt man sich nicht damit ab . Ruhe in Frieden .

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