Ermittlungen dehnen sich aus

Gefälschte Sprachzertifikate: Auch Führungskräfte des Sanitätsbetriebs im Visier

Donnerstag, 16. April 2026 | 11:25 Uhr

Von: mk

Bozen – Im Zuge der Ermittlungen zu gefälschten Sprachzertifikaten im Südtiroler Gesundheitswesen und in weiteren Bereichen des öffentlichen Sektors werden weitere Details bekannt. So soll ein Mitterechts-Kandidat bei den vergangenen Gemeinderatswahlen in Bozen ins Ermittlungsregister eingetragen worden sein, aber auch zwei leitende Angestellte im Südtiroler Sanitätsbetrieb.

Wie berichtet, hat die Finanzpolizei einen ehemaligen Wachmann des Krankenhauses Bozen unter Hausarrest gestellt. Der Betroffene steht im Verdacht, in Mittäterschaft gemeinschaftlich mit anderen Personen, über 40 gefälschte Sprachzertifikate beschafft zu haben, die vermeintlich bei einer Bildungseinrichtung in Deutschland erworben wurden.

Laut Staatsanwaltschaft soll er für die Dokumente jeweils rund 4.000 Euro verlangt haben. Die Zertifikate dienten dazu, den erforderlichen Zweisprachigkeitsnachweis für den Zugang oder eine Festanstellung im öffentlichen Dienst zu umgehen.

Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen und richten sich auch gegen weitere Personen. Unter anderen geraten auch jene Personen ins Visier der Staatsanwaltschaft, die sich mutmaßlich ein gefälschtes Zertifikat besorgt haben.

Im Fall des Mitterechtskandidaten bei den vergangenen Gemeinderatswahlen soll es sich ebenfalls um einen Angestellten des Sanitätsbetrieb handeln. Derzeit hat der Mann keine aktive politische Funktion in der Südtiroler Politik inne.

22 Ärzte und Krankenpfleger, die ein gefälschtes Zertifikat erworben haben, hat der Sanitätsbetrieb bereits entlassen. Zu den mutmaßlichen Abnehmern eines gefälschten Zweisprachigkeitszertifikats sollen laut Medienberichten auch minderjährige Oberschüler, Lehrer und sogar zwei Ortspolizisten zählen.

Der Zweisprachigkeitsnachweis gilt in Südtirol als Grundvoraussetzung für die Teilnahme an öffentlichen Wettbewerben und für die Anstellung im öffentlichen Dienst. Weil es im Land zu wenig Ärzte und Krankenpfleger gibt, stellt der Südtiroler Sanitätsbetrieb auch Bewerber ohne Nachweis ein – allerdings nur mit befristetem Vertrag und mit der Auflage, die Zweisprachigkeitsprüfung innerhalb von drei Jahren abzulegen oder sich einen äquivalenten Nachweis zu beschaffen.

Wie die Zeitung Alto Adige schreibt, sind auch zwei leitende Angestellte im Südtiroler Sanitätsbetrieb ins Ermittlungsregister der Staatsanwaltschaft eingetragen worden. Während einem Leiter der Erwerb eines gefälschten Zertifikats vorgeworfen wird, soll ein Primar beschuldigt werden, er habe vom gefälschten Sprachnachweis mindestens eines seiner Ärzte gewusst, dies aber nicht gemeldet. Der Primar erklärt unterdessen, man habe ihn nicht darüber informiert, dass gegen ihn ermittelt werde, und er sei in die Vorfälle nicht involviert.

Eine offizielle Bestätigung der Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft steht im Moment aus. Für die Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.

Bezirk: Bozen

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