Ex-Wachmann im Hausarrest

Gefälschte Sprachzertifikate: Auch gegen zwei Ortspolizisten wird ermittelt

Mittwoch, 15. April 2026 | 11:08 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Finanzpolizei dehnt ihre Ermittlungen zu gefälschten Sprachzertifikaten im Südtiroler Gesundheitswesen aus, zumal der Verdacht besteht, dass – abgesehen von Ärzten Krankenpflegern – noch weitere Personen davon profitiert haben könnten. 22 Angestellte im Südtiroler Sanitätsbetrieb sind unterdessen bereits entlassen worden.

Wie berichtet, wurde ein ehemaliger Wachmann des Bozner Krankenhauses am Freitag unter Hausarrest gestellt, weil er im Verdacht steht, gemeinsam mit weiteren Beteiligten über 40 gefälschte Zertifikate beschafft und an medizinisches Personal verkauft zu haben. Laut Staatsanwaltschaft soll er für die aus Deutschland stammenden Dokumente jeweils rund 4.000 Euro verlangt haben. Dem 50-Jährigen droht unter anderem eine Anklage wegen Urkundenfälschung.

Nun wurde bekannt, dass zu den mutmaßlichen Kunden des Beschuldigten auch zwei Ortspolizisten aus Bozen zählen sollen. Auch gegen sie wird wegen Urkundenfälschung ermittelt, schreibt die Nachrichtenagentur Ansa.

Den Vorwürfen zufolge sollen die Ortspolizisten die gefälschten Sprachzertifikate bei den Landesämtern eingereicht zu haben, um sich den Zweisprachigkeitsnachweis zu erschleichen – eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme an öffentlichen Wettbewerben und die Anstellung im öffentlichen Dienst.

Laut Ansa ermittelt die Finanzpolizei derzeit gegen rund 20 Personen. Dem ehemaligen Wachmann wird außerdem Erpressung vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft habe er Kontakte genutzt, die er im Rahmen seiner beruflichen Laufbahn im Spital geknüpft hat. Außerdem habe er die Tatsache ausgenutzt, dass die Betroffenen auf die Sprachzertifikate angewiesen gewesen seien, um weiterhin im Krankenhaus arbeiten zu können.

Im Rahmen einer Anhörung vor dem Untersuchungsrichter räumte der Mann einen Teil der Anschuldigungen zwar ein, den Vorwurf der Erpressung wies er jedoch zurück.

Bezirk: Bozen

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