Von: mk
Seis – Unter der Schirmherrschaft der Bürgermeisterin von Kastelruth Cristina Pallanch hat vor Kurzem in Seis ein aufschlussreicher Infoabend des Südtiroler Nierenkrankenvereins Nierene rund um die Bedeutung und Sensibilisierung der Organspende und Gewebeentnahme stattgefunden. Trotz widriger Witterungsbedingungen hatten sich viele Interessierte eingefunden. Hochkarätige Referenten aus dem medizinischen und juridischen Bereich gaben dabei einen Überblick zu den aktuellen gesetzlichen Bestimmungen und den neuesten klinischen Entwicklungen.
Der Primar der Abteilung Neurologie am Krankenhaus Bruneck, Gregorio Rungger, erklärte beispielsweise, was es mit der Hirntodbestimmung auf sich hat und wann diese überhaupt klinisch gesehen durchgeführt werden kann und darf. Er erläuterte die sehr komplexe, aufwändige Vorgangsweise, die aufgrund der Gesetzeslage einzuhalten ist. Primar Marc Kaufmann, der am Zentralkrankenhaus Bozen die große Abteilung Notfallmedizin mit den Bereichen Intensivmedizin und Anästhesie leitet, berichtete hingegen vom erfreulichen Aufwärtstrend der höheren Spenderbereitschaft in der Südtiroler Bevölkerung, nachdem über viele Jahre diese eingebrochen war und für viel Unmut bei den nationalen und internationalen Vertragspartnern des Landes Südtirol gesorgt hatte.
Denn für mehr als zehn Jahre bezogen im Vergleich Südtiroler Patienten deutlich mehr Organe, als unser Land im Rahmen der Kompensation zur Verfügung stellen konnte. Das hat sich in der Zwischenzeit eindeutig geändert. Rund 175.000 Südtirolerinnen und Südtiroler sind derzeit im nationalen Melderegister für Organspende eingetragen – fast fünfmal so viele wie noch 2020. Jährlich warten rund 50 Personen auf ein Spenderorgan, im Schnitt drei Jahre lang. Der Großteil der Betroffenen hofft auf eine Niere.
Gustav Kofler, der Präsident von Nierene erinnert gemeinsam mit seinen Ausschussmitgliedern Gabriele Morandell und Ulrich Seitz, die bei der genannten Veranstaltung in Seis am Podium vertreten waren, dass die chronische Nierenkrankheit oft erst dann auffalle, wenn es durch Folgeerkrankungen zu Beschwerden kommt oder die Nieren versagen. Die Nephrologin am Krankenhaus Bozen, Elisabeth Morandell, erklärte, dass der der Körper im Zuge einer auftretenden Nierenerkrankung im Spezifischen zu wenig Wasser ausscheide und sich dabei zudem Abfallstoffe aus dem Stoffwechsel sammeln würden.
Die Sicherstellung der bestmöglichen Versorgung von Menschen, die sich in Dialyse befinden, beziehungsweise weitere Aspekte im Zusammenhang mit den Folgen der Nierenerkrankungen auf das gesamte Umfeld der Patienten sind und bleiben die wichtigsten Anliegen. Diesbezüglich bewährt sich die optimale Eingliederung des Südtiroler Nierenkrankenvereins in Europäische Netzwerke von Betroffenen. “Unsere Stimme wird international wahrgenommen und das verleiht uns Ansporn”, so ein sichtlich zufriedener Präsident, der es geschafft hat, dass das ehrenamtliche Engagement positiven Druck bei Entscheidungsträgern im Lande aufbauen kann, damit es zu mehr Verständnis für die Hunderten Betroffenen im Lande kommt.
Gerade bei der Anerkennung der Zivilinvalidität, Parkscheine, Pflegeeinstufung, der klinischen und therapeutischen Behandlung habe sich in den letzten Jahren einiges getan. Die Herausforderungen seien aber immer noch erheblich, davon berichteten die Vorstandsmitglieder Gabriele Morandell und Ulrich Seitz. In erster Linie hilft der Verein praktisch mit jährlichen Beiträgen von weit über 100.000 Euro Südtiroler Nierenkranken bei der Übernahme von Kosten, die der Öffentliche Gesundheitsdienst nicht direkt trägt.
Außerdem wurde bei dem Treffen darauf hingewiesen, dass die Sensibilisierung der Bevölkerung zur Organspende seit jeher zu einem Steckenpferd von Nierene gehöre. Die Landesrätin für den sozialen Zusammenhalt; Rosmarie Pamer; und der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes; Christian Kofler; unterstrichen die Notwendigkeit von Infoveranstaltungen dieser Art, auch um die Menschen dazu zu bewegen, sich eine klare Meinung zum Thema Organspende zu bilden.
Ein Highlight des Abends war schließlich die beeindruckende, europaweit fast schon einzigartige Geschichte des Testimonials Urban Kerschbaumer, der sich wie vier seiner Geschwister einer Transplantation unterziehen musste, die ihm wieder Lebensqualität in den Alltag zurückbrachte.




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