Von: apa
Alle erdachten und getesteten Eingriffe mittels Geoengineering, um das Erdklima zu beeinflussen und so die Klimakrise zu bremsen, sind risikoreich und wohl nicht ausreichend wirksam, erörterten Experten kürzlich bei der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien. Möglicherweise müsste man sie trotzdem in größerem Maßstab ausprobieren, um die Erderwärmung einzudämmen, erklärten sie, denn die Treibhausgase werden dazu nicht rasch genug reduziert.
Wenn man zum Beispiel versucht, die globale Erwärmung durch Reflexion von Sonnenlicht ins Weltall abzuschwächen oder Kohlendioxid in großen Mengen aus der Atmosphäre entnimmt, um es permanent zu speichern, müsse man mit unerwünschten Nebeneffekten und limitierter Wirksamkeit rechnen, sagte Carl-Friedrich Schleussner vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien. Auf keinen Fall dürfe man sich auf solche Dinge verlassen und die Reduktion des Treibhausgasausstoßes vernachlässigen, so der Forscher: Das wäre so, wie wenn man bei einer Erkrankung nur Medikamente gegen das Fieber einnimmt, nicht aber gegen den auslösenden Krankheitserreger.
Nur Dekarbonisierung wirkt verlässlich
“Die einzige Methode, die verlässlich (gegen die Klimakrise, Anm.) wirkt, ist die Dekarbonisierung”, erklärte Schleussner, also die Kohlendioxid-Emissionen aus fossilen Brennstoffen komplett zu eliminieren. Auch von Seiten der Europäischen Union ist man sich im Klaren, dass Geoengineering risikoreich ist und wohl unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, sagte Philippe Tulkens von der Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission. Deshalb werden unter anderem Projekte gefördert, die Risiken und Unsicherheiten solcher Unternehmungen untersuchen.
Die schottische Geowissenschafterin Sian Henley analysierte mit Kolleginnen und Kollegen verschiedenste Geoengineering-Methoden: “Unser Fazit ist, dass wir keine davon als geeignet ansehen können.” Sie würden schwere negative Konsequenzen mit sich bringen, die teils vorhersagbar, oft aber unvorhersehbar seien. Unvorhersehbar wäre auch zumeist, ob sie in dem gewünschten Maßstab über längere Zeit überhaupt wirksam sind. “Die Risiken beeinflussen nicht nur ein einzelnes Land, sondern den ganzen Planeten”, erklärte die mexikanische Geologin Yolanda Lopez-Maldonado: zum Beispiel, wenn sich die Niederschläge großräumig ändern.
Land und Böden fallen als Speicher aus, also denkt man an Ozeane
Will Burns vom Institute for Responsible Carbon Removal (Institut für verantwortungsvolle Kohlenstoff-Entfernung) der American University in Washington DC (USA) erklärte hingegen, dass man nicht drumherum komme, riesige Mengen Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen, zum Beispiel jährlich zehn Milliarden Tonnen um die Mitte des Jahrhunderts. Weil es inzwischen offensichtlich sei, dass man Kohlenstoff kaum terrestrisch, also an Land und in den Böden, speichern kann, würde man dafür vermehrt die Ozeane in Betracht ziehen. Er sagte aber genauso wie die anderen Expertinnen und Experten, dass dies durchaus mit Risiken verbunden ist und die Effektivität noch zu testen wäre.
“Der Ozean nimmt aktuell sehr viel CO2 auf, und wir dürfen nicht riskieren, ihn dabei zu stören”, so Sian Henley. Vielmehr würde ein stärkerer Schutz vor Ausbeutung und Zerstörung die CO2-Aufnahme der Meere verlässlich und ohne negative Seiteneffekte vergrößern. Man sollte sich demnach darauf konzentrieren, natürliche Ökosysteme zu revitalisieren und wiederherzustellen sowie die Dekarbonisierung voranzutreiben. “Wir wissen genau, wie das geht”, erklärte sie. Es mangle nur an der politischen Umsetzung.




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