Hantavirus auf Schiff wohl von Mensch zu Mensch übertragen

Hantavirus auf Schiff wohl von Mensch zu Mensch übertragen

Dienstag, 05. Mai 2026 | 15:16 Uhr

Von: APA//Reuters/dpa

Bei Hantavirus-Fällen auf einer Atlantik-Kreuzfahrt geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Infektionen von Mensch zu Mensch aus. Der Erreger wird üblicherweise durch Ausscheidungen von Nagetieren übertragen. Das kleine Kreuzfahrtschiff “Hondius” mit 140 Menschen an Bord war vom Süden Argentiniens aufgebrochen und ankert vor Cap Verde. Das Außenministerium in Wien sagte auf APA-Anfrage: “Laut unseren Informationen sind keine österreichischen Staatsbürger betroffen.”

Normalerweise wird das Virus durch Kontakt mit infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen übertragen. Die WHO geht jedoch davon aus, dass sich ein niederländisches Ehepaar zunächst an Land infizierte. Auf dem Schiff sei es dann vermutlich zu einer der seltenen Übertragungen von Mensch zu Mensch gekommen.

“Wir glauben, dass es unter wirklich engen Kontaktpersonen, wie Ehemann und Ehefrau, die sich eine Kabine teilen, zu einer Übertragung gekommen sein könnte”, sagte die WHO-Direktorin für Epidemie- und Pandemievorsorge, Maria Van Kerkhove, in Genf. Die Behörde vermutet, dass es sich um den in Südamerika verbreiteten Andes-Stamm des Virus handelt, bei dem solche Übertragungen in der Vergangenheit bereits beobachtet wurden. Das Risiko für die Allgemeinheit bleibe jedoch gering.

Niederländisches Ehepaar als Ausgangspunkt vermutet

Der erste erkrankte Passagier, der Niederländer, starb bereits am 11. April. Seine Leiche blieb bis zum 24. April an Bord und wurde dann auf der Insel St. Helena von Bord gebracht. Seine Frau, die zu diesem Zeitpunkt bereits Magen-Darm-Symptome zeigte, starb zwei Tage später nach einem Flug nach Johannesburg in einer dortigen Notaufnahme. Für diesen Flug läuft der WHO zufolge derzeit die Kontaktverfolgung.

Van Kerkhove wies darauf hin, dass viele Passagiere der Expeditionskreuzfahrt Wildtier-Beobachtungen und ähnliche Aktivitäten unternommen haben. Die weitere Übertragung könnte dann an Bord zwischen Personen passiert sein, etwa in Kabinen, sagte Van Kerkhove. Sie schloss nicht aus, dass die Infektionen auch von Nagetieren auf afrikanischen Inseln stammen könnten, die im Zuge der Kreuzfahrt angefahren wurden. Laut Schiffsbetreiber seien keine Ratten an Bord, so die WHO-Expertin.

Medizinischer Transport wird vorbereitet

Bisher sind drei Passagiere der “Hondius” gestorben, das niederländische Paar und ein Deutscher. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus. Das Schiff darf in dem westafrikanischen Inselstaat Kap Verde derzeit nicht anlegen. Die WHO plant, zwei erkrankte Passagiere in die Niederlande zu evakuieren. Anschließend soll die “Hondius” zu den Kanarischen Inseln weiterfahren. Das spanische Gesundheitsministerium erklärte, es sei noch keine Entscheidung über eine Aufnahme des Schiffs getroffen worden. Dies hänge von den epidemiologischen Daten ab, die während der Durchfahrt durch Kap Verde gesammelt würden. An Bord wird inzwischen desinfiziert.

Aktuell sind nur in einem kleinen Teil der Fälle Hantaviren gesichert nachgewiesen worden. Laboruntersuchungen zu den übrigen Infektionen und zum genauen Typ des Virus laufen.

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