Von: ka
Bozen/Sexten – Jannik Sinner nimmt nicht „nur“ Tennisfans, sondern auch viele andere Menschen, die sich für Ball, Schläger und Netz eigentlich nie sonderlich interessiert haben, für sich ein. Das liegt nicht nur daran, dass er so sympathisch und erfolgreich ist, sondern auch daran, dass er für überraschende Momente sorgt.

Nach einem eher mauen Saisonauftakt in Australien eilte Jannik Sinner von Sieg zu Sieg und erreichte dabei Rekorde, die vor ihm kein anderer Tennischampion erreicht hatte. Mit den meisten gewonnenen Matches – 29 Siege in 71 Tagen – und den meisten gewonnenen Masters 1000 hintereinander – Paris, Indian Wells, Miami, Monte-Carlo, Madrid und Rom – glaubte niemand ernsthaft daran, dass ihm jemand den einzigen noch fehlenden Grand-Slam-Titel streitig machen könnte. Roland Garros, die French Open.

Doch die Zuschauer wurden Zeugen eines unerwarteten Erschöpfungsdramas. Jannik, der als Topfavorit nach Paris gereist war und dem nur ein Spiel zum nächsten Sieg fehlte, brach im dritten Satz völlig ein. Er blieb zwar auf dem Platz, musste aber seinen Traum vom Career-Slam begraben.

Selbstzweifel schienen sich in die Nummer eins der Tenniswelt zu graben, denn die Frage „Ist es der Kopf oder der Körper?” war nicht einfach zu beantworten. Auch die intensive Suche nach dem einen Grund blieb zunächst ohne konkrete Ergebnisse. Doch wie nach einem hässlichen Gewitter lichteten sich die Wolken wieder. Die Erkenntnis war, dass es offenbar nicht die eine „Schwachstelle” gab, die es zu beheben galt, sondern dass eine ganze Reihe von Neuerungen und kleinen Aufmerksamkeiten ausreichte, um Janniks Körper nicht „heißlaufen” zu lassen.

Das hieß jedoch nicht, dass die Achterbahnfahrt 2026 ausgestanden war. In Wimbledon brauchte Jannik, der nach Paris wochenlang keine Matches mehr bestritten hatte, fünf Sätze, um im Erstrundenspiel gegen Miomir Kecmanović die Oberhand zu behalten.

Anschließend wurde er von Runde zu Runde spielstärker. Zunächst bezwang er seinen „Lehrmeister“ Novak Đoković und im Finale den besten Alexander Zverev aller Zeiten.

Die Erfahrung, dass der hochmotivierte Kopf nicht immer den Körper beherrschen kann und die Signale des Körpers ernst genommen werden müssen, macht einen Menschen mental und physisch reifer.„Jetzt bin ich mit mir selbst im Reinen“, sagte er später – das ist fast wichtiger als das Wimbledon-Double.




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