Innovation in der Brixsana vorgestellt

Neue Amputationstechnik vermittelt „Gefühl der Hand“

Freitag, 16. Oktober 2020 | 15:21 Uhr

Brixen – Doz. Dr. Alexander Gardetto und sein Team haben heute in der Privatklinik Brixsana in Brixen in Kooperation mit der österreichischen AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) eine weltweite Innovation vorgestellt. Mittels einer völlig neuen Amputationstechnik gelingt es, Menschen, die ihre Hand verloren haben, wieder ihr Gefühl zurückzugeben.

Die neue Operationstechnik wurde am 16.09.2020 im Unfallkrankenhaus Klagenfurt und am 21.09.2020 in der Privatklinik Brixsana in Brixen erstmalig durchgeführt und führt zu einer neuen Anwendung in der bionischen Handprothetik. Dazu ist die Umlagerung von insgesamt vier Nerven mit mikrochirurgischer Transplantation notwendig.

Der erste Patient, ein 30-jähriger Oberösterreicher, wurde im Unfallkrankenhaus in Klagenfurt operiert. Der Patient hatte 2015 einen Arbeitsunfall mit schwerer Verletzung der linken Hand. Nach mehreren Rekonstruktionsversuchen blieb die Hand funktionslos. Der Patient hatte ständig so starke Schmerzen, dass auch Schmerzmittel wie Opiate und Morphine wenig Linderung brachten. Nach reiflicher Überlegung und psychologischer Betreuung wurde die Hand am 16.09.2020 amputiert und die Nerven so am Unterarm transplantiert, dass der Patient die Voraussetzungen der Anpassung einer bionischen Prothese erfüllt.

Der zweite Patient, ein 45-jähriger Mann aus dem Trentino, hatte durch einen Arbeitsunfall 2017 die rechte Hand verloren. Der Replantationsversuch blieb erfolglos. Seitdem leidet der Betroffene unter starken Phantom- und Neuromschmerzen. Durch die zusätzliche starke Kälteempfindlichkeit des Stumpfes konnte der Patient prothetisch nicht sinnvoll versorgt werden. Bei diesem Patienten haben Doz. Dr. Gardetto und sein Team am 21.09.2020 in der Brixsana den Unterarmstumpf etwas zurückgekürzt und die Nerven so umgeleitet und mikrochirurgisch transplantiert, dass der Patient ganz neu prothetisch versorgt werden kann.

Brixsana

Die Operation ist bei beiden Patienten gut verlaufen. Die Schmerzen sind deutlich weniger und die Medikamente konnten bereits bis unter einem Drittel der ursprünglichen Dosis reduziert werden. Beide machen schon fleißig Physiotherapie mit Stromtherapie. Mit dieser innovativen operativen Technik wurden die Voraussetzungen geschaffen, Betroffenen bionische Prothesen anzupassen.

Das sind Prothesen, welche besondere Eigenschaften haben, mittels sensorischem Feedback wieder ein authentisches Gefühl an der verlorengegangenen Hand zu bekommen. Mit der dann fühlenden Handprothese können Gegenstände, wie z.B. ein Glas angefasst und gespürt werden. Ein Händedruck hat für den Betroffenen dann eine ganz neue Bedeutung und wird zu einem hochemotionalen Ereignis. Mit Hilfe dieser Operationstechnik wird auch gleichzeitig eine Phantom- und Neuromschmerzbehandlung bzw. -prophylaxe erzielt.

Nicht selten treten bei Betroffenen Schmerzen der verlorengegangenen Extremität auf, weil das Gehirn keine sensorischen Informationen mehr erhält. Die bionische Prothese ermöglicht es, dass das Gehirn wieder sensorische Reize bekommt und der Schmerz zurückgeht.

Von: mk

Bezirk: Eisacktal

Kommentare

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3 Kommentare auf "Neue Amputationstechnik vermittelt „Gefühl der Hand“"


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Storch24
Storch24
Universalgelehrter
3 Tage 10 h

Ich finde diese Sachen einfach toll und einmalig. Aber warum Privatklinik ? Ein normalsterblicher mit normalen Geldbeutel wird wahrscheinlich nie in den Genuss zu sowas zu kommen. Wenn er das Pech hat ………

vitus
vitus
Tratscher
3 Tage 7 h

Traurig, dass so etwas die öffentlichen Krankenhäuser nicht berichten können!

wellen
wellen
Universalgelehrter
2 Tage 17 h

Wer kann sich das leisten?

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