Welttag der psychischen Gesundheit

“Psychisch fit sein, hilft gegen Corona”

Samstag, 10. Oktober 2020 | 08:14 Uhr

Bozen – “Psychisch fit sein, hilft gegen Corona”: Das sagen Roger Pycha und Sabine Cagol von Psyhelp Covid 19 anlässlich des Welttages der psychischen Gesundheit.

 

Was uns psychisch gesund hält und krank macht, ist durch die weltweite Corona-Pandemie deutlicher geworden. Durch die medizinische Bedrohung entsteht eine viel größere psychische: die Angst. Sie ist das Gefühl des Überlebens. Wir stammen von den ängstlichen Vorfahren ab, die einen Baum hochgeklettert sind, als es hinter ihnen im Gebüsch raschelte. Die anderen, Mutigen, blieben sitzen und wurden vom Säbelzahntiger zerfleischt oder vom feindlichen Stamm getötet.

Ganz ähnlich fordert die Angst jetzt unsere volle Aufmerksamkeit und beeinflusst unser Verhalten. Sie wegzureden, wird nichts helfen. Erstmals sind wir einem globalisierten Gefühl ausgesetzt, das wir am besten radikal bejahen. Es hilft uns, intelligenter zu kämpfen und früher zu fliehen. Es eint uns auch. Alle Menschen können jetzt, in unterschiedlichem Ausmaß, Angstkranke verstehen. Viele zermürben sich in Zweifeln und Grübeleien, geraten in Erschöpfung. Auch dafür gibt es einen Fachausdruck: Depression. Bei Covid-Kranken tritt sie offenbar dreimal häufiger auf als bei Gesunden. Leicht können wir uns jetzt in Menschen einfühlen, die an ihr leiden. Diese riesige Krise hat große Gefahren geweckt, sie hat uns aber auch empfindsamer gemacht. Einige psychisch Kranke haben das ganz provokant beschrieben: Jetzt ist die ganze Welt in der Lage, in der wir früher als Minderheit waren. Ca jeder zweite bis dritte Mensch leidet in seinem Leben an einer psychischen Störung, es handelt sich also um ein sehr große, laufend wachsende Minderheit.

Was hilft da zu mehr Gesundheit? Der große Soziologe Aaron Antonowsky hat Antworten darauf gesucht, und sie bei den Überlebenden des Holocaust gefunden. Auch noch in unerträglichen Extremsituationen hilft es uns, wenn wir eine Lage überblicken, wenn wir handlungsfähig bleiben und wenn unsere Tätigkeit Sinn stiftet. Übersetzt ins Kleine, nach Südtirol und in den Bereich der psychosozialen Not, heißt das: Das oberste Fachgremium für psychische Gesundheit und die Psychologenkammer sehen vorher, dass ein großer psychologischer und psychiatrischer Hilfebedarf entstehen wird. Man gründet am 5. März das weit gespannte Netzwerk PSYHELP Covid 19, an dem sich 15 Dienste des Gesundheitswesens und ca 20 private Vereinigungen beteiligen. Es gibt den einzelnen Diensten Hinweise, wie sie den Kontakt zu ihren Patienten trotz Lockdowns halten sollen, tritt mit der website „dubistnichtallein“ und verschiedenen Texten mit Verhaltensempfehlungen an die Öffentlichkeit, organisiert die Psychologischen Dienste als Anlaufstellen und Verteiler für Informationsbedürftige und Therapiewillige, staffelt weitere Dienste und Anlaufstellen für den Fall einer Bedarfslawine, und verhandelt mit der Politik und Verwaltung über Teletherapie, Gratisleistungen, psychische Begleitung von Risikogruppen wie Menschen in Quarantäne, Covid-Positiven, schwer Erkrankten, ihren Angehörigen, Mitarbeitern des Gesundheitswesens und der Seniorenheime und Rettungskräften im Einsatz. Das Netzwerk bestimmt selbst sechs zum Teil wechselnde Koordinatoren mit unterschiedlichen Aufgaben, ausgehend von den Notfallpsychologen unter Dr. Erwin Steiner, vernetzt sich mit der Medizinischen und später mit der Sozialen Einsatzleitung, aktiviert sich innerhalb eines Tages als die größte je in Südtirol erlebte Suizidhäufung bekannt wird und kann, auch mit Hilfe gezielter Medienberichte, unmittelbar darauf Entwarnung geben: auf Normalhäufigkeit gesunkene Suizide ( 1 pro Woche ca) in Südtirol.

Der wissenschaftliche Koordinator Dr. Roland Keim realisiert für den Südtiroler Sanitätsbetrieb eine elektronische Befragung der Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die auch an anderen italienischen Kliniken läuft. In einem ähnlichen Projekt werden landesweit chronisch körperlich Kranke hinsichtlich psychischer Folgen der Coronakrise befragt.  Eine weitere Studie zum Zusammenhang von COVID-19 und Psyche wurde gemeinsam mit ASTAT, dem Institut für Allgemeinmedizin und der Eurac realisiert. Erste Ergebnisse sind in den nächsten Tagen zu erwarten. Die Zusammenhänge dieser Ergebnisse sind komplex und bedürfen einer genauen Analyse. Aber jedenfalls entstehen wissenschaftliche Fragen und Antworten, auch in der Krise und gerade durch sie. Das ist Sinnsuche im Interesse der psychischen Gesundheit.

Dass es anderswo nicht anders ist, belegt eine heute publizierte Studie des Anton Proksch-Instituts in Wien. Dort hat Prof. Michael Musalek mit seinem Team erhoben, dass die psychische Belastung der Coronakrise größer ist als die wirtschaftliche. Psyche kommt doch vor Geld.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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19 Kommentare auf "“Psychisch fit sein, hilft gegen Corona”"


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bislhausverstond
bislhausverstond
Grünschnabel
12 Tage 16 h

Psychisch fit sein isch olm guat, obor mit de übertriebenen mossnohmen weards lei letzar. Beispiel: vor net ollzulonger zeit hon i in an dorf a mana mit an ca 3-4 johr oltn kind gekreizt. Des madl hot panik bekemm und ungfongen zu schrein: mama, mama, ausstelln…. do kimp a mensch!!! I bin gonz doschrockn, soviel zur psyche und wos de mossnohmen unrichtn

griastenk
griastenk
Grünschnabel
12 Tage 15 h

Sem sein die Eltern ober a net gonz sauber.
Wia konnschn lei in an kloanen Kind so a Ongst einreden.
Wahnsinn
De solln jo a gesundes Immunsystem aufbauen terfen.
I verstea die Leit nimmer.

bislhausverstond
bislhausverstond
Grünschnabel
12 Tage 13 h

Gonz deiner meinung, obor des startet net la dohuam…die tochter meiner cousine wor olm mitn nochborskind in kindogortn und dohuam banond, iaz lossn sie se in kindogortn nimma zom. Jedn tog pleartse a stund in do fria, weilse ohne die uane nimma gian will und die n8 tutse wiedo in die hose. Iaz musse leido zun psychologn und die mama glei mit….sofl zur wichtigkeit von do gsundheit

Pacha
Pacha
Superredner
12 Tage 18 h

Nein, wir stammen nicht alle von den Ängstlichen ab denn es gibt sie auch heute noch, die sogenannte Kriegerelite. Sie waren es die die Ängstlichen im Baum schützten und gegen den Säbelzahntiger kämpften den es heute nicht mehr gibt. Warum wohl, wer hat gewonnen?

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
12 Tage 17 h

Ich gehöre auch nicht zu der ängstlichen Sorte und ich möchte jedem einzelnen sagen: lasst euch nicht verrückt machen. Wenn einem wieder irgendwelche Nachrichten um die Ohren gehauen werden, selber nachdenken und nicht einfach alles schlucken. So, und nun könnt ihr mir die roten Daumen um die Ohren hauen. 😁

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
12 Tage 16 h

@Waltraud…habe hier aber schon Kommentare von dir gelesen, die einen anderen Schluss zulassen…

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
12 Tage 16 h

@Pacha
Öhh, überleg, grübel. Ich hab´s.
Gewinner waren zunächst die Säbelzahntiger. Die starben aus, nachdem sie sich an der Kriegerelite überfressen haben.
Die Ängstlichen in den Bäumen konnten dann runterkommen, gründeten eine neue Kriegerelite und für den Rest die Kirchen. Diese “neuen Säbelzahntiger” jagten die Ängstlichen auf die Bäume usw. und so fort.

Pacha
Pacha
Superredner
12 Tage 13 h

@Hustinettenbaer……. das Raubtier stirbt aus und die Beute lebt weiter😂🤣Du hast wohl noch nie jahrtausende alte Wand und Höhlenmalerei gesehen, darauf sind nicht nur Wildtiere sondern auch Jagd und Kampfszenen zu sehen vereinzelt auch jene mit dem Säbelzahntiger. Dabei waren es sicher die Ängstlichen die sich den Wildtieren und dem Mammut gestellt haben 😂 Wir alle tragen heute noch die Gene der Starken und Mutigen in uns, der eine mehr und der andere weniger, denn sie waren damals und sind auch heute noch……… 😉

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
12 Tage 13 h

@Ars Vivendi
Ganz bestimmt nicht, wenn es um Corona geht.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
12 Tage 8 h

@Pacha
Ja wenn das mit dem Genmaterial so gut aussieht, dann steht mir der Sinn nach mehr: wo ist der T-Rex ?

Pacha
Pacha
Superredner
12 Tage 4 h

@Hustinettenbaer….. frag da mal besser 🤔 ja frag doch die Klimajünger! 🤓 Nein die wissen es nicht 🙄 egal probiere es trotzdem, aber nur Freitags☝️ 😂

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
12 Tage 16 h

Theoretisch hört sich das Ganze richtig gut an. Nur was sollen Diejenigen machen, die schon vor !!! Corona krank, einsam, arbeitslos, finanziell in Not usw. und damit in einer psychischen Ausnahmesituation waren ??

bislhausverstond
bislhausverstond
Grünschnabel
12 Tage 14 h

Jo de sein orm drun, de leit tian mir wirklich load….und noch corona wearn die zohln va psychisch kronke gewaltig steign, die psychologn weards frein, a sicherer job

Missx
Missx
Kinig
12 Tage 13 h

@a
Ja, jedesmal wenn ich diese deine Situation überdenke, werde ich immmer so dankbar, wie schön ich es doch habe.
Siehst du, du trägst dazu bei, daß es anderen besser geht ☺️

Sag mal
Sag mal
Kinig
12 Tage 17 h

ja ja,schöne Worte.Wie müssen Sich Die fühlen Die Hilfe suchen und 🤨trotzdem allein gelassen werden?!!!!!So dass ganze Familien unsagbares Leid durchmachen!!!

eisern
eisern
Grünschnabel
12 Tage 9 h

Wer psychisch fit ist hat es nicht nötig Andersdenkende zu erniedrigen und kann zuhören. Das fehlt leider vielen Menschen. Eine gute Streitkultur ist sehr wichtig. Toleranz ist es was gesund hält und Frust vermeidet. Uns geht es immer noch sehr gut und oft sind es Luxusprobleme und es geht nicht um Leben oder Tod. Entspannt Euch und haltet zusammen.

Mr.X
Mr.X
Tratscher
12 Tage 8 h

Psychisch fit? Dass i net loch. Wia sollen sell gain wenn WHO, Politik und Konsorten so an Aufstond um des Virus mochen und ins nimmer leben lossen und einschränken wellen?

Guri
Guri
Superredner
11 Tage 22 h

Schweden ist mir und war mir stets ein Vorbild .., Abstand ja , Massen Ansammlung nein ! . ansonsten normal leben und Arbeiten . das war’s eigentlich ,ohne lockdown ohne Psycho Leute verarschen ,ohne Kinder in den Wahnsinn Treiben .

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
11 Tage 10 h

Guri
Sie schreiben mir aus der Seele.

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