Lawinengefahr wird offenbar häufig unterschätzt

135 Tote in Europa durch Lawinen diesen Winter

Dienstag, 07. April 2026 | 09:30 Uhr

Von: APA/dpa

In Europa sind in diesem Winter so viele Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr. Nach einer offiziellen Statistik starben in den Alpen und in anderen europäischen Gebirgen seit Anfang Oktober mindestens 135 Menschen, weil sie unter Schneemassen verschüttet waren. Traditionell hört in vielen europäischen Skigebieten die Saison zu Ostern auf. Auch am Wochenende gab es noch einmal einige Unglücke.

Besonders hart betroffen war in diesem Winter Italien, wo insgesamt 38 Lawinentote gezählt wurden – vor allem in Südtirol. Dort ereignete sich auch das schlimmste Unglück: Beim Aufstieg zur 3.545 Meter hohen Vertainspitze im Ortler-Gebirge wurden Anfang November fünf Bergsteiger von Schneemassen mitgerissen und getötet. Alle fünf kamen aus Bayern.

In Frankreich starben im Lauf der vergangenen Monate 31 Menschen durch Lawinen, in Österreich 30. Zuletzt war hierzulande am Samstag ein vermisster Skitourengeher bei einem großen Sucheinsatz in den Schladminger Tauern im Salzburger Lungau nur noch tot in einer Lawine aufgefunden worden. Im Jänner hatte in Großarl eine Lawine eine Alpenvereinsgruppe getroffen, vier Personen starben.

Fast doppelt so viele Tote wie im Winter 2024/25

In der Schweiz gab es in dieser Saison 15 Tote. Berücksichtigt wurden für diese Auflistung auch Unglücke, die sich außerhalb der Alpen ereigneten: zum Beispiel im Apennin in Italien oder weiter östlich in Europa in den Karpaten.

Zum Vergleich: Im vorigen Winter 2024/25 gab es in Europa insgesamt 70 Lawinentote. Diese Saison waren es also fast doppelt so viele. Zuletzt wurden 2017/18 noch mehr Todesopfer gezählt: insgesamt 147. Die Statistik stammt vom European Avalanche Warning Service (EAWS), einem Zusammenschluss der nationalen Lawinenwarndienste verschiedener Länder.

Experten vermuten Klimawandel als einen der Gründe

Als einer der Gründe für die höhere Zahl an Todesopfern wird von Experten der Klimawandel genannt. Demnach verändern sich die traditionellen saisonalen Rhythmen durch höhere Temperaturen, weshalb der Schnee nicht mehr so fest ist. Zudem verbinden sich Altschnee und Neuschnee nicht mehr so gut. Außerdem gebe es stärkere Winde, so dass sich oft gefährlicher Triebschnee ansammelt, heißt es.

Hinzu kommt, dass Skitouren und Abfahrten außerhalb der präparierten Pisten seit einiger Zeit beliebter werden. Unter den Lawinentoten dieses Jahres waren ungewöhnlich viele Tourengeher. Insbesondere an Steilhängen in hochalpinem Gelände mahnen die Lawinenwarndienste zu großer Vorsicht.

Auch zu Ostern noch einmal mehrere Unglücke

In den meisten europäischen Skigebieten ist die Saison nach dem Osterwochenende vorbei. In höheren Lagen und auf Gletschern ist Skifahren – wie beispielsweise in Sölden – oft aber noch bis Anfang Mai möglich. Einige Gletschergebiete, wie etwa der Hintertuxer Gletscher, ermöglichen Abfahrten auch im Sommer, das Skigebiet hat das ganze Jahr geöffnet.

Dringend empfohlen wird von Bergrettung, Alpenvereinen und anderen Experten, bei Touren in hochalpinem Gelände Schaufel, Sonde und ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) mit sich zu führen und auch beherrschen zu können. Dies kann lebensrettend sein: Wenn eine Lawine zum Stillstand kommt, sind fast alle Verschütteten noch am Leben. Alles Weitere hängt dann davon ab, wie schnell man gefunden wird: Nach 15 Minuten werden 90 Prozent noch lebend gerettet. Danach nimmt die Zahl rapide ab.

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