Von: apa
Mit der Festnahme von 1.024 Verdächtigen und der Identifikation von 2.070 potenziellen Opfern ist eine groß angelegte Aktion gegen Menschenhandel im Juni zu Ende gegangen. Bei der von Österreich und Rumänien geleiteten Operation – EMPACT Joint Action Days Global Chain waren die Behörden in 59 Ländern unterwegs, die potenziellen Opfer stammen aus 45 Ländern. In Österreich wurden 17 Opfer identifiziert, acht Verdächtige festgenommen und zwei weitere ausgeforscht.
Die europäische Polizeiagentur Europol, Interpol und die EU-Grenzschutzagentur Frontex unterstützten und koordinierten das Unternehmen, das von 8. bis 12. Juni über die Bühne ging, so das Bundeskriminalamt (BK) am Montag in einer Aussendung. Das BK koordinierte demnach die österreichweiten Maßnahmen gemeinsam mit den Landeskriminalämtern (LKA).
Dabei gingen die Behörden vor allem gegen Menschenhändler zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Ausbeutung durch Bettelei sowie der Ausbeutung zur Begehung strafbarer Handlungen vor. Folgerichtig kontrollierten sie vor allem Bordelle, Laufhäuser, Studios, Wohnungen, Hotels sowie stark frequentierte öffentliche Plätze. Bei einem Hackathon wurde bereits im Mai versucht, bei Open-Source-Recherchen (OSINT) potenzielle Fälle des Menschenhandels im Internet frühzeitig zu erkennen und daraus operative Ermittlungsansätze für die bevorstehenden Schwerpunktmaßnahmen abzuleiten, erläuterte man im BK.
Identifikation von Plattformen, Tätern und Opfern schon im Vorfeld
Demnach identifizierten die heimischen Ermittler sechs Online-Plattformen mit Verdacht auf menschenhandelsrelevante Aktivitäten, 14 mutmaßliche Tatverdächtige sowie zwölf potenzielle Opfer des Menschenhandels identifiziert werden. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wurden sieben Folgeermittlungen eingeleitet, die in die operativen Maßnahmen der Joint Action Days einflossen.
Teilnehmerländer waren alle Staaten der EU, dazu Länder aus Lateinamerika, Asien und Afrika, darunter insbesondere Nigeria. Auch die Staaten des Westbalkans waren dabei, betonte das Bundeskriminalamt. In Skopje wurde während der Aktion ein internationales Koordinierungszentrum eingerichtet, das den laufenden Informationsaustausch zwischen den beteiligten Staaten sicherstellte. In Österreich wurden die Maßnahmen zusätzlich durch Polizeibedienstete des ungarischen Nationalen Ermittlungsbüros unterstützt.
211 Beamte in Österreich im Einsatz
Hierzulande waren 211 Polizistinnen und Polizisten an der Aktion beteiligt. Sie kontrollierten 947 Personen, 63 Fahrzeuge, 118 Örtlichkeiten sowie 943 Dokumente. Neben den schon erwähnten Resultaten wurden fünf Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Menschenhandels (§ 104a StGB) eingeleitet, fünf weitere Festnahmen aufgrund anderer strafrechtlicher Delikte durchgeführt sowie 68.000 Euro Bargeld, drei Mobiltelefone sowie verschiedene Suchtmittel sichergestellt.
Die Ermittler in Oberösterreich identifizierten ein ungarisches Opfer, das nach Österreich gebracht und in der illegalen Hotelprostitution ausgebeutet worden sein soll. Zwei ungarische Tatverdächtige wurden festgenommen und rund 68.000 Euro an mutmaßlichen Tatgewinnen sichergestellt. Das Opfer wurde umgehend einer Opferschutzeinrichtung übergeben.
Frauen in Tirol mit “Loverboy-Methode” zur Prostitution gezwungen
In Tirol führten Schwerpunktkontrollen zur Aufdeckung mehrerer Verdachtsfälle des Menschenhandels. Unter anderem besteht der Verdacht, dass zwei Frauen aus Rumänien mittels der sogenannten “Loverboy-Methode” zur Prostitution gezwungen und sexuell ausgebeutet wurden. Die Ermittlungen dauern aktuell an. Auch in Salzburg wurde ein mutmaßliches rumänisches Opfer identifiziert, das nach Österreich gebracht und zur Prostitution gezwungen worden sein soll.
“Die gemeinsame Leitung dieser internationalen Schwerpunktaktion durch Österreich und Rumänien unterstreicht die bedeutende Rolle des Bundeskriminalamtes in der europäischen Bekämpfung des Menschenhandels”, sagte BK-Direktor Andreas Holzer. Er wertete das Ergebnis als Resultat einer “vertrauensvollen internationalen Zusammenarbeit und eines raschen Informationsaustauschs” zwischen beteiligten Staaten. “Nur wenn wir unsere Kräfte über Grenzen hinweg bündeln, können wir Täternetzwerke wirksam bekämpfen, Opfer schützen und organisierte Kriminalität nachhaltig zurückdrängen”, betonte Holzer.
Viele Opfer aus lateinamerikanischen Staaten, Moldau und Nepal
Die Mehrheit der von den anderen Staaten identifizierten Opfer kam laut dpa aus Staaten wie Argentinien, Kolumbien, Venezuela sowie der Republik Moldau und Nepal. Viele seien über Grenzen hinweg verschleppt worden, nachdem sie getäuscht, genötigt oder aufgrund ihrer prekären Lage ins Visier genommen worden waren, teilte Interpol mit.
Zu den festgestellten Trends zählten der Menschenhandel mit lateinamerikanischen Opfern zum Zwecke der Zwangsarbeit in Europa, deren Ausbeutung im Rahmen krimineller Aktivitäten in Südostasien sowie Fälle von Menschenhandel zur Zwangsrekrutierung in bewaffneten Konflikten. Etwa zehn Prozent der Opfer waren Minderjährige aus Nord- und Südamerika, die sexueller Ausbeutung ausgesetzt waren.
So nahmen Behörden in Belgien 17 Verdächtige fest, nachdem sie einen Menschenhändlerring zerschlagen hatten, der minderjährige Mädchen über soziale Medien anwarb. Die Verdächtigen sollen die Opfer gefangen gehalten und sie zur Prostitution in Belgien und Frankreich gezwungen haben.




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