Genauer Situationsbericht der Landesforstabteilung

Unwetterschäden: 1,5 Prozent der Waldfläche betroffen

Freitag, 07. Dezember 2018 | 11:35 Uhr

Sturmschäden: Situationsbericht der Landesforstabteilung Verschiedenes –

Bozen – Nun liegt der Landesabteilung Forstwirtschaft eine genauere Analyse des Schadensausmaßes der Unwetterereignisse zwischen dem 27. und dem 30. Oktober vor.
Mit Sturmböen von bis zu 130 Kilometern pro Stunde fegte Sturm “Vaia” Ende Oktober über Europa hinweg und hinterließ ein Bild der Zerstörung.

In Südtirol haben die Naturkräfte in rund 1,5 Prozent der Waldfläche Spuren der Verwüstung hinterlassen. Betroffen waren ausschließlich Fichtenwälder in der montanen und subalpinen Höhenstufe, also Wälder, die sich in ihrem standörtlichen und klimatischen Optimum befinden. Die Abteilung Forstwirtschaft hat nun einen ausführlichen Situationsbericht erarbeitet.

Windwürfe mit Holzmenge in Vorratsfestholzmetern pro Gemeinde. Quelle: Landesabteilung Forstwirtschaft

Rund 1.600 Kilometer beschädigte Straßen und Wege

1625,4 Kilometer Südtiroler Straßen und Wege wurden bei den Unwetter- und Sturmereignissen in Mitleidenschaft gezogen, davon sind 1015,6 Kilometer Forst- und Güterwege, 423,9 Kilometer Staats-, Landes-, Gemeinde- und Privatstraßen, 179,4 Kilometer Wege und Steige und 6,5 Kilometer Rad- und Mountainbike-Wege. 290 Kilometer betroffene Wegabschnitte liegen direkt in den Schadensflächen.

Schäden in Naturschutzgebieten

Sturmschäden sind auch in verschiedenen Naturschutzgebieten zu verzeichnen: In den Naturparken und im Nationalpark Stilfserjoch wurden 808,68 Hektar beschädigt, das entspricht 17,5 Prozent der gesamten Windwurffläche. 7,76 Hektar der Biotope (0,2 Prozent der gesamten Windwurfflächen) waren betroffen, 770,5 Hektar in den Natura-2000-Gebieten (17 Prozent der gesamten Windwurffläche) und 508 Hektar im als Unesco-Welterbe ausgezeichneten Gebiet (elf Prozent der gesamten Windwurffläche).

Zwei Drittel der Sturmholzmengen in sechs Gemeinden

Die Schätzung der bei den Unwettern angefallenen Schadholzmengen wurde von den Forstinspektoraten erarbeitet, berichtet der Direktor der Abteilung Forstwirtschaft Mario Broll: In ganz Südtirol wird eine Sturmholzmenge von rund 1,5 Millionen Vorratsfestmetern (Vfm) geschätzt, wobei sich rund zwei Drittel auf sechs Gemeinden verteilen: In Welschnofen sind es 361.000 Vorratsfestmeter, in Deutschnofen 270.000, in Aldein 194.000, in Tiers 72.000, in Enneberg 60.000 und in Kastelruth 40.000 Vorratsfestmeter.

Unter den Gemeinden mit kleineren Schäden findet sich Olang (im Bild Brunst) mit 12.000 Vorratsfestholzmetern Sturmholz. Foto: LPA/Landesabteilung Forstwirtschaft

Sturmholz, auch Windwurf oder Windbruch genannt, bezeichnet die aufgrund von starken Stürmen entwurzelten oder geknickten Bäume. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse, also ohne Zwischenräume in der Schichtung; ein  Vorratsfestmeter (Vfm) wird am stehenden Baum mit Rinde gemessen.

74 Prozent der Gemeinden betroffen

Insgesamt wurden in 86 der 116 – also in nicht ganz drei Viertel – Südtiroler Gemeinden Windwurfereignisse verzeichnet, auf einer Gesamtfläche von rund 5000 Hektar. Für manche Gebiete ist der Verlust an Hiebsatz außerordentlich groß: Im Latemargebiet wurde mit einem Schlag jene Menge an Bäume umgerissen, die einem Hiebsatz von 16 Jahren entspricht. Die Gesamtmenge an Windwurfholz entspricht 1,3 Prozent des gesamten Holzvorrates in Südtirol oder dem zweijährigen landesweiten Hiebsatz. Der Hiebsatz gibt die flächenbezogene nachhaltige jährliche einschlagbare Holzmenge an.

Wälder in Privatbesitz am meisten geschädigt

Die Anzahl der betroffenen Waldeigentümer ist noch als provisorisch zu betrachten, unterstreicht Landesforstdirektor Broll, die genauere Ermittlung wird erst möglich, sobald die Analysen anhand der Satellitenbilder zur Verfügung stehen, dann können auch die Streuschäden genauer berücksichtigt werden.

Anteilsmäßig am meisten betroffen sind nach derzeitigem Stand mit 61,63 Prozent die Wälder im Besitz von Privaten (58,15 Prozent), Interessentschaften (2,2, Prozent) und der Kirche (1,19 Prozent); die Schäden in öffentlichen Körperschaften mit Gemeinden (18,41 Prozent), Eigenverwaltung Bürgerlicher Nutzungsrechte EBNR (14,73 Prozent) und Domäne (1,52 Prozent) machen 34,66 Prozent aus.

Besonderes Augenmerk auf Schutzwaldflächen

Die Bewertung und Prioritätenreihung von forstlichen Schutzmaßnahmen – hauptsächlich in den Objektschutzwäldern – wird laufend mit den Schadenserhebungen parallel durchgeführt, erläutert Broll: Besonderes Augenmerk wird dabei auf jene Schutzwaldflächen gelegt, in denen die Notwendigkeit von technischen Schutzmaßnahmen besteht, auch in Verbindung mit Aufforstung.

Von der 201.000 Hektar umfassenden Waldfläche mit vorwiegender Schutzfunktion wurden an die 2000 Hektar (1,2 Prozent) durch die Windwürfe beschädigt. Erste Schutzmaßnahmen durch die Waldeigentümer werden von der Forstbehörde als Vorschriften in den Auszeigeprotokollen festgelegt oder vor Ort vereinbart.

Forstgärten: Mehrbedarf an zwei Millionen Forstpflanzen

Die Forstgärten des Landesforstdienstes haben sich umgehend auf die neuen Anforderungen eingestellt. Die Zapfengewinnung von Fichte und Lärche ist in vollem Gange; die Versorgung mit Saatgut dieser beiden Hauptbaumarten sowie für Tanne und Zirbe ist sichergestellt. Die Forstgärten organisieren sich, um in den nächsten Jahren möglichst viel Pflanzenmaterial  der verschiedenen Herkünfte  aus den Schadensgebieten zur Verfügung zu stellen, der geschätzte Mehrbedarf beträgt zwei Millionen Stück Forstpflanzen in den nächsten zwei bis sieben Jahren.

Die Schutzwaldprojekte werden in den nächsten Jahren prioritär beliefert; das Pflanzenmaterial für erste Schutzwaldprojekte im kommenden Jahr steht zur Verfügung, Pflanzmaterial für Grünverbauungen bei Hangrutschungen ist ebenfalls vorhanden. Ab dem kommenden Jahr werden die Forstpflanzen je nach Bedarf und nach einem Zeitplan der Aufforstungsarbeiten verstärkt produziert.

Genaueste Datenerhebung

Nach der ersten Schätzung der Windwurfflächen werden vom Amt für Forstplanung mit mehreren Datenquellen detailliertere Informationen ausgearbeitet: Über die digitalisierten Flächen der Forstinspektorate und Forststationen, mittels Satellitenbildern und durch Fotos bei Hubschrauberflügen der Agentur für Bevölkerungsschutz werden Erfassung und Auswertung laufend verbessert und verfeinert.

Satellitenaufnahmen (im Bild Zwischenwasser im Gadertal) ermöglichen eine genaue Analyse der Situation in den sturmgeschädigten Wäldern. Foto: LPA/Freie Universität Bozen

Brutstätten für Borkenkäfer

Dadurch können auch kleine Streuschäden erfasst werden, was für die Borkenkäferüberwachung von größter Wichtigkeit ist. Durch Windwurf geschwächte Nadelbäume können zur Brutstätte für Borkenkäfer werden, die zu den gefährlichsten Schädlingen in der Forstwirtschaft zählen: sie bohren sich in die Rinden und verursachen somit eine erhebliche Wertminderung des Holzes.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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15 Kommentare auf "Unwetterschäden: 1,5 Prozent der Waldfläche betroffen"


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oli.
oli.
Universalgelehrter
6 Tage 3 h

Und viel Wald und Wiesenfläche sind durch Sport wie Ski , Bike etc. kaputt jedes Jahr ???

Aber für Touristen wird alles gemacht.

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
6 Tage 45 Min

👏👏👏

diamant
diamant
Grünschnabel
5 Tage 22 h

……….Schäden, Schäden, Schäden. Was sind eigentlich Schäden? erstens kann man das “umgefallene” Holz für Geld verkaufen, und zweitens wächst alles bestimmt neu nach. Wo ist hier der SCHADEN?

Alf-A.Romeo
Alf-A.Romeo
Grünschnabel
5 Tage 21 h

Wenn bei Ihnen der Sturm das Dach abdeckt, dann haben Sie einen
DACHSCHADEN.

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 19 h

@Alf-A.Romeo
und die dachplatten kann man vieleicht noch ein paar verkaufen, wo ist da der schaden😀👍

diamant
diamant
Grünschnabel
5 Tage 10 h

@typisch Bäume wachsen KOSTENLOS nach, mein Dach NICHT – das ist der Unterschied………………

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Grünschnabel
5 Tage 10 h

Sicher, du verstehst nichts von Waldwirtschaft, das ist klar.
Ich verstehe auch nicht alles. Soviel für eine Schätzung. In einem einzigen Hektar Wald sind bei diesem Totalschaden ca.400 Kubikmeter Holz am Boden. Davon kann man 30% als Bruchholz zum Brennholz dazurechnen.
Ausgangsmenge minus Bruch ist 280 Kubikmeter. Diese Menge ist höchstens 60 Euro pro Kubik noch wert, das macht 16.800 Euro.
Der Wert vor dem Sturm war ca.40.000 Euro.

Nun ist aber schnell alles abzuräumen und so machen die Kosten 30-40 Euro aus. Es bleibt ein Gesamterlös von 5.600 bis 8.400 Euro.
Und die Flächen bleiben jetzt für Generationen ohne Ertrag.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Grünschnabel
5 Tage 10 h

Eine einfachere Erklärung für einen Schaden auf einer Anlage wie den Wald:
Du hast zum Beispiel eine Mietwohnung als Anlage. Aber Du darfst keine Mieten dafür kassieren für viele Jahre. So ähnlich ist es jetzt für die Waldbesitzer.

diamant
diamant
Grünschnabel
5 Tage 3 h

@neidhassmissgunst : ist es dann ein SCHADEN wenn du 8.000 Euro an Erlösen hast, und der Wald GRATIS nachwächst?

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 2 h

@diamant
aber wenn das abholzen kosyet als das holz wert ist?

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
6 Tage 42 Min

der nächste Sturm kommt bestimmt bald wieder, denn jammern kann der homo sapiens gut aber beim Klimaschutz ist er wohl Klassenletzter! Da sind ihm alle andere Spezies weit voraus.

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 19 h

spezies wie mammut oder dinosaurier?

silas1100101
silas1100101
Superredner
5 Tage 20 h

Ist es den Bäumen nicht langweilig den ganzen Tag am gleichen Ort zu stehen?? Mir wäre das zu langweilig!!

typisch
typisch
Universalgelehrter
5 Tage 19 h

was sollen sie sonst tun wenn sie keine arbeit haben?

Jefe
Jefe
Tratscher
5 Tage 12 h

Dieser Sommer war eindeutig zu trocken……mir gehen 5000 € an Pilzegeld ab……das ich nicht verdient habe…..aber ich werde jetzt um einen Beitrag anfragen

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