Erneuter Paukenschlag

Vierjähriger ertrinkt im Schwimmbad: Prozess gegen Eltern gestoppt

Mittwoch, 11. Januar 2023 | 09:15 Uhr

Bozen – Vor drei Jahren ist ein Vierjähriger im Lido in Bozen ertrunken. Nachdem sich für die Eltern die Eröffnung eines Hauptverfahrens abgezeichnet hat, gibt es nun einen weiteren Paukenschlag: Die Anklagerhebung wegen Fahrlässigkeit wurde aufgrund eines Verfahrensfehlers gestoppt. Nur die Vorwürfe gegen die anderen Beteiligten bleiben aufrecht, schreibt die italienische Zeitung Alto Adige.

Das Kind war in ein Becken gestürzt, das aufgrund der Corona-Pandemie abgesperrt war. Der Körper des Jungen trieb regungslos auf den Grund des Beckens. Die Eltern hatten nur wenige Minuten zuvor den Bub kurzzeitig aus den Augen verloren.

Die Akte, die die Eltern betrifft, landet nun wieder beim stellvertretenden Staatsanwalt, der sich mit dem Fall befasst. Die Verteidigung der Eltern hatte darauf aufmerksam gemacht, dass Vater und Mutter des Kindes vor der eventuellen Eröffnung eines Hauptverfahrens vom Richter angehört werden müssen. Dies ist jedoch noch nicht geschehen. Die Verteidigung sah damit die Rechte ihrer Mandanten verletzt. Dies hat den Richter dazu veranlasst, die Untersuchung von vorne starten zu lassen.

In der Vergangenheit hatte die Staatsanwaltschaft selbst bereits zweimal einen Antrag auf Archivierung gestellt und kein strafrechtlich relevantes Verhalten bei den Eltern erkannt – auch keine Fahrlässigkeit. Der Ermittlungsrichter sah die Situation jedoch anders und bestand auf einer Anklageerhebung wegen Unaufmerksamkeit.

Anwalt Marco Ferretti, der die Verteidigung der Eltern übernommen hatte, verwies zwar auf einen analogen Fall, der sich Jahre zuvor ereignete hatte: Laut einem Urteil des Kassationsgerichts werde demnach die Kette der Verantwortung dann unterbrochen, sobald eine Person ein Schwimmbad betrete. In diesem Augenblick übertrage sich die Verantwortung gänzlich auf den Betreiber der Anlage.

Doch der Ermittlungsrichter von Bozen war von dieser Argumentation jedoch nicht überzeugt. Insgesamt sind nach dem tragischen Vorfall fünf Personen ins Visier der Staatsanwaltschaft gerückt – darunter drei Angestellte der Gemeinde. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

5 Kommentare auf "Vierjähriger ertrinkt im Schwimmbad: Prozess gegen Eltern gestoppt"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
el_tirolos
el_tirolos
Superredner
17 Tage 4 h

Sell hoast wenn i ins Schwimmbad gea honn i koa voontwortung mear 🤔 sem konni olm is schwimmbod voklogn?

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
17 Tage 38 Min

Typisch italienisches Rechtssystem: für sich ist der Einzelne fast nie verantwortlich, für die anderen jedoch fast immer. So erzieht man eine ganze Gesellschaft zum Verlust des Hausverstandes und zur ständigen Such nach der Schuld bei Dritten. Total daneben sag ich.

Bissgure
Bissgure
Tratscher
17 Tage 1 h

is geld nutzt dir gor nix mehr , wenns kind nimma leb 😭 kluankindo sollat man nebn odo im wosso nia alluan lossn !!

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
17 Tage 1 h

Art. (…)

verwies zwar auf einen analogen Fall, der sich Jahre zuvor ereignete hatte: Laut einem Urteil des Kassationsgerichts werde demnach die Kette der Verantwortung dann unterbrochen, sobald eine Person ein Schwimmbad betrete. 

        In diesem Augenblick übertrage sich die Verantwortung gänzlich auf den Betreiber der Anlage.      OHNE worte! 

Wunder
Wunder
Superredner
16 Tage 15 h

Wenn Eltern ihr Kind verlieren, sind sie genug gestraft…

wpDiscuz