Von: mk
Bozen – Obdachlosigkeit beginnt oft mit einem Bruch im Leben, mit einer Kündigung, einer Trennung, einer Krankheit. Was dann sofort fehlt, ist Wärme und ein sicherer Ort für die Nacht. Genau da setzt die Unterstützung der Casa Costa Foundation ETS für den Verein Dormizil EO an: Michil Costa und Fabio Bertocchi besuchten den Verein am Hauptsitz, dem „Dormizil Ulli Lerchbaumer“ in der Rittner Straße am Sontag, 8. März und übergaben zwölf Wärmepakete im Wert von insgesamt 6.600 Euro für das Nachtquarter in der Vintlerstraße 9 in Bozen.
Mit dieser Unterstützung sind im Nachtquartier in der Vintlerstraße 9 die Heizkosten und Müllgebühren für ein Jahr gesichert, ebenso Strom und die Reinigung der Bettwäsche. Für den Verein Dormizil EO bedeutet das Planungssicherheit für einen zentralen Teil seiner Winterarbeit. Das angemietete Nachtquartier in der Vintlerstraße 9 in Bozen ist seit 17. Oktober 2025 geöffnet und bleibt bis 13. April 2026 in Betrieb. 25 Betten stehen für obdachlose Menschen bereit; derzeit übernachten fünf Frauen und 20 Männer dort. 120 Freiwillige tragen den Betrieb: Jede Nacht leisten zwei Personen Dienst, am Morgen übernehmen zwei weitere den Frühstücksdienst. Von 19 Uhr abends bis 8.30 Uhr in der Früh begleiten sie die Gäste, sorgen für Einlass und Gespräche auf Augenhöhe und bereiten ein Frühstück vor.
Insgesamt haben in diesem Winter bisher 35 Menschen das Angebot des Vereins im Nachtquartier genutzt, einige durchgehend, andere vorübergehend. Die Mehrheit der untergebrachten Gäste besitzt die italienische Staatsbürgerschaft, viele sind in Südtirol aufgewachsen, andere kommen aus Europa, Afrika und Asien, darunter Ungarn, Rumänien, Polen, Tunesien, Marokko, Algerien, Kamerun, Nigeria, Indien und Afghanistan.
Die Verbindung zur Casa Costa Foundation reicht über die Spende von 6.600 Euro hinaus: Der Küchenchef des mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants La Stüa de Michil, Simone Cantafio, hat bereits zweimal für die Gäste des Nachtquartiers gekocht. Fabio Bertocchi brachte die frisch zubereiteten Gerichte nach Bozen, was bei den Gästen auf große Resonanz stieß. Beim Besuch am Sonntag, 8. März machten sich Michil Costa und Fabio Bertocchi ein Bild vom Dormizil „Ulli Lerchbaumer“ in der Rittner Straße 25, dem Hauptsitz des Vereins. Unter dem Dach des Hauses (im Herbst 2025 eröffnet) arbeiten vier Dienste: dormiHOME mit acht Kleinwohnungen zur Miete nach dem Prinzip „Housing First“, dormiTIME mit fünf kurzfristigen Schlafplätzen für Menschen in einer Übergangsphase, dormiWASH mit Duschen und Waschmaschinen für obdachlose Menschen, die weiterhin auf der Straße leben, sowie dormiHUB als offener Raum für Begegnung, Veranstaltungen und Austausch, den Interessierte gegen eine Spende nutzen können. Derzeit leben sechs Männer und zwei Frauen im Haus.
Für die Casa Costa Foundation ETS ist dieses Engagement Teil ihres Verständnisses von Gastfreundschaft. Die Gruppe Casa Costa 1956 betreibt selbst Beherbergungsbetriebe und weiß, was es bedeutet, Menschen einen Platz zum Ankommen zu bieten. Aus dieser Erfahrung heraus möchte die Stiftung Menschen unterstützen, die derzeit keinen eigenen Schlafplatz haben. Michil Costa und Fabio Bertocchi betonten, dass es dabei nicht um Wohltätigkeit gehe, sondern um Respekt und Verantwortung gegenüber Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Wer täglich Gäste aufnehme, sagten sie, könne die Frage nach einem sicheren Platz zum Schlafen nicht nur touristisch sehen, sondern als tiefe Begegnung mit dem anderen Menschen.
Beim Rundgang durch das Haus tauschten sich Michil Costa und Fabio Bertocchi mit Paul Tschigg und Maria Lobis vom Vorstand über die Arbeit des Vereins Dormizil EO und über die Lebenssituationen der Menschen aus, die hier Unterkunft, Unterstützung und neue Stabilität finden. Die Vereinsverantwortlichen erklärten, dass der Weg in die Obdachlosigkeit oft nur ein kleiner Schritt sei. Hohe Mieten, fehlender Wohnraum, Jobverlust, Schulden, Trennung, Streit in der Familie und psychische Probleme treiben Menschen auf die Straße. Krankheit, Sucht und Probleme mit der Justiz verschärfen die Situation. Auch in Südtirol nimmt Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu, sie wird jünger und weiblicher. Das Leben auf der Straße ist gefährlich; die Menschen sind Gewalt ausgesetzt, erfahren Kälte und Ausgrenzung. Sie vereinsamen, finden keine Arbeit, erkranken und verursachen im Gesundheitswesen oft hohe Kosten. Günstiger Wohnraum nach dem Prinzip „Housing first“ rettet Leben und spart Geld. Die Vereinsmitglieder danken Michil Costa, Fabio Bertocchi und der „Casa Costa Foundation” für die Großzügigkeit und den Besuch.




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