Erschütternder Tatsachenbericht eines Apothekers – VIDEO

“42 Anfragen für Sauerstoff und keine Flasche mehr”

Donnerstag, 26. März 2020 | 08:06 Uhr

Alzano Lombardo – In einem dramatischen Interview via Skype schildert der Inhaber der Apotheke „San Martino“ von Alzano Lombardo, Andrea Raciti, gegenüber dem „Corriere della Sera“ die dramatischen Anfänge der Coronavirusepidemie im zu trauriger Berühmtheit gelangten Infektionsherd in der Val Seriana. Dabei wird auch verständlich, welche Fehleinschätzungen und Nachlässigkeiten bei Beginn der Epidemie begangen wurden. „Sie hielten mich für verrückt, heute weinen wir heimlich“, so das traurige Fazit von Andrea Raciti.

ALZANO LOMBARDOLate in the afternoon, there is no one around. Only the employees of funeral parlours, with their…

Pubblicato da Francesca Borri su Mercoledì 11 marzo 2020

Die Apotheke „San Martino“ von Alzano Lombardo befindet sich genau vor jenem Bezirkskrankenhaus, in dem am vergangenen 23. Februar die ersten zwei Coronavirusfälle entdeckt wurden. Trotz der beiden Covid-19-positiv getesteten Personen wurden keine entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und das Krankenhaus wenige Stunden nach seiner vorläufigen Schließung wiedereröffnet. Ständig offen hingegen blieb die Apotheke von Andrea Raciti. Die Apotheke wurde von Patienten, die über hohes Fieber und Bindehautentzündung klagten und eigentlich die Notaufnahme aufsuchen wollten, regelrecht überrannt. „Sie kamen alle aus Nembro, dem Infektionsherd des Virus, und waren rund 40 Leute. Wir sind die Einzigen gewesen, die sich schon damals mit Handschuhen und Gesichtsmasken geschützt haben, was uns vermutlich vor der Ansteckung gerettet hat“, erinnert sich Andrea Raciti.

In den folgenden Tagen passierte nichts, was zur Eindämmung der Epidemie beigetragen hätte. Heute gehört Alzano Lombardo zu jenen Gemeinden der Lombardei, in denen die meisten Coronavirus-Toten verzeichnet wurden. Besonders dramatisch wird die Schilderung des 45-jährigen Apothekers, als er die schlimmste Nacht seiner langjährigen Berufslaufbahn beschreibt. Am Sonntag, den 8.März hatte er Nachtdienst. Von 19.00 Uhr am Abend bis 9.00 Uhr am nächsten Morgen erhielt Andrea Raciti insgesamt 42 Anfragen für Sauerstoff, von denen er aufgrund des Fehlens der lebensrettenden Sauerstoffflaschen keine erfüllen konnte. „Ich bekam 42 Anfragen für Sauerstoff und hatte keine einzige Flasche mehr. Mit Worten „wie soll ich mit meinem Mann, meinem Opa, meinem Vater tun, …bitte hilf mir“ flehten sie mich an, aber ich wusste nicht mehr, was ich ihnen antworten sollte. Ich hatte keine Möglichkeit, ihnen zu helfen. Wahrscheinlich sind diese Menschen alle gestorben“, so ein zutiefst bedrückter Andrea Raciti.

Andrea Raciti erinnert sich auch daran, dass viele ihn im Dorf für verrückt hielten, weil er als einer der ersten auf weiter Flur in seiner Apotheke die Benutzung von Handschuhen, Gesichtsmasken und eine strikte Zugangskontrolle durchgesetzt hatte. Aber ganz besonders ärgerlich findet der Apotheker das Verhalten vieler Menschen, die in einer Zeit, als in der Lombardei bereits die ersten 40 Corona-Toten zu beklagen waren, weiterhin ihren Freizeitaktivitäten nachgingen. Aber – so Andrea Raciti – konnte man ihnen das kaum übel nehmen, weil selbst noch wenige Tage vor der endgültigen „Schließung“ der Lombardei am 8. März kein Geringerer als der Bürgermeister von Bergamo, die Familien dazu einlud, das Stadtzentrum zu besuchen, um mit ihrem Geld die Wirtschaft zu unterstützen.

Heute – fügt der 45-Jährige hinzu – sind die Apotheken zusammen mit den Tabaktrafiken und den Supermärkten die einzigen Betriebe, die für ihre Kunden noch geöffnet halten dürfen. Zugleich besitzen die Apotheken, die seit der Schließung vieler Hausarztpraxen und ärztlicher Bereitschaftsdienste für die Patienten heute im Kampf gegen die Coronavirusepidemie an vorderster Front stehen, nur über unzureichende Mittel, diese Aufgabe auch zu erfüllen.

APA/APA (AFP)/PIERO CRUCIATTI

Zuletzt senkt sich der Blick von Andrea Raciti. Dann spricht er über seine Tochter, die er derzeit nur mehr über WhatsApp sieht, und über die nicht geringe Anzahl von Apothekerkollegen, die dem Coronavirus bereits zum Opfer gefallen sind. „Dort, wo ich arbeite, weinen wir alle heimlich. Um die Moral hochzuhalten, versuchen wir, uns nicht gegenseitig dabei zu ertappen. Aber die Lage ist wirklich schwierig und die Leute haben noch immer nicht verstanden, dass sie zu Hause bleiben müssen“, abschließend ein nachdenklicher Andrea Raciti.

 

Von: ka

Kommentare
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Dolomiticus
Dolomiticus
Superredner
2 Monate 2 Tage

Auf dem Werbefoto der Farmacia San Martino im Titel sieht man aber keine Dramatik!

Bachlarzoettl
2 Monate 2 Tage

Dir fehlt auch di Empathie? Das hat mit sorgenlosen Lächeln nichts zu tun.

Dolomiticus
Dolomiticus
Superredner
2 Monate 2 Tage

@Bachlerzoettl kann schon sein. Es muss ja nicht jeder eine Sympathiebombe sein… 🙂

Tanne
Tanne
Superredner
2 Monate 2 Tage
Es wurden Gravierende Fehler gemacht. Das haben viele, sehr viele mit dem Leben bezahlt. Einfach nur traurig. Adere Länder könnten daraus lernen, aber wie es aussieht machen sie auch die selben Fehler. Italien ist leider kein Vorzeigestaat ,auch wenn der Eindruck so vermittelt wird, mit Bilder und Videos von Singenden Menschen von Balkonen. Der Himmel über Italien grün, weis .rot gefärbt wird von den Kampffliegern, oder sonstigen Nationalistischen Getue. Stilles Gebet zu Gott, Nachbarschaftshilfe, Gute Medizinische Versorgung, ausreichend Hilfe für alle, die Nötige Ausrüstung für die Helfenden und vieles mehr, das sind Dinge die funktionieren müssen, und wenn das alles… Weiterlesen »
falschauer
2 Monate 2 Tage
jener, welcher als erster mit einem unvorhersehbaren ereignis konfrontiert wird, macht fehler….die nächsten hätten die möglichkeit gehabt daraus zu lernen und was tun sie… in deutschland wird herumdiskutiert wie, wann, was und wo zu tun wäre, mittlerweilen haben sie auch über 45.000 obwohl sie italien um 2 wochen hinterher hinken, dasselbe gilt für GREAT britanien mit ihren superschlauen boris, erst wollte er gar nicht unternehmen und nun, was nun…???..idem für we make america GREAT again, zum 🤮 dieser donald der dient seinem land mit seinen fakes ganz gewiss nicht und bevor er überhaupt maßnahmen getroffen hat, spricht er bereits darüber… Weiterlesen »
Cri
Cri
Tratscher
2 Monate 2 Tage

Hallo @Tanne ,dann solltet ihr Schützen doch bitte Vorbild sein;nationalistisches Getue sieht man vorwiegend bei euch,Nachbarschaftshilfe weniger.Danke

Jefe
Jefe
Superredner
2 Monate 2 Tage

@falschauer
genau….und die Amis müssen jetzt schon Müllabfuhrsäcke als Schürzen nehmen…aber zuerst blöd gelacht…make amerca great again….mit Müllabfuhrsäcke

Sag mal
Sag mal
Kinig
2 Monate 2 Tage

man darf ja nichts sagen weil dann die Meisten tiefbeleidigt Sind.So denk ich mir meinen Teil und bin überzeugt zu wissen woran Das Alles kiegt🙄🙄🙄

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
2 Monate 2 Tage

Es werden die Chemtrails sein…

Mistermah
Mistermah
Kinig
2 Monate 2 Tage

@faltenchecker
Was sind chemtrails? Erkläre es bitte. Ich denke das überfordert dich aber!

Zugspitze947
Zugspitze947
Universalgelehrter
2 Monate 2 Tage

Ist das denn die Möglichkeit ? Sauerstoff Flaschen ist doch das normalste und ganz schnell hergestellt ? Wo sind da die Lieferanten ? Echt traurig 🙁

Sekklhuiba
Sekklhuiba
Grünschnabel
2 Monate 2 Tage

Do isch nima zi lochn !!!!!

Anderrrr
Anderrrr
Superredner
2 Monate 2 Tage

Wahnsinn sette situationen

hefe
hefe
Superredner
2 Monate 2 Tage

Wird auch bei uns hier so werden…… Sind genug Leute noch im Giro und meinen sind immun und alles ist überzogen

Sag mal
Sag mal
Kinig
2 Monate 2 Tage

liegt.

wouxune
wouxune
Superredner
2 Monate 2 Tage

Und sowas nennt Ihr gut vorbereitet??🤦‍♂️🤦‍♂️🤦‍♂️ Zum Schame !!!!

Diezuagroaste
Diezuagroaste
Tratscher
2 Monate 2 Tage

Das kommt davon, wenn Alle einfach die Arbeit hinlegen und daheim bleiben. Sauerstoffflschen sind keine Hexerei, die  kann man leicht befüllen. Aber es braucht Menschen welche das machen.
Jetzt kommen halt die Seiten der Länder zum Vorschein, über die man nicht so offen spricht, jede Mentalität hat ihre Sonnen- und Schattenseiten.
Ängstlich plärren und panisch herumschreien hat noch nie geholfen, sortiertes Überlegen und mit Plan organisieren hingegen hilft, wie man mittlerweile sieht.

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