Mehr als sechs Infizierte

Coronavirus: Fälle in Italien könnten bald steigen

Freitag, 21. Februar 2020 | 18:59 Uhr

Rom – Sechs Menschen sind der Lombardei mit dem Coronavirus infiziert worden – und es wurden zwei neue Fälle in Italien registriert, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Dabei handelt es sich um zwei Personen aus dem Veneto. Die beiden sind bereits in einem Krankenhaus isoliert worden. Nachdem ein erster Test positiv ausgefallen war, wurden sie einem zweiten unterzogen. Die Ergebnisse sind noch ausständig.

Der Gesundheitszustand der sechs Infizierten aus der Lombardei ist unterdessen kritisch. Dies erklärte der Präsident der Lombardei, Attilio Fontana. Bei den Betroffenen handelt es sich um Erwachsene im Alter von rund 40 Jahren.

Ein 38-Jähriger aus Lodi, der bei der britisch-holländischen Firma Unilever angestellt ist, befindet sich auf der Intensivstation des Krankenhauses in Codogno in der Nähe von Mailand. Sein Zustand hat sich leicht gebessert, nachdem er am Donnerstag in der Notaufnahme aufgetaucht war.

Er hatte sich bei einem Arbeitskollegen angesteckt, der Ende Jänner von einer Chinareise zurückgekehrt war. Der 38-Jährige selbst hat dann seine hochschwangere Frau und einen Freund angesteckt, mit dem er Sport betrieben hat. Der Bekannte hat sich darauf mit den Symptomen einer Lungenentzündung in der Notaufnahme gemeldet. Auch die Ehefrau des 38-Jährigen befindet sich im Krankenhaus.

Auch die drei anderen Personen sind mit Symptomen einer Lungenentzündung im Krankenhaus von Codogno eingeliefert worden.

Der Arbeitskollege des 38-Jährigen, der sich in China aufgehalten hatte, wurde hingegen in ein Spital in Mailand untergebracht. Sein Test auf das Virus fiel allerdings negativ aus.

Einer der drei weiteren Betroffenen ist der Betreiber einer Bar in Codogno. Sein Sohn soll mit dem 38-Jährigen „Calcetto“ (Tischfußball) gespielt haben.

Auch der Hausarzt des 38-Jährigen ist mittlerweile mit Symptomen einer Lungenentzündung in ein Krankenhaus in Mailand eingeliefert worden. Laut dem Virologen Giorgio Palù von der Universität von Padua ist es durchaus möglich, dass ein erster Test negativ ausfällt, obwohl man vom Coronavirus befallen wurde.

In Piacenza wurde eine weitere Arbeitskollegin des 38-Jährigen mit Sympotmen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert.

Ministerpräsident Giuseppe Conte hat unterdessen angekündigt, dass die Maßnahmen gegen das Coronavirus verschärft werden. Personen, die mit Infizierten in Kontakt gekommen sind, wurden unter Quarantäne gestellt. Derzeit handelt es sich um rund 250 Betroffene. 149 sind es allein im Fall des 38-Jährigen – darunter auch Ärzte, Krankenpfleger, Angehörige und Arbeitskollegen.

Der lombardische Gesundheitsassessor Giulio Gallera hat die Bürger von Castiglione d’Adda, Codogno und Casalpusterlengo aufgerufen vorsichtshalber zu Hause „unter freiwilliger Quarantäne“ zu bleiben. Auch die übrigen Ärzte und Krankenpfleger im Krankenhaus von Codogno werden Tests unterzogen.

In Codogno hat der Bürgermeister per Anordnung außerdem Schulen, Lebensmittelgeschäfte, öffentliche Lokale und Versammlungsorte wie Sportplätze oder Spielhallen bis Sonntag geschlossen. In Castiglione d’Adda, wo die Eltern eines Infizierten leben, wurden Faschingsfeierlichkeiten und Sportveranstaltungen abgesagt. Auch dort blieben die Schulen geschlossen.

Von: mk