Guido Crosetto möchte Fachkräfte als Armeefreiwillige anwerben – VIDEO

„Die ‚Naja‘ kehrt zurück, soll aber freiwillig bleiben“

Samstag, 29. November 2025 | 08:00 Uhr

Von: ka

Rom – Wie Deutschland und Frankreich, die ihre Armeen aufgrund neuer Bedrohungslagen erweitern wollen und zu diesem Zweck verschiedene Formen der „freiwilligen Wehrpflicht“ eingeführt haben, denkt auch Rom seit geraumer Zeit intensiv darüber nach, wie die italienischen Streitkräfte vergrößert werden könnten.

Facebook/Esercito Italiano

Nun ist die Katze aus dem Sack. Verteidigungsminister Guido Crosetto hat einen Plan vorgelegt, der vorsieht, die italienische Armee mit 40.000 Freiwilligen verschiedener Herkunft und Zweckbindung zu ergänzen. Dabei hat Crosetto insbesondere verschiedene Berufsgruppen wie Militärangehörige und Mediziner im Ruhestand, aber auch ehemalige Wachleute oder andere Experten mit aus militärischer Sicht besonderen Fachkenntnissen im Blick. Der Verteidigungsminister beteuert, dass die klassische „Naja” nicht mehr zurückkehren soll. Ob in dieser Hinsicht das letzte Wort gesprochen ist, steht jedoch in den Sternen.

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Viele „reifere” Südtiroler erinnern sich noch an die „Naja” – ihren Wehrdienst in der italienischen Armee, meistens bei den Gebirgstruppen, den Alpini. In Südtirol freute man sich sehr, als Italien beschloss, die Wehrpflicht zum 1. Januar 2005 auszusetzen. Das bedeutet, dass junge Männer, die ab 1986 geboren wurden, in Friedenszeiten nicht mehr wehrpflichtig sind. Aber Achtung: Die Wehrpflicht wurde nicht formell abgeschafft, sondern „nur” ausgesetzt. Das heißt, sie könnte im Falle einer schweren Krise oder eines Krieges mit einem formellen Gesetz wieder in Kraft gesetzt werden.

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„Niemand denkt daran, die alte Wehrpflicht wieder einzuführen. Könnt ihr euch wirklich unerfahrene junge Leute vorstellen, die mit den hochmodernen Waffen von heute umgehen müssen? Allein schon, wenn wir von Drohnen sprechen“, beteuert Verteidigungsminister Guido Crosetto und macht damit deutlich, dass er nicht den Wehrdienst alter Schule im Sinn hat.

Facebook/Ministero della Difesa/Guido Crosetto

Vielmehr könnte ein Vorschlag von Crosetto, den dieser bereits in den vergangenen Jahren unterbreitet hatte, nun Wirklichkeit werden. Der Minister brachte ihn am Donnerstag, dem 27. November, erneut vor. Er sieht vor, sich an den Entwicklungen in Frankreich und Deutschland zu orientieren und die Wehrpflicht wieder einzuführen. Seinem Plan zufolge soll dies auf freiwilliger Basis geschehen und ein Angebot für Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sein, die sich nicht für eine militärische Laufbahn entscheiden.

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Crosettos Vorschlag sieht eine Reserve aus Freiwilligen und „Hilfskräften” vor, die das Berufsmilitär unterstützen sollen. Dazu könnten Soldaten der Reserve, Fachleute mit praktischen Anwendungen im Verteidigungsbereich, ehemalige Freiwillige mit befristeter militärischer Dienstzeit, Angestellte von Wachdiensten, pensionierte Ärzte sowie qualifiziertes Zivilpersonal gehören. Kurz gesagt geht es um eine Anzahl von Personen, die militärisch ausgebildet würden, um im Notfall und „zur Verteidigung des Landes” einberufen zu werden.

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Sie würden nicht in Kasernen auf ihren Einsatz warten. Nach ihrer Ausbildung und regelmäßigen Übungen würden sie in ihr normales Leben zurückkehren, aber bereit sein, in schwerwiegenden Fällen wie Kriegen, großen Katastrophen und internationalen Krisen einzugreifen. Der Verteidigungsminister plant zunächst mit einem Projekt für 10.000 „Rekruten” zu beginnen und dann eine Erweiterung auf 40.000 zu prüfen, auch wenn die genaue Zahl vom Parlament festgelegt werden muss. Guido Crosetto betont, dass diese Freiwilligen „nicht in der ersten Linie eingesetzt werden”.

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In einer Rede vor hohen Militärs hatte der Minister bereits in den vergangenen Wochen erklärt, dass das Gesetz Nr. 244, welches die Obergrenze für das Personal der Streitkräfte auf 170.000 Mann festlegt – derzeit sind es 160.000 Soldaten –, „vollkommen neu überdacht” werden müsse. Angesichts der jüngsten Erfordernisse sei es notwendig, die Personalstärke der italienischen Streitkräfte um mindestens 30.000 bis 40.000 zu erhöhen.

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Doch damit nicht genug: In dem informellen Dokument, das Crosetto am 17. November in Anwesenheit von Staatspräsident Sergio Mattarella dem Obersten Verteidigungsrat vorstellte, sprach er von der Notwendigkeit, 10.000 bis 15.000 neue Militärangehörige im Bereich der neuen Technologien und der künstlichen Intelligenz auszubilden, um dem bereits laufenden hybriden Krieg entgegenzuwirken. Seiner Meinung nach würden allein im Cyberbereich 5.000 Mitarbeiter benötigt.

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Bisher handelt es sich lediglich um einen Vorschlag, der erst noch vom Ministerrat genehmigt und von beiden Parlamentskammern in ein Gesetz gegossen werden muss. Da Crosetto zu den engsten Vertrauten der Regierungschefin Giorgia Meloni gehört, könnte sein Plan jedoch bald Wirklichkeit werden.

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Die Ängste junger Südtiroler, bald wieder die Uniform anziehen zu müssen, scheinen gebannt zu sein, denn das neue Verteidigungskonzept der italienischen Armee, das von Guido Crosetto entworfen wurde, soll auf Freiwilligkeit beruhen. Was die Zukunft noch bereithält, weiß jedoch niemand, denn – wohlgemerkt – die berühmte „Naja” ist lediglich ausgesetzt, aber nicht abgeschafft.

 

 

 

 

 

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