Carabinieri und Schweizer Zoll decken Schmuggel im Wert von 27 Millionen Euro auf

Dreist: In Italien gestohlenes Gold ins Tessin geschafft und zu „Schweizer Barren” verarbeitet

Mittwoch, 17. Juni 2026 | 07:09 Uhr

Von: ka

Asti/Bellinzona (CH) – Dank der Zusammenarbeit der Carabinieri von Asti mit dem Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) konnte einer Schmugglerbande das Handwerk gelegt werden. Die Bande hatte sich darauf spezialisiert, in Italien gestohlenen Goldschmuck in den Schweizer Kanton Tessin zu schmuggeln und ihn dort von einem Unternehmen, das über eine ordnungsgemäße Bewilligung des BAZG zum Schmelzen von Edelmetallen und zum Anbringen eines Prägezeichens verfügte, zu „Schweizer Barren” verarbeiten zu lassen.

Das „Geschäftsmodell” der Bande, die das Edelmetall in Nomadenlagern in ganz Norditalien abholte, um es in Komplizenschaft mit einem Schmelzunternehmen „waschen” und zu Barren gießen zu lassen, war sehr einträglich. Im Laufe der letzten Jahre wurden rund 230 Kilogramm Gold im Wert von etwa 27 Millionen Euro aus Italien in die Schweiz geschmuggelt. Drei Hauptverdächtige – ein 56-Jähriger aus dem Piemont und zwei in der Schweiz wohnhafte italienische Staatsbürger – wurden festgenommen. Ersten Erkenntnissen zufolge stammt das Gold von Einbrüchen und Diebstählen, die vor allem in Norditalien verübt wurden. Ob auch in Südtirol gestohlener Goldschmuck den Weg ins Tessin fand, ist nicht bekannt.

Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG

Das „Geschäftsmodell“ der Schmugglerbande war ebenso einträglich wie dreist. In norditalienischen Häusern und Wohnungen gestohlener Goldschmuck wurde von den Bandenmitgliedern „gesammelt“ und in den Schweizer Kanton Tessin gebracht. Dort wurde er eingeschmolzen und zu Barren „Made in Suisse“ verarbeitet.

Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung der Schweizer Zollverwaltung, die drei Personen wegen Schmuggels, Geldwäsche und Hehlerei angeklagt hat. Ihnen wird der Handel mit 230 Kilogramm Gold im Wert von 25 Millionen Schweizer Franken – rund 27 Millionen Euro – sowie eine Zollhinterziehung in Höhe von 860.000 Euro vorgeworfen. Einer der drei Beschuldigten wurde in Italien bereits wegen Geldwäsche, Hehlerei, illegalem Waffenbesitz und weiterer Straftaten verurteilt. Er wurde aufgrund eines Haftbefehls der Carabinieri von Asti festgenommen, die in Zusammenarbeit mit der Tessiner Kriminalpolizei Ermittlungen zu einer der drei in den Schmuggel involvierten Personen durchgeführt hatten.

APA/APA/dpa/Sven Hoppe

Zwar verbreitete die Schweizer Zollbehörde die Pressenachricht, doch den Anstoß für die Ermittlungen gaben die Carabinieri in Asti. Sie überwachten eine der Personen, die im Mittelpunkt der Untersuchungen standen. Der 56-Jährige war dafür zuständig, Gold aus einigen Nomadenlagern in Norditalien zu beschaffen und es über die Grenze zu transportieren. Die Transportmethode war denkbar einfach, denn die Beute wurde in gewöhnlichen Rucksäcken verstaut und im Auto über kleinere Grenzübergänge zwischen der Lombardei und dem Kanton Tessin geschmuggelt, die seit Jahren nicht mehr ständig mit Grenzbeamten besetzt sind. Diese „Goldfahrten” fanden wöchentlich statt.

Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG

Sobald die Ladung auf Schweizer Boden angekommen war, wurde sie an zwei weitere Mittelsmänner übergeben. Dabei handelte es sich um zwei in der Schweiz wohnhafte italienische Staatsbürger im Alter von 66 und 35 Jahren. Diese verkauften das Gold schließlich an ein Unternehmen, das über eine ordnungsgemäße Bewilligung des BAZG zum Schmelzen von Edelmetallen und zum Anbringen eines Prägezeichens verfügte. Dem Unternehmen wurde die Bewilligung durch die Edelmetallkontrolle des BAZG jedoch entzogen.

Facebook/Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit

Hintergrund ist, dass der Kanton Tessin das „Herz“ der florierenden Schweizer Wirtschaftszweige der Verarbeitung von Gold und anderen Edelmetallen wie Silber, Platin und Palladium ist. Der Import-Export hat einen Wert zwischen 25 und 30 Milliarden Franken. Von der Schweiz aus gelangen die Barren auf alle Märkte der Welt.

Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG

Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass die drei Beschuldigten in organisierten Goldschmuggel zwischen Italien und der Schweiz verwickelt waren. Bei den Ermittlungen war die Zusammenarbeit der Carabinieri mit den Schweizer Zollbehörden sowie mit der zuständigen Tessiner Staatsanwaltschaft von entscheidender Bedeutung. Sie umfasste grenzüberschreitende Observationen, den Austausch von Ermittlungsergebnissen zwischen der Schweiz und Italien sowie gemeinsame Beschlagnahmungen und Durchsuchungen. Im Mittelpunkt stand zunächst der Schmuggel von rund 190 Kilogramm Altschmuck in die Schweiz, den die drei Hauptbeschuldigten begangen haben sollen.

APA/APA (Symbolbild/Bundesbank)/unbekannt

Im Laufe der Ermittlungen konnten zudem weitere Nebenzweige des Altgoldschmuggels aufgedeckt werden. Dabei ging es um insgesamt etwa 40 Kilogramm Altgold in Form von gestohlenem Schmuck, der von Italien in die Schweiz geschmuggelt, weiterverkauft und eingeschmolzen wurde. In diesem Zusammenhang werden gegen drei weitere in der Schweiz wohnhafte italienische Staatsbürger Ermittlungen geführt.

Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG

Insgesamt wurden somit rund 230 Kilogramm Gold im Wert von etwa 27 Millionen Euro von Italien in die Schweiz geschmuggelt. Dabei wurden Mehrwertsteuer und Zollabgaben in Höhe von etwa 800.000 Franken hinterzogen. Diese Hinterziehung wird den verschiedenen Beschuldigten angelastet. Das Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit wird das Strafmaß im Rahmen des weiteren Strafverfahrens festlegen. Der 56-Jährige, der von den Carabinieri festgenommen wurde, muss sich hingegen in Italien vor Gericht verantworten.

Carabinieri

Die Sprengung des Schmugglerrings gilt als großer Schlag gegen die groß angelegte Hehlerei, die es den Einbrechern – in diesem Fall handelt es sich dabei vermutlich zumeist um Einwohner norditalienischer Nomadenlager – erst ermöglicht, das gestohlene Gold zu Geld zu machen. Ersten Erkenntnissen zufolge stammt das Gold von Einbrüchen und Diebstählen, die vor allem in Norditalien verübt wurden. Ob auch in Südtirol gestohlener Goldschmuck den Weg ins Tessin fand, ist nicht bekannt.

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