Mögliche Lösung für Luftverschmutzung? - VIDEO

Endlich ist es so weit: Erstes italienisches Autobahnteilstück wird elektrifiziert

Montag, 10. September 2018 | 08:18 Uhr

Brescia/Bergamo/Mailand – Eine neue Lösung, die im Prinzip eigentlich sehr alt ist, könnte in Zukunft die Schadstoffbelastung entlang der Autobahnen massiv verringern. Die großen Lkws, die laut Studien heute hauptverantwortlich für die hohe Umweltbelastung an den Autobahnen sind, könnten dank einer elektrifizierten Fahrspur, an die sich die großen, elektrobetriebenen Lastkraftwagen „anhängen“, ihren Schadstoffausstoß praktisch auf null reduzieren.

Nachdem der Lkw-Hersteller Scania vor zwei Jahren in Schweden ein erstes zwei Kilometer langes Autobahnteilstück elektrifiziert hatte – das heißt, eine Fahrspur war mit einem über der Autobahn montierten, stromführenden Kabel versehen worden –, wurde nun beschlossen, auch ein Teilstück der A35 Brebemi, der Autobahn Brescia-Bergamo-Mailand, auf diese Weise auszurüsten. Dank dieser Installation können sich elektrisch betriebene Lkws, wie in früheren Zeiten der städtische Oberleitungsomnibus, an das Stromnetz „anhängen“ und praktisch ohne Schadstoffausstoß fast geräuschlos und umweltfreundlich über die Autobahn gleiten.

In diesem Zusammenhang wird auch geplant, mithilfe von Fotovoltaikanlagen ein geschlossenes und fast autonomes Stromsystem zu schaffen. Bisher ist es nur ein erster Schritt, aber die Planer hoffen dank der Oberleitungen und elektrisch betriebenen Lkws, den Schwerverkehr auf den Autobahnen zu revolutionieren. Das System soll über eine große Flexibilität verfügen. Sollten die Lkws überholen oder die Autobahn verlassen müssen, klinken sie sich einfach aus der Oberleitung aus und können dank der über der Stromleitung bis dahin voll aufgeladenen Batterie eine relativ weite Strecke autonom weiterfahren.

Scania/Tobias Ohls 2016

Hinter dem Projekt steht der schwedische Lkw-Riese Scania, der bereits vor zwei Jahren bei Gävle in Schweden ein zwei Kilometer langes mittels Oberleitung elektrifiziertes Teilstück eröffnet hat, und nun in Zusammenarbeit mit dem Elektroriesen Siemens in Deutschland drei elektrifizierte Autobahnteilstücke plant. Nun ist es auch in Italien soweit.

„Wir sind bereit, mit der A35 Brebemi zusammenzuarbeiten, um die erste elektrifizierte Autobahn Italiens ins Leben zu rufen. Dabei handelt es sich um ein revolutionäres Projekt, das die Auffassung vom straßengebundenen Schwertransport für immer verändern wird. Die Zusammenarbeit von Scania, A35 Brebemi, Siemens und weiteren Betrieben bei diesem Projekt zeigt, dass wir nur durch die Kooperation mit strategischen Partnern den Wechsel zu einem umweltverträglichen Transportsystem beschleunigen können“, erklärte der Präsident und Vorstandsvorsitzende von Italscania, Franco Fenoglio, auf einer Pressekonferenz.

Scania/Tobias Ohls 2016

Natürlich ist es erst ein kleiner Schritt, aber Italscania, Siemens und der Autobahnbetreiber der A35 Brebemi stoßen die Tür zur Schwertransportzukunft weit auf. Die Elektrifizierung des straßengebundenen Schwerverkehrs besitzt das Potenzial, auch das leidige Umwelt- und Schadstoffproblem entlang der Südtiroler Strecke der Brennerautobahn zu beheben. Keine Schadstoffe und dank Elektromotoren weniger Geräuschentwicklung sind Vorteile, mit denen sich auch die leidgeplagten Eisacktaler, Bozner und Unterlandler anfreunden könnten. Dank bereits bestehendem Überholverbot auf der A22 wäre eine Elektrifizierung der Normalspur in diesem Fall besonders vorteilhaft.

Ob die heimischen Umweltschützer und die Verantwortlichen in der Zentrale der Brennerautobahn nun hellhörig werden? Mit ziemlicher Sicherheit werden beide genau beobachten, wie sich das elektrische Experiment auf der Brebemi entwickelt.

Von: ka