„Scheinehen“ begünstigt und Geld unterschlagen – VIDEO

Illegale Einwanderung: Ex-Bürgermeister zu 13 Jahren Haft verurteilt

Freitag, 01. Oktober 2021 | 07:59 Uhr

Riace – Der ehemalige Bürgermeister der kalabrischen Gemeinde Riace, Mimmo Lucano, ist wegen Begünstigung der illegalen Einwanderung und verschiedener anderer damit zusammenhängender Vergehen vom Gericht von Locri zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und zwei Monaten verurteilt worden.

Im Jahr 2018 war Mimmo Lucano im Rahmen der Operation „Xenia“ der Staatsanwaltschaft von Locri ins Visier der Ermittler der Finanzpolizei geraten und in der Folge festgenommen worden. Seine Lebensgefährtin hingegen erhielt eine Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten. Mimmo Lucano zeigte sich über das harte Urteil enttäuscht und gab an, dass er nur seinen Idealen gefolgt sei und keine Straftaten begangen habe.

Das Gericht von Locri verurteilte den ehemaligen Bürgermeister von Riace, Mimmo Lucano, zu einer Haftstrafe von 13 Jahren und zwei Monaten. Die Richter sprachen ihn der Bildung einer kriminellen Vereinigung, der Beihilfe zur illegalen Einwanderung, des Betrugs, der Veruntreuung von öffentlichen Geldern und des Amtsmissbrauchs für schuldig. Dem Urteil zufolge muss der ehemalige Bürgermeister zudem 500.000 Euro an unrechtmäßig erhaltenen Fördermitteln der Europäischen Union und des italienischen Staates zurückerstatten. Außerdem wurde ihm für fünf Jahre die Ausübung eines öffentlichen Amtes untersagt. Die Lebensgefährtin von Lucano, Lemlem Tesfahun, erhielt hingegen eine Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten.

ANSA/Marco Costantino

Unter dem Vorsitz des Richters Fulvio Accurso erhöhte das zuständige Richtergremium von Locri nach einer 75 Stunden dauernden Verhandlung das ursprünglich von der Staatsanwaltschaft beantragte Strafmaß von sieben Jahren und elf Monaten um weitere sechs Jahre. Mimmo Lucano, der sich als Befürworter der Aufnahme und der Integration von Migranten und Flüchtlingen einen bekannten Namen gemacht hatte, war am 2. Oktober 2018 im Rahmen der von der Finanzwache durchgeführten und von der Staatsanwaltschaft Locri koordinierten Operation „Xenia“ festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden.

Facebook/Un’altra Calabria è possibile

Im drei Jahre später stattgefundenen Prozess sahen es die Richter von Locri als erwiesen an, dass der im 1.200 Seiten starken Haftbefehl als „skrupellos“ bezeichnete damalige Bürgermeister „Scheinehen“ zwischen Bürgern von Riace und ausländischen Frauen begünstigt zu hatte. Dem damaligen Haftbefehl zufolge hatte Mimmo Lucano zudem zwei Genossenschaften, die nicht die notwendigen Voraussetzungen erfüllt hatten, den Auftrag für die städtische Müllabfuhr erteilt. Laut der Anschuldigung und dem späteren Urteil war der Ex-Bürgermeister auch verantwortlich für einen Fehlbetrag von fünf Millionen Euro gewesen, die anstatt die Integration von Migranten zu fördern, in die Taschen von Privatpersonen geflossen seien. Insgesamt – so die Ansicht der Richter – hatte der vorgebliche Einsatz für die Integration und die Aufnahme von Migranten und Flüchtlingen vor allem illegalen Tätigkeiten gedient.

Mimmo Lucano zeigte sich vom harten Urteil bestürzt. „Mir fehlen die Worte, das habe ich mir nicht erwartet. Ich habe nicht einmal das Geld, um die Anwälte zu bezahlen“, so Mimmo Lucano unmittelbar nach der Urteilsverlesung. Bevor er das Gericht in Locri verließ, bekräftigte er noch einmal, dass er unschuldig sei. „Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, meinen Idealen zu folgen. Gerade auch um das negative Image meiner Heimat zu verbessern, habe ich gegen das Organisierte Verbrechen gekämpft. Ich weiß nicht, ob für Mafiaverbrechen auch so hohe Strafen ausgesprochen werden. Heute bin ich am Boden zerstört, es gibt keine Gerechtigkeit. Ich habe mit einem Freispruch gerechnet. Ich werde für Verbrechen verantwortlich gemacht, die ich nicht begangen habe“, meinte der ehemalige Bürgermeister von Riace.

MIMMO LUCANO CONDANNATO A 13 ANNI

MIMMO LUCANO CONDANNATO A 13 ANNI13 anni e 2 mesi di carcere. È la condanna decisa dal Tribunale di Locri per Mimmo Lucano, l'ex sindaco di Riace diventato simbolo di un modello di accoglienza e integrazione. Lucano è stato riconosciuto colpevole di illeciti nella gestione dei migranti.L'inviato Massimo Veneziani per il Tg3 delle 14:20 del 30 settembre 2021

Posted by Tg3 on Thursday, September 30, 2021

„Dies ist kein politischer Prozess gewesen, aber es besteht kein Zweifel, dass eine gewisse Verbissenheit gegen Lucano vorgelegen hat“, so der Rechtsanwalt Giuliano Pisapia, der seinem Mandanten Mimmo Lucano beipflichtete.

Der Richterspruch dürfte auf die politische Zukunft von Mimmo Lucano – der ehemalige Bürgermeister von Riace kandidiert für den Regionalrat von Kalabrien – einen schweren Schatten werfen. Das harte Urteil des Gerichts von Locri werten Beobachter aber insbesondere als Wink mit dem Zaunpfahl für all diejenigen, die glauben, unter dem Deckmantel der Betreuung von Flüchtlingen und Migranten zweifelhaften Geschäften nachgehen zu können.

Von: ka

Kommentare

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14 Kommentare auf "Illegale Einwanderung: Ex-Bürgermeister zu 13 Jahren Haft verurteilt"


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fritzol
fritzol
Superredner
23 Tage 1 h

😎😎😎 endlich einmal ein urteil für die Arroganz gewisser Politiker

quilombo
quilombo
Superredner
22 Tage 22 h

wohl keine Ahnung. Alle die Mimmo Lucano gekannt haben, bescheinigen ihn als herzensguten Menschen, er ist das genaue Gegenteil von Arroganz.

falschauer
22 Tage 21 h

wenn man die situation und den menschen nicht kennt, sollte man von solchen stammtischäußerungen absehen

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
22 Tage 20 h

quilombo

Dein Freund MIMMO, hat nicht nur mehrer Gesetze gebrochen, er hat auch noch GELD veruntreut! Das scheint hier einigen nicht klar zu sein!

Herbert01
Herbert01
Tratscher
22 Tage 14 h

Blödsinn. Der ist ein Verbrecher. Gut so.

Kingu
Kingu
Tratscher
22 Tage 8 h

@quilombo die Staatsanwaltschaft wird schon wissen, in welcher Form der sogenannte Bürgermeister die Gelder veruntreut hat und wie es zur Konzession von nicht berechtigten Unternehmen gekommen ist. Der Judikative traue ich schon noch zu, ein solches Hintergehen an den Steuerzahler objektiv zu betrachten. Das Strafmaß ist für die Anzahl der Delikte und dem Ausmaß noch mild.

quilombo
quilombo
Superredner
22 Tage 22 h
während Mafiosi wie Dell’Utri freigesprochen werden, kommt ein Mensch wie Mimmo Lucano ins Gefängnis. Sowas geht gegen jeden Sinn für Anstand und Gerechtigkeit. Mimmo Lucano sollte eine Auszeichnung bekommen, er ist ein Vorbild für jeden Bürgermeister. Er hat aus seiner verwahrlosten und verarmten Stadt in wenigen Jahren einen blühenden Ort geschaffen, wo vor allem das Wohl der Bewohner und der Umwelt im Vordergrund standen. Aber natürlich, wenn man beweist, daß man mit legalen Mitteln etwas Gutes schaffen kann, schwimmt man in der Politik gegen den Strom und gegen die Mafia. Sowas sieht man nicht gerne. Mimmo Lucano ist ein liebevoller… Weiterlesen »
falschauer
22 Tage 21 h

dem ist nichts hinzuzufügen, bin voll und ganz deiner meinung, was mimmo geleistet hat wäre eines kleinen friedensnobelpreis würdig und nicht 13 jahre gefängnis

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
22 Tage 14 h

@falschauer euch zwei sollte man mal eine Chur unterziehen……

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
22 Tage 22 h

Sehr gut, man sollte diese Art von Strafen verdoppeln.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
22 Tage 21 h

Super Urteil

falschauer
22 Tage 13 h

kennst du diese geschichte von riace, welche 1998, also vor 23 jahren, ihren anfang genommen hat, als 20 kurden in diesem dorf welches vom aussterben bedroht war, eine neue heimat gefunden haben…??.?….deinem kommentar nach zu urteilen offensichtlich nicht

Kingu
Kingu
Tratscher
22 Tage 22 h

In den USA würde er für so einer Liste an Strafbestände, nie wieder das Gefängnis verlassen.

Markuskoell
Markuskoell
Grünschnabel
22 Tage 15 h

Richtig so 👍

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