Von: apa
Die anhaltende Hitzewelle setzt Italiens Weinbau zu und dämpft die Erwartungen auf einen außergewöhnlichen Jahrgang. Während einzelne Winzer vor Qualitätseinbußen warnen, mahnen Branchenvertreter zur Gelassenheit und halten an der Aussicht auf eine gute Weinlese fest. Besonders im Prosecco-Anbaugebiet im Norden nahe Österreich bereiten die hohen Temperaturen jedoch Sorgen.
Sandro Bottega, Chef des Schaumweinherstellers Bottega Spa, warnte gegenüber Medien, die anhaltende Hitze verlangsame den Reifungsprozess der Trauben. Dadurch bestehe die Gefahr, dass sich die typischen Aromen nicht vollständig entwickelten oder beeinträchtigt werden. Der Präsident des italienischen Önologenverbands Assoenologi, Riccardo Cotarella, sieht die Lage anders. Die Trauben seien derzeit gesund, und bis zur Weinlese bleibe noch genügend Zeit. Sollte es im Juli zu Niederschlägen kommen, könne 2026 sogar ein hervorragender Jahrgang werden.
Klimawandel ist wachsende Herausforderung für den italienischen Weinbau
Unabhängig von der aktuellen Diskussion sehen Fachleute den Klimawandel als wachsende Herausforderung für den italienischen Weinbau. Nach Angaben des Bauernverbands CIA-Agricoltori Italiani gehört die Branche mit rund 670.000 Hektar Rebfläche und einer Jahresproduktion von mehr als 44 Millionen Hektolitern zu den am stärksten von Extremwetter betroffenen Agrarsektoren. Allein im vergangenen Jahr wurden in Italien fast 380 extreme Wetterereignisse registriert.
Sollte die Durchschnittstemperatur dauerhaft um mehr als zwei Grad Celsius steigen, könnten nach Einschätzung des Verbands bis zu 90 Prozent der Küsten- und Tieflagen künftig keinen hochwertigen Wein mehr unter nachhaltigen Bedingungen erzeugen. CIA-Präsident Cristiano Fini forderte deshalb einen besseren Versicherungsschutz gegen Klimarisiken sowie stärkere Investitionen in Innovation und klimaresistente Rebsorten.
Reisanbau leidet unter Dürre, Viehzucht belastet
Noch schwieriger stellt sich die Lage laut Landwirtschaftsverbänden für die Reisbauern im Norden Italiens dar. In einigen Anbaugebieten seien Reisfelder bereits ausgetrocknet, und die Pflanzen litten unter der Dürre. Mit erwarteten Temperaturen von bis zu 37 Grad könnte sich die Situation in den kommenden Tagen weiter verschärfen.
Die Hitzewelle, die seit Tagen Italien unter Druck setzt, belastet auch die Viehzucht. Während in den Ställen ein Rückgang der Milchproduktion verzeichnet wird, wächst auch die Sorge vor anhaltender Dürre und damit einhergehender Wasserknappheit. Zum Produktionsrückgang kommen steigende Kosten hinzu, da die Landwirte unter anderem Ventilatoren in den Ställen einschalten müssen, um den Tieren Linderung zu verschaffen.




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