Von: ka
Rom – Nach dem Skandal um die abstoßende Facebook-Gruppe „Mia Moglie“, die rund 32.000 Mitglieder zählte und vor zehn Tagen geschlossen wurde, erschüttert ein neuer Sexismus- und Revenge-Porno-Skandal die italienische Öffentlichkeit. In der bis zuletzt öffentlichen Facebook-Gruppe „Mia Moglie“ tauschten Tausende von Männern Fotos ihrer ahnungslosen Partnerinnen und Ehefrauen untereinander aus und versahen sie mit widerlichen und vulgären Kommentaren, um sich an ihnen sexuell zu erregen.
Im inzwischen gelöschten Erwachsenenforum Phica.eu hingegen „diskutierten“ Männer nicht nur über Fotos unbekannter Frauen, sondern auch über manipulierte Bilder von Politikerinnen und Schauspielerinnen. Doch seit der Schließung der Seite haben die Phica.eu-Kommentatoren, ebenso wie die Mitglieder der Facebook-Gruppe „Mia Moglie“, Angst vor Anzeigen und strafrechtlichen Konsequenzen. Viele flüchteten zuletzt von der Seite und baten die Administratoren, den eigenen Account samt aller Bilder und Kommentare zu löschen. „Löscht meine Beiträge!”, forderten diese Nutzer, bevor die Seite endgültig vom Netz genommen wurde.
Auf der Seite, die 800.000 Mitglieder zählte, waren zumeist KI-generierte, manipulierte Fotos der Schwestern Giorgia und Arianna Meloni, der PD-Sekretärin Elly Schlein, der Influencerin Chiara Ferragni, der Schauspielerin Paola Cortellesi und der TV-Moderatorin Mara Venier zu sehen. Neben vielen unbekannten Frauen waren das jedoch nur einige der Frauen des öffentlichen Lebens, die sich im VIP-Bereich des Forums Phica.eu fanden.
Das Forum, das 800.000 Mitglieder zählte, sammelte seit zehn Jahren in einem eigens vom Rest der Seite getrennten Bereich gestohlene Fotos oder Rachepornos. Nicht zuletzt dank des Skandals um „Mia Moglie“, durch den solche und ähnliche Seiten in den Fokus der italienischen Öffentlichkeit gerieten, wurden Frauen, die mit Fotos, Vor- und Nachnamen sowie in einigen Fällen mit einer Beschreibung ihrer Wohnorte im Forum zu finden waren, auf Phica.eu aufmerksam.
Während auf „Mia Moglie” Bilder von meist halbnackten oder in Unterwäsche beziehungsweise Bikini abgebildeten Frauen zu sehen waren, die den Anschein erweckten, ohne deren Zustimmung aufgenommen worden zu sein, fanden sich auf Phica.eu Fotos von unbekannten und prominenten Frauenopfern, die eindeutig manipuliert worden waren, um sie in Sex-Posen darzustellen. In den Kommentaren unter den Bildern überboten sich die Nutzer, wer den widerlichsten und sexistischsten Beitrag ins Forum stellt. In einigen besonders eklatanten Fällen soll in den Kommentaren sogar zu sexueller Gewalt aufgerufen worden sein.
Der Betreiber der Website nutzte den Dienst GoDaddy, um seine Identität zu anonymisieren. Laut La Repubblica wurde das Portal, ebenso wie ComeUp, vom Ausland aus betrieben. Am Mittwoch war Phica.eu aufgrund der hohen Anzahl von Zugriffen, die durch den aufkommenden Skandal generiert wurden, nicht erreichbar. Nun wollen die Ermittler herausfinden, ob die Länder, in denen sich die beiden Portale befinden, mit Italien bilaterale Abkommen zur Bekämpfung von Computerkriminalität abgeschlossen haben. Andernfalls wird es schwierig sein, die Schließung und endgültige Sperrung der Portale voranzutreiben. Diese Portale könnten jedoch jederzeit unter einer anderen Adresse gespeichert und wieder geöffnet werden. Und dann wären sie unerreichbar.
Die Website Phica.eu hatte 800.000 Nutzer, von denen 90 Prozent Männer waren. Seit 2006 wurden dort zehn Millionen Nachrichten geschrieben. „Eines der Merkmale der Website ist, dass keine der Frauen, von denen Bilder im Forum gepostet wurden, davon wusste“, erklärt der Content Creator Riccardo Pacs, auch bekannt als PaccaFaCose, in einem am Mittwoch veröffentlichten Artikel. Der Gründer PhicaMaster behauptete, er sei nicht für die Inhalte verantwortlich, sondern habe lediglich die Plattform zur Verfügung gestellt. Die Website wies zudem mehrere Sicherheitslücken auf, durch die die Daten aller Mitglieder – angefangen bei den E-Mails – gefährdet sein könnten.
Am Mittwoch haben einige Nutzer darum gebeten, nicht nur ihre Profile, sondern auch ihre Beiträge zu löschen. Il Fatto Quotidiano hat einige dieser Anfragen veröffentlicht. So bittet etwa der Nutzer Diablo1024 um die „dringende Entfernung seines Beitrags ‚Mia Cognata‘ im Bereich Fotos“. Er und andere Nutzer sind bereit, dafür zu bezahlen.
Da die Taten der Nutzer den Straftatbestand des sogenannten „Revenge Porn” erfüllen, ist die Angst der Männer vor Anzeigen und strafrechtlichen Konsequenzen nicht unbegründet. Der Begriff „Revenge Porn” (Anmerkung der Redaktion: „Racheporno”) wurde 2019 in Artikel 612 ter des italienischen Strafgesetzbuches aufgenommen. Er betrifft die „unerlaubte Weitergabe oder Veröffentlichung von intimen, sexuell eindeutigen Bildern oder Videos” ohne die Zustimmung der darauf abgebildeten Personen.
Um gegen die Administratoren vorgehen zu können, ist ein Beschluss der Justizbehörde erforderlich. Derzeit versuchen einige Vereinigungen, eine Sammelklage zu organisieren. Laut La Repubblica war es in der Vergangenheit jedoch nicht schwierig, die Identität der Nutzer, die unter Pseudonymen auftreten, herauszufinden. In diesem Fall handelt es sich um Italiener. Sie müssen nun mit Anzeigen wegen Verleumdung, Drohungen und Anstiftung zu Straftaten rechnen.
Ähnlich wie im Fall „Mia Moglie” löste auch die Aufdeckung des Porno- und Spannerforums Phica.eu eine heftige Debatte in der italienischen Öffentlichkeit darüber aus, warum Foren im Internet nicht strenger kontrolliert werden und das Treiben solcher Nutzer überhaupt geduldet wird.
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