Proteste in Venetien und Maharashtra

Nach PFAS-Skandal: Werk in Italien gestoppt, in Indien neu gestartet

Mittwoch, 25. Februar 2026 | 07:08 Uhr

Von: luk

Lote Parshuram/Vicenza – An der Westküste Indiens ist es zu heftigen Protesten gegen eine Chemieanlage in Lote Parshuram gekommen. Dort wurden Maschinen des früheren Miteni-Werks aus Trissino bei Vicenza wieder in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um jenes Unternehmen, das in einen der schwersten PFAS-Umweltskandale Europas verwickelt war.

„Es gibt keine unterschiedlichen Nationen, sondern gemeinsame Kinder“, erklärte Michela Piccoli, Mitgründerin der Bürgerinitiative „Mamme no Pfas“, und zeigte sich solidarisch mit den Demonstrierenden in Indien.

Vom Umweltskandal in Venetien nach Asien

Das Werk der Firma Miteni galt als Hauptverursacher der massiven PFAS-Verunreinigung des Grundwassers in den Provinzen Vicenza, Padua und Verona. Rund 350.000 Menschen waren von belastetem Trinkwasser betroffen. 2018 ging das Unternehmen in Konkurs. Ende Juni dieses Jahres verurteilte das Schwurgericht elf ehemalige Manager wegen Umweltkatastrophe und weiterer Delikte zu insgesamt 141 Jahren Haft, berichtet der Corriere della Sera.

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Die Firma Miteni wurde 1965 gegründet und produzierte am Standort Trissino (Vicenza) vor allem fluorierte Chemikalien, darunter PFAS-Verbindungen für industrielle Anwendungen. Über Jahrzehnte stellte das Unternehmen Zwischenprodukte für Beschichtungen, Textilien, Papier, Feuerlöschschäume und andere Spezialanwendungen her, bevor 2013 das Ausmaß der Umweltbelastung bekannt wurde.

Doch die Geschichte endete nicht mit der Insolvenz: 2019 erwarb das indische Unternehmen Viva Lifesciences – eine Tochter von Laxmi Organic Industries – Anlagen, Patente und Produktionsverfahren bei einer Auktion für 4,6 Millionen Euro. Zwischen 2021 und 2022 wurden die Maschinen abgebaut und nach Mumbai verschifft. Anfang 2023 erfolgte die Wiederinstallation in Lote im Bundesstaat Maharashtra. Seit den ersten Monaten 2025 läuft dort die Produktion wieder auf Hochtouren.

Sorge vor „Ewigkeitschemikalien“

Die Bevölkerung vor Ort befürchtet nun ähnliche Umwelt- und Gesundheitsfolgen wie in Venetien. PFAS, oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, werden unter anderem für Antihaftbeschichtungen, wasserabweisende Textilien und Schuhe verwendet. Einige dieser per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen gelten als krebserregend, andere stehen im Verdacht, den Cholesterinspiegel zu erhöhen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen, Fortpflanzungsstörungen auszulösen sowie Leber und Nieren dauerhaft zu schädigen.

Während in der Europäischen Union über ein mögliches Verbot von mehr als 10.000 PFAS-Verbindungen diskutiert wird, ist die Produktion in Indien bereits wieder angelaufen. Damit ist aus einem regionalen Umweltskandal längst ein globales Thema geworden.

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