Kinder, Jugendliche und Eltern protestieren gegen Homeschooling – VIDEO

„No Dad“: „Wir wollen unsere Schule wiederhaben!“

Donnerstag, 19. November 2020 | 08:08 Uhr

Turin/Neapel – Ein stiller Protest gegen das Homeschooling, der von Anita und Lisa – zwei zwölfjährigen Mädchen aus Turin – ins Leben gerufen wurde, weitet sich zu landesweiten Demonstrationen gegen die Schließung der Schulen aus. Am Anfang stand die aufsehenerregende Aktion zweier junger Mittelschülerinnen, die vor ihrer geschlossenen Schule ihre Stühle und Tische aufgestellt hatten, um mitten auf dem Gehsteig „Homeschooling“ zu betreiben. Damit wollen die beiden Schülerinnen der Öffentlichkeit deutlich vor Augen führen, was Onlineunterricht für Kinder und Jugendliche bedeutet.

ANSA/ MARCO BOSCATO

Der Aktion der beiden Turiner Mädchen schlossen sich in der Folge immer mehr Mittel- und Oberschüler sowie deren Eltern an. Um gegen den ungeliebten Fernunterricht zu protestieren, wurde in vielen Städten und Dörfern Italiens „Unterricht im Freien“ organisiert. Mit vielerlei fantasievollen Demonstration und Aktionen macht die von den Medien „No Dad“(No Didattica a distanza, Nein zum Fernunterricht, Anmerkung der Redaktion) getaufte Protestbewegung immer stärker auf sich aufmerksam.

Die zwölfjährige Anita, die als „Gesicht“ der „No Dad“ gilt, und ihre Freundin wollen nicht aufgeben. Seit Tagen stellen die beiden Mittelschülerinnen auf dem Gehsteig vor ihrer Turiner Schule ihre Stühle und Bänke auf, klappen ihre Laptops auf und nehmen in aller Öffentlichkeit zusammen mit dem Rest ihrer Klasse am Homeschooling teil. Der öffentlich zur Schau gestellte „einsame Unterricht“ erregte sehr schnell die Aufmerksamkeit der italienischen Medien. Anita erhielt auch einen Anruf der Unterrichtsministerin Lucia Azzolina, die den Protest für eine Öffnung der Schule lobte. „Deine Geste ist bewundernswert. Es ist schön anzusehen, dass es Jugendliche gibt, die an ihre Werte glauben und sie nach vorne bringen“, so Lucia Azzolina.

Facebook/Lucia Azzolina

Innerhalb kürzester Zeit schlossen sich dem Protest immer mehr Mittel- und Oberschüler sowie deren Eltern an. Um gegen den ungeliebten Fernunterricht zu protestieren, wurde in vielen Städten und Dörfern Italiens „Unterricht im Freien“ organisiert, wobei Plätze, Parks und in einem Fall sogar der Strand in „Klassenräume“ umfunktioniert wurden.

Facebook/Scuola e bambini nell’emergenza Covid-19

Mit vielerlei fantasievollen Demonstration und Aktionen macht die von den Medien „No Dad“(No Didattica a distanza, Nein zum Fernunterricht, Anmerkung der Redaktion) getaufte Protestbewegung immer stärker auf sich aufmerksam. Besonders großes Aufsehen erregte eine Protestaktion neapolitanischer Schüler und Eltern. Sie stellten auf der Piazza del Plebiscito – einem der schönsten Plätze Italiens – eine aus leeren Stühlen und Schulbänken bestehende „Scuola fantasma“, zu Deutsch Geisterschule, auf. Von oben betrachtet bilden dabei die Bänke die Buchstaben von „No Dad“.

Facebook/Scuola e bambini nell’emergenza Covid-19

Auf die Bänke legten sie gefaltete Kärtchen, die die ganzen Ängste und Nöte der vereinsamten und um ihren gewohnten Unterricht gebrachten Volksschüler widerspiegeln sollen. Mit den eindringlichen Worten „Giulia sieht ihre Schulkameraden nicht, Lia hört nichts, Davide hat keine Verbindung, Carlo weint, Chiara, ich sehe dich nicht, Sara ist müde, Matilde ist allein zu Hause“ fassen die neapolitanischen Volksschüler und deren Eltern den traurigen „Schulalltag“ der Kinder zusammen. Kurz darauf bildeten die Kinder einen Kreis und nahmen auf Sitzmatten auf dem Boden Platz, um auf Geheiß der Lehrerin und der Eltern der Öffentlichkeit „Volksschule im Freien“ vorzuführen.

In Anlehnung an die bekannten Klimaproteste von „Fridays for Future“ nannten die neapolitanischen Eltern ihre Demos „Fridays for School“. Mit der aufsehenerregenden Aktion wollen die Schüler und Eltern von Neapel gegen die vom Präsidenten der Region Kampanien, Vincenzo De Luca, verfügte Schließung der Schulen demonstrieren und Druck für eine baldige Wiedereröffnung ausüben.

 

Durch die Proteste wird der Druck auf Rom und die Regionen, die Schulen so bald wie möglich wieder zu öffnen, immer größer. Die Schüler, Studenten und deren Eltern, die auf die vielfältigen Nachteile des Fernunterrichts, der aus ihrer Sicht mit dem Satz „Schlechter Unterricht trifft auf noch schlechtere Stimmung“ zusammengefasst werden kann, können die Öffnung der Schulen kaum erwarten.

Die Demonstranten wollen sich nicht mehr mit Versprechungen abspeisen lassen und kündigen an, bis zur Öffnung der Schulen weiterzumachen. Anita sieht das ebenfalls so. „Wir protestieren, bis wir wieder in die Klasse zurückkehren können“, so die zwölfjährige Schülerin. Aber angesichts der weiterhin schlechten Covid-19-Zahlen dürften die italienweiten Protestaktionen der „Schools for Future-Bewegung“ noch einige Zeit weitergehen.

Von: ka

Kommentare

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25 Kommentare auf "„No Dad“: „Wir wollen unsere Schule wiederhaben!“"


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Gredner
Gredner
Universalgelehrter
5 Tage 7 h

– die Kinder sind gegen den Fernunterricht
– einige Eltern sind aber gegen die Maskenpflicht
– gegen die Massentests sind sie auch
– und ebnso gegen die Impfungen (die es noch gar nicht gibt)
– und dann lamentiert man sich, dass die Spitäler überquillen

Wenn nur jeder sich einfach an die AHAL-Regeln halten würde, und wir mit dem Massentest die paar Infizierten in Quarantäne setzen könnten, wäre es so einfach die Verbreitung des Virus einzudämmen!

alpenfranz
alpenfranz
Superredner
5 Tage 6 h

…das ist der Preis der Demokratie und des Internets. plötzlich ist jeder Virologe, Politiker und Pädagoge

Neumi
Neumi
Kinig
5 Tage 6 h

Dagegensein ist einfacher.

Staenkerer
5 Tage 2 h

eshot ollm schun alternativschuln, privatschuln, unterricht von hauslehrer oder der eltern geben hot, des zoag das es ollm schun meckerer und “protestieren” geben hot , schun vor internet und ohne corona!

Staenkerer
5 Tage 5 h

Gute Aktion! Schule isch decht des, des kinder und jugeliche egal welcher religion , hautforbe, ob orm, ob reich, räumlich zommbring zum zweck sich GEMEINSOM weiterzubilden, wobei gemeinsam genau so wertvoll isch wie weiterbilden!

halihalo
halihalo
Grünschnabel
5 Tage 4 h

ich finde Präsenzunterricht ist mindestens genau so wichtig wie unsere tägliche Arbeit und sollte gleichgestellt sein

Staenkerer
5 Tage 6 h

Tjo, jetz testen lossn,
wer negativ vorweißen konn dorf wieder schual, wer nit testen wor, nit , wie ba der
orbeit holt a!

LouterStyle
LouterStyle
Tratscher
4 Tage 9 h

wäre Fair… dann könnten die, die sich auch an die Regeln halten in die Schule und die ganzen anderen die denken dass sie außerirdische Kräfte haben und denken das brauchen sie nicht, sollen zu Hause bleiben

Faktenchecker
5 Tage 3 h

„No Dad“: „Wir wollen unsere Schule wiederhaben!“
=
„No Dad“: „Wir wollen unseren Virus in die Familie  wieder haben!“

versteherin
versteherin
Tratscher
4 Tage 7 h

So einen Kommentar kann nur jemand abgeben, der Kinder nicht mehr als menschliche Wesen sieht, sondern nur noch als Virenschleudern. Sie müssen die Hosen ja wirklich gestrichen voll haben vor lauter Angst und Panik…

Faktenchecker
4 Tage 2 h

Und da war der NAndl tot.

marher
marher
Universalgelehrter
5 Tage 6 h

Die Proteste sind sicher gerechtfertigt. So wie jetzt kann es mit den Schulen nicht mehr weitergehen. Die Kinder sitzen stundenlang vor dem PC, Handys u.s.w. und sind zum Teil überfordert. Die Eltern die nebenher arbeiten müssen sind im Dauerstress, und viele kennen sich technisch mit dem digitalen Fernunterricht gar nicht aus. Bleibt nur zu hoffen, dass der Jugend sobald als möglich wieder die Möglichkeit gegeben wird die Schulen normal fortzusetzen.

Gustl64
Gustl64
Tratscher
5 Tage 2 h

Die Neuauflagen der Greta Thunberg?

versteherin
versteherin
Tratscher
5 Tage 24 Min

gustl…ist doch lobenswert, wenn sich Jugendlich für etwas einsetzen, was ihnen wichtig ist. Leicht ist es momentan für lernfreudige Kinder und Jugendliche, denen dazu noch ein soziales Leben wichtig ist, sicher nicht. Hängen die Jugendlichen nur herum, passt es nicht, sind sie engagiert, passt es auch nicht.

primetime
primetime
Universalgelehrter
5 Tage 17 Min

Hoffentlich nicht

Faktenchecker
4 Tage 23 h

Am Thema vorbei.

Pacha
Pacha
Superredner
4 Tage 23 h

Nicht ganz, denn die Einen gehen zur Klima Demo um nicht in der Schule sitzen zu müssen, die Anderen hingegen wollen wieder in die Schule. Armer Freitag.

Gustl64
Gustl64
Tratscher
4 Tage 21 h

Habe die Aktion nicht schlecht geheißen.

Staenkerer
4 Tage 21 h

@Pacha wer woaß, vieleicht krieg, und braucht des oltvertraute schulsystem des mitanonders, des präsent seins, des pünktlich erscheinen müßns, des banonder seins an neuen Aufschwung? Oft werd erst wichtig wos man zu verlieren droht!

Gustl64
Gustl64
Tratscher
5 Tage 2 h

Ohne Einhaltung der Maskenpflicht und anderer Sicherheitsmaßnahmen kann es verständlicher Weise nicht mehr als Fernunterricht geben. Besonders die Eltern üben auf ihre Kinder enormen Druck aus und beeinflussen sie, sich gegen die Maßnahmen zu wehren. Hinter all diesen Aktionen stecken Erwachsene, zum Leidwesen der Kinder und Jugendlichen. Lassen wir die dafür Zuständigen entscheiden, ob und wann es wieder zu Präsenzunterricht kommen kann.

versteherin
versteherin
Tratscher
5 Tage 11 Min

gustl….heutzutags gibt es Kinder und Jugendliche mit einem eigenen Willen und einem guten Verständnis dafür, was richtig und was falsch ist. Gut, dass die Zeiten vorbei sind, wo man als Kind immer nur still sein musste und keine eigene Meinung haben durfte. Aus der Zeit sind leider viele dieser selbstgerechten, scheinheiligen Menschen hervorgegangen, von denen sich so mancher hier im Forum tummelt.

MarkusKoell
MarkusKoell
Tratscher
4 Tage 22 h

Und ich will mein Südtirol zurück 😉

tom
tom
Universalgelehrter
4 Tage 23 h

Erinnert mich an
No Ma’am
National Organisation of Men Against Amazonian Masterhood

primetime
primetime
Universalgelehrter
4 Tage 6 h

ehhehehe 🙂

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