Der Papst traf mit Migranten zusammen

Papst geißelt auf Teneriffa Schlepper und Menschenhändler

Samstag, 13. Juni 2026 | 06:38 Uhr

Von: APA/dpa/KAP

Papst Leo XIV. hat auf den Kanarischen Inseln scharfe Kritik an Schleppern und anderen Profiteuren von Flucht und Migration geübt. Bei einem Treffen mit Migranten und Integrationshelfern auf Teneriffa sagte er am Freitag an die Adresse jener, die von der Not und Verzweiflung von vielen Migranten profitierten: “Hört auf damit! Bekehrt euch!” Nach einer technischen Panne beim Flugzeug trat der Papst den Rückflug verspätet in der Maschine des spanischen Königshauses an.

Das Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken hatte zuvor auf der Plaza del Cristo de La Laguna gesagt, er wolle ein “klares Wort” an diejenigen richten, die die “Verzweiflung anderer ausnutzen; an diejenigen, die Todesrouten organisieren, Menschenhandel betreiben, Dokumente einbehalten, Arbeiter ausbeuten, Frauen bedrohen, Familien betrügen und das Leid anderer zum Geschäft machen”. Zuvor berichteten ihm Migranten von ihren Erfahrungen.

Auch in seiner letzten Predigt vor dem geplanten Rückflug nach Rom betonte Leo die besondere Lage der Kanaren als “Ort der Erstaufnahme für Brüder und Schwestern”, deren Reise “meist unsäglichen Gefahren und Gewalttaten ausgesetzt” sei. Angesichts derer, die mit der Verzweiflung spekulierten, könne man als Christen den Herrn nachahmen, der sage: “Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken”. Die größte Gnade bestehe darin, “dass wir uns von denen evangelisieren lassen, denen wir zu Hilfe kommen”. Zum Abschluss seines siebentägigen Spanien-Aufenthalts nahm der Papst auch Bezug auf Leistungsgesellschaft und auf den Massentourismus, der inzwischen auch auf den Kanaren Probleme bereitet und Unmut auslöst. “Wie wichtig ist es, besonders für diejenigen, die sich am Evangelium orientieren, nicht alles auf Handel und Gewinn zu reduzieren”, sagte er.

Papst: Integration ist wechselseitiger Prozess

Die Kanarischen Inseln sind seit vielen Jahren ein Hotspot der Fluchtbewegung von Afrika über den Atlantik nach Europa. Insbesondere zwischen 2020 und 2024 prägte das Phänomen die Inseln. Vergangenes Jahr ging die Zahl der Bootsmigranten zwar stark zurück. Auf dem Höhepunkt der Krise kamen 2024 aber binnen eines Jahres fast 50.000 Menschen irregulär auf den Kanaren an.

Zugleich warb Leo dafür, Integration als wechselseitigen Prozess zu verstehen. Weder dürften angekommene Migranten ihre Herkunft und Erinnerung vollständig aufgeben müssen, noch sollten Parallelgesellschaften entstehen. Wer in ein neues Land komme, lerne, sich einzuleben und in die Gesellschaft zu integrieren. Die Aufnahmegesellschaft lerne wiederum, “ihr eigenes Zuhause zu erweitern”, ohne dabei aber ihre Identität zu verwässern, sagte Leo weiter.

Kanaren sind letzte Etappe von Spanien-Besuch

Der Besuch von Teneriffa gehört zur letzten Etappe der einwöchigen Spanien-Reise des Papstes. Am Donnerstag besuchte er bereits die Nachbarinsel Gran Canaria, wo er ebenfalls Migranten und Integrationshelfer traf. Zuvor besuchte Leo Madrid und Barcelona. Nach der großen Messe im Hafen von Santa Cruz de Tenerife am Nachmittag sollte der Pontifex wieder zurück nach Rom fliegen. Yago de la Cierva, der Generalkoordinator des Papstbesuchs, glaubt, dass Robert Francis Prevost nach Spanien zurückkehren wird: “Er hat hier eine sehr schöne Zeit verbracht”, wurde de la Cierva im staatlichen TV-Sender RTVE zitiert.

Am Ende der Reise konnte der vorgesehene Airbus A320 der Fluggesellschaft Iberia am Freitagnachmittag nicht vom Flughafen Tenerife Norte auf der Insel Teneriffa starten. Daraufhin stellte König Felipe VI. sein persönliches Flugzeug für den Papst und dessen engste Mitarbeiter zur Verfügung, meldete Kathpress. Statt wie geplant um 16 Uhr MESZ traten Leo XIV. und mehrere Vatikanvertreter, darunter auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, rund drei Stunden später den Flug nach Rom an. Für die mitgereisten Journalisten wollte die Fluglinie Iberia eine Ersatzmaschine aus Madrid nach Teneriffa schicken.

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