Smartphones müssen in eigene Hüllen gesteckt werden

Radikale Maßnahme: Erste italienische Schule führt Handyverbot ein

Dienstag, 18. September 2018 | 07:17 Uhr

Piacenza – Nach langen Diskussionen führte die erste italienische Schule – die Sportoberschule San Benedetto von Piacenza – ein für alle Schulräume geltendes Smartphoneverbot ein. Dabei wird eine neue Technologie verwendet, bei der die Smartphones bei Unterrichtsbeginn in eine isolierende Hülle gesteckt und erst beim Ende der Lektion an einer eigenen Basis wieder „befreit“ werden. Ziel der Schule ist es, sowohl die Aufmerksamkeit der Schüler für den Unterricht zu gewährleisten, als auch das soziale Leben unter den Schülern zu fördern.

Liceo Scientifico San Benedetto Piacenza/Yondr

An allen Schulen weltweit beobachten Lehrer immer öfter, wie sich Schüler vom Smartphone vom Unterricht ablenken lassen. Trotz laufendem Unterricht wird in nicht wenigen Fällen fleißig gechattet und in sozialen Netzwerken weiterhin Nachrichten gelesen und versendet. Einige Länder wie Frankreich greifen zu drastischen Maßnahmen. Das französische Parlament beschloss noch vor Schulbeginn ein gesetzliches Handyverbot an Frankreichs Schulen. Nach langen Diskussionen führte auch die erste italienische Schule – die Sportoberschule San Benedetto von Piacenza – ein für alle Schulräume und Außenflächen geltendes Smartphoneverbot ein. Die Technologie, auf die man dabei zurückgreift, ist eine ganz besondere und stammt vom US-Unternehmen Yondr.

ANSA/PIERPAOLO FERRERI

Vor dem Unterricht müssen die Schüler ihr Smartphone in eine isolierende Hülle stecken, die daraufhin verschlossen wird. Das Material der Hülle, deren Hauptbestandteil Neopren ist, verhindert, dass das Handy mit der Außenwelt Verbindung aufnehmen kann. Der spezielle Verschluss der Hülle kann auch nicht von den Schülerinnen und Schülern selbst geöffnet werden. Nur durch eine eigene „Basis“, die jenen Geräten gleicht, die in Boutiquen und anderen Geschäften verwendet werden, um die Diebstahlsicherungsclips zu entfernen, kann der Hüllenverschluss wieder geöffnet werden. Dies geschieht in der Regel nur am Ende des Unterrichts. Der handfeste Vorteil ist, dass die Schüler im Besitz der Geräte verbleiben, diese aber nicht verwenden können, weil sie vollkommen unbrauchbar sind. Das klassische Einsammeln der Smartphones vor dem Unterricht ist hingegen weit weniger beliebt, weil die Schüler „ihr Smartphone nicht sicher“ haben.

ANSA/PIERPAOLO FERRERI

Im Fall von Piacenza kündigte die Schule noch im Sommer den Eltern der Schüler über ein Informationsschreiben an, dass die Sportoberschule San Benedetto zu Unterrichtsbeginn das Yondr-System für ungestörtes Lernen einführen werde. Am 17. September war es dann soweit. In der Praxis stößt das neue System auf geteilte Meinungen. „Es ist schrecklich, wir fühlen uns von der Außenwelt abgeschnitten“, so einige Schüler. Andere hingegen berichten auch über gute Erfahrungen und loben das neue Klima an der Schule.

„Wir wollen unsere Schüler nicht bestrafen. Es ist eine pädagogische Frage. Wir wollen die Schüler lehren, wieder nach oben auf die Tafel zu schauen und auch öfter untereinander zu reden. Um ein gutes Beispiel zu geben, werden wir auch die Lehrer bitten, ihr Smartphone in die Hülle zu legen“, so der Direktor der Sportoberschule San Benedetto von Piacenza, Fabrizio Bertamoni.

Untersuchungen und Studien – so die Sportoberschule San Benedetto von Piacenza im Brief an die Eltern – hätten gezeigt, dass bereits die alleinige Anwesenheit der Smartphones negativen Einfluss auf den Lernerfolg der Schüler und Studenten hat. Außerdem sei die Einführung dieses Systems an amerikanischen Schulen dazu nützlich gewesen, um das soziale Leben zwischen den Schülern selbst zu fördern.

ANSA/PIERPAOLO FERRERI

Ganz gleich, welcher Weg am Ende beschritten wird, so sind sich in den westlichen Ländern die meisten Eltern, das Lehrpersonal und die Schulverwaltung darin einig, dass etwas gegen die ausufernde Smartphonenutzung unternommen werden muss. Ob das Yondr-System, Störsender, die Smartphones unbrauchbar machen, das klassische Einsammeln der Geräte vor dem Unterricht oder ein einfaches striktes Verbot mit harten Sanktionen zum Einsatz kommt, ist in diesem Sinne letztendlich unerheblich. Die Aufmerksamkeit der Schüler muss wieder dem Lernstoff und dem Lehrer an der Wand gehören, darum geht es.

Ob manch heimische Schule bereits auch über Yondr nachdenkt?

Von: ka

Kommentare

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31 Kommentare auf "Radikale Maßnahme: Erste italienische Schule führt Handyverbot ein"


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aristoteles
aristoteles
Superredner
27 Tage 21 h

auf was warten wir noch. bis alle verblöden? auf gehts

alla troia
alla troia
Tratscher
27 Tage 19 h

genau, richtig so!!

Staenkerer
27 Tage 15 h

👍👍👍 es isch eh schun fünf vor zwölf!
… ober mir wen woll bis fünf noch zwölf wortn …. mir sein jo besser wie der rest von italien …

Brixbrix
Brixbrix
Tratscher
27 Tage 21 h

a super soche

Des kanntnse in Südtirol a glai einfiahrn

m. 323.
m. 323.
Superredner
27 Tage 16 h

sem woll kimmp di Mamma mit di Flügl offn…wenn sie a schun long di Kontrolle über di Tinis verlorn hot….

AnderStiagngl
27 Tage 17 h

Finde ich persönlich falsch! Das Smartphone ist eines der meistgenutzten Geräte der heutigen Gesellschaft. Man benötigt es tagtäglich. Warum führt man nicht Unterrichtsfächer ein, die sich mit diesen Technologien und Systemen beschäftigen? Der heutige Unterricht ist immer noch der selbe wie vor 60 Jahren! Der Fortschritt sollte nicht unterdrückt werden; erst recht nicht von den Schulen! Das Schulsystem ist veraltet und hintengeblieben.

Spatzl
Spatzl
Neuling
27 Tage 16 h
In Deutschland wird seit den 70ern alle paar Jahre eine “neue Sau durch’s Dorf gerieben“, gerade auch, was Rechtschreibung anbelangt. Jetzt kam raus, dass Kinder das am besten auf die alte Art und Weise mit der Fibel lernen. Oh, Schreck, völlig rückschrittlich! Und so ist es mit vielem. Meine Oma konnte im hohen Alter noch besser Kopfrechnen als ich, Staaten mit Frontalunterricht schneiden bei PISA regelmäßig hervorragend ab. Kinder brauchen nicht ständig ein rosa Karnickel, das aus der Torte springt und Aufgaben verteilt, gerne auch digital, sie brauchen anständige Lehrer, die gut erklären können und die Kinder nach ihren Möglichkeiten… Weiterlesen »
Loam
Loam
Grünschnabel
27 Tage 15 h

Ich glaube es bleibt nach der Schule noch mehr als genug Zeit um sich mit dem Smartphone zu beschäftigen, ein paar Stunden am Tag ohne, würde allen gut tun.

Staenkerer
27 Tage 15 h
tjo, heit brauchn de riffl nit erklärn wie a smartphon funktioniert und wos man damit olls tien konn, wos es braucht isch ihnen zu lernen wie man a poor stund a ohne de tropplen zu überlebn, sell kennen se nimmer! dubsogsch es werd seit 60 johr gleich unterrichtet? konn sein, konn a sein das eigenständiges denkn oltmodisch isch, eigenständig an weg zu findn um zu an ziel zu kemmen,, es werd a sein das es hausverstond nimmer braucht, nor konn man lei für insre kinder hoffn das se nie in ihrn lebn in a situation kemmen, wo des “verstonds-ersotz-trappele” auf… Weiterlesen »
andr
andr
Superredner
27 Tage 21 h

Bravo daumen hoch

RS
RS
Grünschnabel
27 Tage 21 h
Super Sache! Aber leider gibt’s ein Problem. In jeder Schulordnung in Südtirol steht, dass das “Hantieren” mit Telefon untersagt ist! Wird ein Schüler dabei entdeckt, so wird das Telefon laut Schulordnung abgenommen und den Eltern vom Direktor nach Unterrichtsschluss ausgehändigt! So weit so gut, ABER…drohen die Eltern mit einer Anzeige, da ja dem Schüler Privateigentum entzogen wurde, so sollen die Direktoren (laut Auskunft der Rechtsabteilung vom Schulamt) das Handy sofort rausrücken (am besten mit förmlicher Entschuldigung), da man sich definitiv in einer Grauzone befinden würde…man will was Gutes tun und kassiert dabei noch eine Anzeige! Wobei sich genau solche Eltern… Weiterlesen »
6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
27 Tage 18 h

Wie schon eine Lehrerkollegin mal nach dem Elternsprechtag sagte: “Das Problem ist wenn man dann auch noch die Eltern erziehen muss”

mithirnundherz
mithirnundherz
Grünschnabel
27 Tage 15 h

@6079_Smith_W Jo se stimb mristns hom die sem schuld an der loge weilse et mit orbatn weilse cool sein well obbo dass die kindo schlau san und la so tin se raffn die meistn mit 50a et.. unduntostüzzn ihnan jugndlicha im kompf gegn die lehrkroft.. obbo jo do konn man nix sogn ma

Staenkerer
27 Tage 15 h

@6079_Smith_W
ha, ha, ha … 😉😅😃 des stimmt!
erst klogn se es eigen”dumm” handy ein und nor mitn onwolt de guten noten!
denn de eltern sein jo erziehungsresistent wenns um ihre prinzen und prinzeschen geat, de dorfn ihnen jo schun vorn schual gien aufn kopf sche…. und de eltern putzn dankbar lächelnd ob, a no wenn se zuin dreißig entlich drauß sein!

m69
m69
Universalgelehrter
27 Tage 14 h

6079@

I konn mi no erinnern, wenn i in die Volksschule gingen bin, zem hobn mir a poor zu die Leffl gekriegt, wenn mir net aufgepasst hobn! Und wenn i des dorhoam gsogt hat, dass i oans zu die Leffl gekriegt hon, zem hots net 2 Sekunden gedauert, und man hot noane Betonwatschn gekriegt, oftamol a 2!

😎
😁
😄

Onkel
Onkel
Grünschnabel
27 Tage 12 h

@mithirnundherz :können sie auch deutsch?

Lana77
Lana77
Tratscher
27 Tage 21 h

Bravo 👏 absolut richtig und sinnvoll. 👍

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
27 Tage 20 h

Smartphoneverbot in die Schulordnung eintragen.

Bei Unterrichtsbeginn alle Geräte ausschalten und in die Schultasche.
Wenn einer beim Gebrauch erwischt, Gerät beschlagnahmen und die Eltern dürfen es dann im Sekretariat abholen.

der echte Aaron
der echte Aaron
Superredner
27 Tage 8 h

Aber erst nach 3 Tagen abholen

TF1
TF1
Tratscher
27 Tage 21 h

a mol a guate Idee  .Super!!

OrB
OrB
Universalgelehrter
27 Tage 20 h

Richtig sehr sinnvoll, dafür aber 1 Stunde Unterricht mit dem Smartphone oder Tablet einführen, man darf auch nicht “hinten” bleiben.

Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
27 Tage 17 h

@ RS
Genau das ist ja das Problem dass in vielen Fällen die Alten noch viel blöder sind als deren Riffl,man bedenke auch  die superschlauen Gesetze wurden ja auch von Alten geschmiedet .

pusteblume
pusteblume
Grünschnabel
27 Tage 16 h

alle reden nur von der schule und den jugendlichen…was ist mit allen anderen? gleiche massnahme in jedem büro, krankenhaus, altersheim, gasthaus…kurzum, bei jeder Arbeitsstelle. es sind nicht immer nur die jugendlichen. jeder kehre vor seiner eigenen tür.

Staenkerer
27 Tage 14 h

tjo, recht hosch!

ober fongen mir amoll kloan un, ba de kloan, damit de generation und de nächsten nit den fehler mochn wie de vergongenen, und ziechn ba olle von dir genannten noch… sem fahlt no … ba olle staßenverkehrsteilnehmer, a de fußgänger …

nok
nok
Tratscher
27 Tage 20 h

Zu spät… aber besser als nie.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
27 Tage 18 h

Könnte man bei uns auch einführen.

lupo990
lupo990
Superredner
27 Tage 20 h

Super Kompliment,,,

mannisound
mannisound
Grünschnabel
27 Tage 21 h

es oanzig richtige!

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Tratscher
27 Tage 21 h

Endlich eine sinnvolle massnahme…..weiter so

rumpele
rumpele
Grünschnabel
27 Tage 20 h

super soch

cooler Typ
cooler Typ
Tratscher
27 Tage 7 h

Würde auch am Arbeitsplatz funktionieren.

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