Ehemann ist zu kranker Mutter gezogen

Schuldspruch: Mann wegen Missachtung der ehelichen Pflichten verurteilt

Dienstag, 11. Februar 2020 | 07:14 Uhr

Messina/Rom – Ein in einem Scheidungsfall ergangenes Urteil des römischen Höchstgerichts löste in der italienischen Öffentlichkeit eine lebhafte Debatte aus.

Ein Mann aus Messina, so La Repubblica, der die eheliche Wohnung verlassen hatte und zur Pflege seiner kranken Mutter in das Haus seiner Eltern gezogen war, wurde vonseiten des römischen Kassationsgerichts wegen Missachtung der mit der Ehe verbundenen Pflichten im Scheidungsverfahren die Schuld am Eheende zugewiesen. Das Höchstgericht bestätigte hiermit die Urteile der beiden vorangegangenen Instanzen und verurteilte den Ehemann dazu, sowohl seiner Ex-Frau, als auch seiner Tochter Unterhalt zu leisten.

Der Scheidungsfall nahm seinen Anfang, als ein Ehemann aus Messina beschloss, zur Pflege seiner kranken Mutter für unbestimmte Zeit die eheliche Wohnung zu verlassen und in das Haus seiner Eltern zu ziehen. In der Folge geriet die Ehe, die vermutlich bereits seit geraumer Zeit sehr konfliktträchtig war, endgültig aus dem Fugen. Seine Frau reichte die Trennung und später die Scheidung ein. Da ihr Mann die Familie verlassen hatte, verlangte die Ehefrau vom zuständigen Gericht, ihrem Partner die gesamte Schuld am Ende der Ehe zuzuweisen. Das Gericht kam zur selben Ansicht.

APA/APA (Archiv/Pfarrhofer)/HERBERT PFARRHOFER

Der Mann gab sich damit aber nicht geschlagen. Nachdem er sowohl das Urteil des ersten Gerichts, als auch den gleichlautenden Richterspruch des Berufungsgerichts angefochten hatte, landete das umstrittene Scheidungsverfahren vor dem Obersten Kassationsgerichtshof. Obwohl der Mann den Richtern schilderte, dass aufgrund der grenzenlosen Eifersucht und des besitzergreifenden Charakters seiner Frau das familiäre Zusammenleben unerträglich geworden sei und aufgrund der Krankheit seiner Mutter die Notwendigkeit bestanden habe, zu ihr zu ziehen, bestätigte das Höchstgericht die Urteile der vorausgegangenen Instanzen. Die Richter ließen die Einwände des Mannes nicht gelten und verurteilten den Mann dazu, seiner Exfrau und auch seiner Tochter, die bereits ein monatliches Studienstipendium von 800 Euro erhält, Unterhalt zu zahlen.

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Mit seiner Entscheidung – so Alessandro Simeone, Rechtsanwalt des wissenschaftlichen Kollegiums des Portals für Familienrecht „Il Familiarista“ – hat das römische Kassationsgericht einige grundlegende Prinzipien bekräftigt, die zwar veraltet wirken mögen, aber Teil jenes Gefüges sind, laut denen sich nach den derzeit gültigen Gesetzen eine eheliche Gemeinschaft entwickeln soll. In diesem Sinne bedeutet eine Heirat nicht nur einander treu zu sein, zusammenzuarbeiten und sich um den Unterhalt der Familie zu kümmern, sondern beinhaltet auch die Pflicht, unter ein und demselben Dach zu leben. Diese Pflicht erlischt erst, wenn sich die Ehepartner nach einer gemeinsamen Absprache anders entscheiden oder wenn schwerwiegende Umstände eintreten, die eine Fortsetzung des Zusammenlebens unerträglich werden lassen. In diesem Fall entschieden die Richter, dass die Lage der Mutter des Klägers ihn nicht von der vom Artikel 143 des Italienischen Zivilgesetzbuchs vorgesehenen Pflicht zum Zusammenwohnen – „aus der Ehe entspringt die gegenseitige Pflicht zur Treue, zum geistigen und materiellen Beistand, zur Mitarbeit im Interesse der Familie und zum Zusammenleben“ – entbindet. Dies geschah aus der Annahme heraus, dass der Mann auch seine alte Mutter pflegen gekonnt hätte, ohne seine mit der Ehe verbundenen Pflichten zu vernachlässigen.

stnews/luk

Wenig überraschend scheidet das Urteil die Geister. Das Urteil der Höchstrichter stößt einerseits vielfach auf Zustimmung. Andererseits meinen einige Experten, dass es an der Zeit sei, sich von einigen Normen zu verabschieden, weil die moralische Verantwortung für das Ende einer Ehe nicht mit einem Richterspruch einem Partner allein zugeschoben werden könne.

Von: ka

Kommentare

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26 Kommentare auf "Schuldspruch: Mann wegen Missachtung der ehelichen Pflichten verurteilt"


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Lana77
Lana77
Superredner
1 Monat 20 Tage

Hon i olm schun gsog; am Bestn nia den Fahler mochn zu heiratn. Bring mear Probleme als Gutes !

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

Weil die Gesetze für die Ehepartnerinn gemacht sind. Schuld hat immer der Mann und der soll zahlen.

alpenfranz
alpenfranz
Superredner
1 Monat 20 Tage

ein Wahnsinn..800 EUR Studienbeitrag und dannnochmals für Frau und Kind..also wieviel insgesamt?1500 EUR? was bleibt dann mir? ich würde auswandern..dann können beide schauen wo sie bleiben. übrigens..ich habe für das Studium keinen Cent bekommen. Montag in der Früh Innsbruck, am Donnerstag zu Mittag nach Hause und Donnerstag Abend, Freitag und Samstag in der Disco gearbeitet

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

Wenn net verheiratet bisch Lana, noa konnsch net mitreden!

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

die Gesetze sein angepasst worden …. no in die 70er hot die Frau absolut keine Rechte kop! es hot olls in Monn gikeart und die Frau hot gidarft mit NIX gion odo bleiben und sich doschlogn und betrügen lossn! sogor sel hot a Monn domols ungestraft tion gidarft! Heint sein die Gesetze zum Schutz der Frau angepasst ….. so manche nutzt sel sicho schamlos aus …. obo vorher Homs holt die Männer schamlos ausgenutzt!!! wor a net bessa

Reitiatz
Reitiatz
Superredner
1 Monat 20 Tage

wenn dr die frauen die zenn zoagn konsch die heibm

Avalon
Avalon
Tratscher
1 Monat 20 Tage

@Tantemitzi Muss man verheiratet sein um mitreden zu können?Jeder kann sich auchseine eigenen Gedanken darüber machen ,oder?!

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

@Tantemitzi Zeit eine goldene gerechtere Mitte zu finden.

schnegge
schnegge
Grünschnabel
1 Monat 20 Tage

@Tantemitzi: angepasst??? wenn eine frau ihren mann betrügt, sie ein gemeinsames haus haben oder noch besser im elternhaus des mannes leben mit kindern. wer von ihnen muss ihrer meinung nach das haus verlassen??? angepasst leider nicht immer!!!

Vs85
Vs85
Grünschnabel
1 Monat 20 Tage

Amerst kuen glück mit so an frau, nor kimp des pech a nou😬

Marisa
Marisa
Tratscher
1 Monat 20 Tage

Ich finde es nicht in Ordnung wenn nur ein Ehepartner alleine die Schuld bekommt wenn die Ehe scheitert. Der Richter müsste ja auch berücksichtigen was war bevor der Mann ausgezogen ist. Daß er der Tochter Unterhalt zahlen muß ist ja in Ordnung aber die Frau kann sich doch eine Arbeit suchen und auf eigenen Beinen stehen.

Staenkerer
1 Monat 20 Tage

so a einseitiges urteil isch decht schwochsinn!
i glab das der umzug um de kronke mutter zu pflegn müßte woll a “mildernder umstond” sein? er isch jo nit zur geliebten gezogn!

Obadja
Obadja
Grünschnabel
1 Monat 20 Tage

kein wunder dass italien eine niedrige geburtenrate hat. mit solchen zuständen will keiner mehr eine partnerschaft. und ja, beide haben schuld, das paar besteht aus 2 personen

Spartacus
Spartacus
Tratscher
1 Monat 20 Tage

Ich finde dieses Urteil richtig, sonst könnte der nächste sozialpolitische Schritt ein Gesetz sein, der den Sohn oder die Tochter VERPFLICHTET die eigene Familie zu verlassen,( vernachlässigen) um Mutter oder Vater zu pflegen. Eigentlich läuft es schon in diese Richtung.

@
@
Superredner
1 Monat 20 Tage

Was ist die Folge eines solchen Urteils? Der Mann lässt die Arbeit, bezieht das Grundeinkommen und arbeitet”schwarz”. Die Pflege für die Mutter. muss von der öffentlichen Hand bezahlt werden,die Tochter das Studium aufgeben und landet als Arbeitslose auf der Straße,und und, und.Rin Ratten-Schwanz an Folgen. Auch nicht besser, oder?

Zugspitze947
Zugspitze947
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

Unglaubliche Rechtsprechung in Italia. Das kann es nicht sein 🙁 Für das Kind bis es 25 (oder bis zum Ausbildungsende ) ist Unterhalt ja,aber die Frau kann arbeiten gehen ! 🙂

Alessandro
Alessandro
Grünschnabel
1 Monat 20 Tage

Traurig wia schnell Liebe zu Gier und Hoss werdn konn…😲

DerTom
DerTom
Tratscher
1 Monat 20 Tage

wie man sagt – zu zweit kann man die probleme teilen, die man alleine gar nicht hat….

peterle
peterle
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

Dann am Besten nicht mehr arbeiten.

wecker
wecker
Grünschnabel
1 Monat 20 Tage

Friaer bin ledig gwedn, nor ischmers guat gongen, nor hon i geheiratet, nor ischmers besser gongen, dernoch hon i mi scheiden lossen, nor ischmers gonz guat gongen😍

micboc
micboc
Neuling
1 Monat 20 Tage

Nach der Logik müssten ja dann auch alle Manager auf Auslandseinsatz, Entwicklungshelfer, Monteure, Badanti usw. geschieden werden.

Savonarola
1 Monat 20 Tage

die Frau könnte früher oder später in die ähnliche Situation kommen

Madaja
Madaja
Grünschnabel
1 Monat 20 Tage

I mechet nia dass mi meine Kinder amol pflegen! Familienleben der Kinder isch ollm pfutsch! 24 Stunden do sein für mi oder ins!
wenn I amol nimmer souffl bin für mi oder für die Frau selber ze sorgen nor geah i oder gian mir amol ins Oltersheim! I mecht niamend her Loscht folgen! “sou sich holt is !”

Staenkerer
1 Monat 19 Tage

jo, der wunsch isch verständlich, den honn i a ! leider hobn oltersheime longe worteschlongen! wer nit schun a kompletter pflegefoll isch hot 0 chancen und de müßen worten!
es lond hinkt jo mit heimneubauten weit hinterher, ober für neue sporttempel isch grund und geld jederzeit bereit!

flakka
flakka
Tratscher
1 Monat 20 Tage

typisch italien.
stuckenweiss no in der stoanzeit dahoam!

silas1100101
silas1100101
Universalgelehrter
1 Monat 20 Tage

Gott sei Dank bin ich noch Single!! Aber eine kurze Beziehung zu sehen wie das ist wäre mal toll!

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