Der Moment, in dem Filippo Turetta Giulia Cecchettin tötete – VIDEO

„Sie gehörte mir und nur mir, sie konnte niemand anderem gehören“

Montag, 04. Dezember 2023 | 08:20 Uhr

Vigonovo – Nach der Auslieferung Filippo Turettas nach Italien und dem ersten Verhör, in dem der junge Student den Mord an Giulia Cecchettin gestand, kommen weitere erschütternde Details des grausamen Femizids ans Licht.

Über das Motiv des Mordes scheinen keine Zweifel mehr zu bestehen. Der krankhaft eifersüchtige und sehr besitzergreifende 21-Jährige fand sich nie damit ab, dass seine Beziehung mit der jungen Studentin zu Ende war. „Ich habe etwas Schreckliches getan, aber sie hätte niemand anderem gehören können“, so Filippo Turetta während seines Geständnisses gegenüber dem Staatsanwalt.

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Den Ermittlungen zufolge geschah der Mord am vergangenen 11. November zwischen 23.40 Uhr und 23.50 Uhr während des zweiten Angriffs auf Giulia im Industriegebiet von Fossò, einer Nachbargemeinde von Vigonovo, wo die junge Frau wohnhaft war. In den wenige Sekunden dauernden Aufnahmen einer Überwachungskamera, die die letzten sind, die Giulia lebend zeigen, sind nur verschwommene Umrisse zu erkennen. Giulia, die offenbar um ihr Leben fürchtet, versucht, vor Filippo Turetta zu flüchten.

ANSA/Presseamt der Gemeinde Vigonovo

Seinem Geständnis zufolge tötete Filippo Turetta Giulia Cecchettin, weil er das Ende ihrer Beziehung nicht akzeptieren konnte. „Giulia gehörte mir und nur mir, sie konnte niemand anderem gehören“, so der geständige Mörder zum Staatsanwalt. Für den 21-jährigen Studenten war es unvorstellbar, dass die Liebesbeziehung zu Ende war und dass Giulia vorhatte, ihr Leben ohne ihn fortzuführen. Ihr Angebot, ihm zuliebe weiterhin in Freundschaft verbunden zu bleiben, war ihm zu wenig. Giulia musste „sein“ sein.

ANSA/Presseamt der Gemeinde Vigonovo

Laut dem Ergebnis der Autopsie der Leiche des Opfers setzte ein tiefer Messerstich unter dem linken Ohr, der die Arteria basilaris, eine der Schlagadern, die das Gehirn mit sauerstoffreichem Blut versorgt, erreichte, dem Leben der jungen Frau ein schreckliches Ende. Einer Rekonstruktion des Tathergangs zufolge wurde Giulia wahrscheinlich erstochen, nachdem sie ihr Mörder eingeholt und zu Boden gestoßen hatte. Der Befund des Gerichtsmediziners, dass Giulia Cecchettin von hinten oder von der Seite niedergestochen wurde, lässt auf einen solchen Tathergang schließen.

Der Tod trat fast sofort ein. Der von der Staatsanwaltschaft von Venedig beauftragte Gerichtsmediziner sollte später am toten Körper des Opfers mehr als 20 weitere Schnitt- und Stichwunden finden, von denen viele Abwehrverletzungen sind, die vom Todeskampf der 22-jährigen Studentin zeugen.

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Gegenüber dem Staatsanwalt Andrea Petroni erklärt der 21-Jährige, dass er „eine schreckliche Tat“ begangen habe und nicht verstehen könne, „was in seinem Kopf los war“. Im selben Moment versichert der junge Mann aber auch, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, Giulia zu töten, sondern sie nur im Auto festzuhalten.

Während des Verhörs im Gefängnis von Verona kommt der 21-Jährige auch auf seine Flucht und die vielen Nächte, die er im Auto verbrachte, zu sprechen. Nicht zuletzt, weil sie nicht immer klar sind und Filippo Turetta manchmal um seine Erinnerung ringt, werden seine Aussagen von der Staatsanwaltschaft in Zusammenarbeit mit den Carabinieri und dem Gerichtsmediziner auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

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Einige Aussagen Filippo Turettas – insbesondere jene, dass keine Absicht bestanden habe, seine Ex-Freundin zu ermorden – deuten darauf hin, dass sein Verteidiger dafür plädieren könnte, dass der Mord eine plötzliche, unvorhergesehene Handlung gewesen sei. Dies könnte ihm eine lebenslängliche Haftstrafe ersparen. An Indizien und vielleicht sogar an Beweisen, dass der junge Student den Mord an der 22-Jährigen und seine Flucht möglicherweise einige Tage vorher oder vielleicht sogar schon seit Wochen geplant habe, fehlt es allerdings nicht. Neben dem Messer, dem Klebeband und den schwarzen Plastiksäcken deuten auch die bei ihm sichergestellten 300 Euro in bar darauf hin, dass der Mord möglicherweise nicht die Folge eines „plötzlichen Wutanfalls“ gewesen ist.

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Am Sonntag wurde Filippo Turetta das erste Mal seit seiner Verhaftung von seinen Eltern im Gefängnis besucht. Meldungen zufolge sollen beim Treffen, das rund eine Stunde dauerte, viele Tränen geflossen sein. Am Dienstag hingegen wird Giulia Cecchettin in Padua zu Grabe getragen werden. Zu ihrem Begräbnis werden Zehntausende Trauergäste aus ganz Italien erwartet.

ANSA/ANDREA MEROLA

Von: ka