Sind Drogenkuriere einem Seeunglück zum Opfer gefallen? - VIDEO

Sizilien: Rätselhafter Leichenfund am Strand

Montag, 13. Januar 2020 | 08:06 Uhr

Palermo – Ein rätselhafter Fall beschäftigt gleich mehrere sizilianische Staatsanwaltschaften. Nachdem im Abstand von mehreren Tagen und Dutzenden von Kilometern Küste am Strand zwei Männerleichen und eine Vielzahl von kleinen „Haschischpaketen“ entdeckt worden waren, gelangten die Ermittler zur Überzeugung, dass in einem Wintersturm ein Boot der Drogenkuriere samt Besatzung und Fracht Opfer eines Seeunglücks geworden war.

Die mysteriöse Geschichte begann am vergangenen Silvestertag, als auf einem Strand in der Nähe von Cefalù eine mit einem Tauchanzug bekleidete, männliche Leiche gefunden wurde. Kaum eine Woche später wurde rund 30 Kilometer vom ersten Fundort entfernt, in Castel di Tusa, eine weitere Leiche am Strand geborgen. Aber das war noch nicht alles. In den ersten Tagen des neuen Jahres wurde an verschiedenen Stränden der tyrrhenischen Küste Siziliens eine Vielzahl von Drogenpaketen an Land gespült. Allein an einem Strand von Capo D’Orlando in der Provinz Messina wurden säuberlich und wasserdicht abgepackte Haschischpakete im Gesamtgewicht von 38 Kilogramm gefunden. Weitere 60 Kilogramm auf dieselbe Art und Weise abgepacktes Haschisch wurde an zwei weiteren Stränden an Land gespült.

Polizia di Stato/Questura di Messina

In den betreffenden Tagen vor dem Jahreswechsel wurde der Küstenwache kein Segelboot oder ein anderes Wasserfahrzeug als vermisst gemeldet. Genauso wenig gingen bei den Ordnungskräften Vermisstenmeldungen ein, die zu den beiden, ähnlich bekleideten, männlichen Leichen passen würden. Diese Umstände ließen den Staatsanwalt von Patti, Angelo Cavallo, der die Ermittlungen mehrerer sizilianischer Staatsanwaltschaften koordiniert, zur Ansicht gelangen, dass es sich bei den beiden Leichen um Drogenkuriere gehandelt hatte, die vor einem Monat in einem Wintersturm im Meer verunglückt waren. Da im Meer zwischen der Nordküste Siziliens und den Äolischen Inseln trotz intensiver Suche bisher keine treibenden Bootsteile gefunden werden konnten, gehen die Ermittler davon aus, dass das Boot als Ganzes gesunken war.

Auch die Bekleidung der Männer sowie weitere Indizien stützen die „Kurierhypothese“. Beide vermutlich fast gleichaltrigen Männer – sie wurden auf ein Alter zwischen 40 und 50 Jahren geschätzt – waren mit einem Tauchanzug bekleidet, wobei aber gleich mehrere Indizien – der mutmaßlich jüngere der beiden Männer hatte an seinen Füßen noch Turnschuhe an – darauf schließen ließen, dass es sich bei den Unglücksopfern um keine ans Meer gewohnte Menschen wie Fischer oder Segelsportler handelte.

Auch die gerichtsmedizinische Autopsie konnte nicht das Geheimnis um die Identität der beiden Männer lüften. Allerdings konnten auf der Hautoberfläche der Leichen einige Tätowierungen gefunden werden. Die verschwommenen, sicherlich nicht von einem Profi ausgeführten Tattoos bestehen bei beiden aus Buchstaben – vielleicht den Initialen – sowie beim jüngeren Opfer auch aus einem sogenannten Tribal und dem Umriss einer Fledermaus. Von der Auswertung der DNA-Proben erhoffen sich die Ermittler weitere Erkenntnisse.

Aber vor allem wollen die ermittelnden Staatsanwaltschaften mehr über die Drogenroute Tunesien-Sizilien erfahren, auf der die Drogenkuriere auf hoher See verunglückt waren. Über diese Route gelangen große Mengen von Haschisch und anderen Drogen von Tunesien nach Europa.

Von: ka

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