Von: luk
Catania – Das schwere Unwetter „Harry“ hält den Süden Italiens weiter fest im Griff. Der italienische Zivilschutz hat für weite Teile von Sizilien, Kalabrien und Sardinien erneut die rote Warnstufe ausgerufen. Erwartet werden anhaltende Starkregenfälle, Sturmwinde mit Böen von über 120 km/h sowie schwere Sturmfluten. Gleichzeitig kämpft der Norden des Landes mit eisigen Temperaturen.
Insgesamt bleiben in rund 150 Gemeinden die Schulen geschlossen, darunter in den sizilianischen Städten Catania, Messina und Enna. Zahlreiche Bürgermeister ordneten zudem die Schließung von Parks, Gärten und Strandpromenaden an. In besonders exponierten Küstenbereichen gilt ein Betretungsverbot der Uferzonen.
Evakuierungen in Küsten- und Flussgebieten
Besonders angespannt ist die Lage in Kalabrien. In Crotone ordnete der Bürgermeister die Evakuierung von Bewohnerinnen und Bewohnern aus Kellern, Souterrains und Erdgeschossen in zwei Küstenvierteln an. Auch auf Sardinien kam es zu Evakuierungen: Im Raum Cagliari mussten rund hundert Menschen vorsorglich ihre Häuser verlassen, da Flüsse und Wildbäche über die Ufer zu treten drohten.
In Lamezia Terme wurde vorsorglich ein Einkaufszentrum geschlossen. Die Behörden rechnen auch in den kommenden Stunden mit kritischen Wetterbedingungen.
Schwere Schäden durch Regen und Sturmfluten
Das Unwetter hat bereits erhebliche Schäden verursacht. In San Mauro Marchesato (Provinz Crotone) stürzte ein Teil des alten Friedhofs ein, wobei etwa 20 Särge in eine darunterliegende Schlucht gerissen wurden. In Melito Porto Salvo zerstörte eine Sturmflut rund 100 Meter der Uferpromenade.
Auf Sardinien drang das Meer in mehrere Küstenfraktionen der Gemeinde Capoterra ein. In der Stadt Cagliari wurde der bekannte Strand Poetto überschwemmt, das Wasser reichte bis zur Straße, die daraufhin für den Verkehr gesperrt wurde.
Verletzte und riskante Situationen
Trotz der dramatischen Lage blieb eine größere Katastrophe bislang aus. In der Provinz Reggio Calabria stürzten nach heftigen Regenfällen zwei Felsbrocken auf ein Auto – der Fahrer erlitt nur leichte Verletzungen. In Tortolì (Nuoro) wurde ein Fahrzeug von einem umstürzenden Baum getroffen, auch hier kamen die Insassen mit nicht schweren Verletzungen davon.
Leichtsinn auf Sizilien
In Messina kam es hingegen zu einer gefährlichen Situation durch Leichtsinn: Ein älterer Autofahrer ignorierte eine Straßensperre und stürzte mit seinem Wagen in eine aufgebrochene Fahrbahn am Lungomare von Santa Teresa di Riva. Auch die Bürgermeister von Taormina und Santa Teresa di Riva gerieten in Gefahr, als sie während eines Facebook-Livestreams von einer hohen Welle erfasst wurden, mit der sie auf die Risiken der Sturmfluten aufmerksam machen wollten. Es hagelte Kritik, weil sie als Bürgermeister ihr eigenes Ausgehverbot gebrochen haben.
Die Behörden appellieren eindringlich an die Bevölkerung, die Warnhinweise ernst zu nehmen und gefährdete Gebiete zu meiden. Das Ende des Unwetters ist derzeit noch nicht absehbar.





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